Dadurch, dass ich im EU-Parlament bin, erlebe ich derartiges aber auch aus anderen Ländern. Ich war Schattenberichterstatterin beim Rechtsstaatsverfahren gegen Polen. In den sozialen Medien wurden Aussagen von mir aus dem Parlament zitiert, eingebettet in explizit LGBTI-feindliche Beiträge. Da ist eine regelrechte Troll-Armee zugange; es werden auch gezielt Falschaussagen verbreitet.
Zur Person
Kritik an meiner politischen Arbeit ist natürlich völlig legitim. Aber damit haben solche Äußerungen ja rein gar nichts zu tun. Es ist schließlich ein Unterschied, ob jemand sagt: „Ich teile Ihre Position nicht“ oder „Über die Schlampe würde ich auch gern mal drüberrutschen“. Wenn mir jemand so etwas ins Gesicht sagen würde, käme ich auch nicht auf die Idee, das auszudiskutieren.
Ohnehin sind die meisten Beleidigungen – die überwiegend von Männern kommen – sexualisiert oder betreffen mein Äußeres. Ich glaube, diese Männer können einfach nicht damit umgehen, dass jemand wie ich im EU-Parlament sitzt: jung, weiblich, queer. Noch dazu äußere ich mich explizit feministisch. Es ist aber wichtig, sich klar zu machen, dass das oft orchestrierte Aktionen sind, mit dem Ziel, bestimmte Akteurinnen aus der öffentlichen Debatte zu vertreiben. Das ist eine Gefahr für unsere Demokratie.
Digitale Gewalt
Im Umgang mit Hatespeech bin ich viel restriktiver geworden. Meine Mitarbeiter:innen wissen, dass sie mir nicht jede Beleidigung vorlegen müssen, bevor sie sie löschen. Je nach Inhalt leiten wir entsprechende Nachrichten auch an die Strafverfolgungsbehörden weiter. Dass ich von meinem Team geschützt werde, ist ein Privileg, das ich als Europaabgeordnete genieße. Politikerinnen und Politiker auf kommunaler Ebene haben keinen derartigen Schutz, gerade, wenn sie sich ehrenamtlich engagieren.
Aufgezeichnet von Tanja Brandes
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