Es geht also nicht um Raps, Dates und Justin Bieber, sondern darum, Jugendliche bei der Berufsorientierung und Ausbildungsplatzsuche zu unterstützen. Dafür wurden Werbespots, Videostorys und Posts entworfen, die auf allen Kanälen von Snapchat über Instagram bis YouTube angeboten werden und im besten Fall ihre Hauptzielgruppe erreichen: 460.000 Berliner Schülerinnen und Schüler, die so auf das gemeinsame Internetportal ausbildung.berlin gelotst werden sollen.
Mit 200.000 Euro aus dem Bildungsetat finanziert
Dort sind alle verfügbaren freien Ausbildungsplätze in Berlin und im nahen Umland zusammengefasst. Aktuell sind dort mehrere Tausend Ausbildungsplätze gelistet. Die Kampagne wird von den Partnern der Ausbildung in Berlin getragen und von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie finanziert. 200.000 Euro wurden aus dem Bildungsetat zur Verfügung gestellt. Es geht um die Jugendlichen, sagte IHK-Präsidentin Beatrice Kramm bei der Vorstellung der Kampagne am Mittwoch. „Um den wichtigsten Rohstoff, den wir in der Stadt haben.“
Berlin braucht nicht nur eine bessere Berufsberatung, sondern mehr Lehrstellen
Leere statt Lehre: Wenn junge Leute plötzlich orientierungslos im Nebel stehen
Tatsächlich wird dieses Potenzial nicht gut gefördert und genutzt. Nach wie vor wird in Berlin zu wenig ausgebildet. Zum einen hat die duale Ausbildung nicht den besten Ruf. Viele wollen lieber Abitur machen und studieren. Viele sind ratlos, haben keine Orientierung oder sind auf einen einzigen Traumberuf festgelegt. Meist kennen Jugendliche nur zehn Ausbildungsberufe, obwohl es auch in Berlin etwa 300 gibt.
Die Pandemie hat diese Orientierungslosigkeit noch befördert, weil Berufsberatung kaum stattfand oder Schulen geschlossen waren. Andererseits haben Unternehmen Ausbildungsplätze gestrichen. Doch der Nachwuchs wird gebraucht. Bereits in zehn Jahren rechnet die Berliner Wirtschaft damit, dass wegen des demografischen Wandels knapp 200.000 Facharbeiter und Meister in der Stadt fehlen werden.
Dass zum Start der Kampagne auch Berlins Regierender Bürgermeister dabei war, zeigt wohl, dass Ausbildung nun Chefsache ist. „Mit unserem Engagement wollen wir für junge Menschen den Start ins nächste Ausbildungsjahr auch unter den Bedingungen der Corona-Krise sichern“, sagte Michael Müller. Nichts schütze besser vor Arbeitslosigkeit als ein Ausbildungsabschluss. „Das gilt gerade in schwierigen Zeiten.“
Über die Internetseite sollen potenzielle Auszubildende abgeholt und informiert werden. Im besten Fall entdecken sie dann, dass es tatsächlich Alternativen zum einzigen Traumberuf gibt. Für IHK-Präsidentin Kramm ist das mehr als eine Kampagne: „Das ist ab jetzt für immer.“ Laut IHK blieben im vergangenen Jahr 8000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Zugleich hatten aber auch Tausende Jugendliche keine Lehrstelle gefunden.
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