Heute Abend wird sich Hayriye Aydin im Haus des Bundespräsidenten Horst Köhler das Popkonzert "Bellevue unplugged" anhören. Die 17-Jährige ist mit anderen jungen Leuten aus der "Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus" und weiteren 250 Gästen von Köhler wegen ihres sozialen Engagements dorthin eingeladen worden. Dem Großteil ihrer 13-köpfigen, kurdischen Familie droht dennoch die Abschiebung in die Türkei. Der Petitionsausschuss im Abgeordnetenhaus hat aber gestern einen Zeitaufschub bis zum 21. April erreicht."Es gibt keinen rechtlichen Anspruch auf Aufenthalt", sagte zwar Ralf Hillenberg (SPD), Vorsitzender des Petitionsausschusses. Der Ausschuss möchte allerdings in Absprache mit Innensenator Ehrhart Körting (SPD) den Fall noch einmal unter die Lupe nehmen. So müsse untersucht werden, ob eine der Aydin-Töchter vor Jahren in der Türkei entführt worden ist und ob die Familie sich dadurch damals vom Tode bedroht fühlen musste. Laut Hillenberg gehört dies alles zur komplizierten Vorgeschichte.Vater Feyaz Aydin war nämlich 1989 unter falschem Namen aus der Türkei nach Deutschland geflüchtet - nach eigenen Angaben nach Haft und Folterung durch den Geheimdienst. Der Mann erhielt mit seiner Frau nur eine Aufenthaltsduldung, weil er zunächst angab, aus dem libanesischen Beirut zu stammen. Schon 1996 wurde ein Asylantrag abgelehnt. Seitdem droht dauernd die Ausweisung.Mitschüler von Hayriye Aydin an der Kreuzberger Eberhard-Klein-Schule und von ihrer Schwester an der Friedrichshainer Thalia-Grundschule haben tausend Unterschriften zu Gunsten der Aydins gesammelt. Ihre Argumentation: Der Vater könne als Kraftfahrer ab April ohne Sozialleistungen die Familie ernähren. Außerdem würden die in Berlin geborenen Kinder überhaupt kein Türkisch und nur wenig Kurdisch sprechen sowie zudem die Türkei gar nicht kennen. Dass drei der Aydin-Mädchen, darunter Hayriye, vorerst noch ihre Ausbildung beenden dürfen, tröstet die Unterstützer nicht. Die Familie würde in jedem Falle auseinander gerissen. Ausnahmslos alle aus der Familie Aydin gelten nach Ansicht der Unterstützer als "mustergültig" integriert.------------------------------Härtefalle684 Flüchtlinge sind 2005 als Härtefälle anerkannt worden. Obwohl die Gesetze dagegen sprachen, haben diese Flüchtlinge dadurch ein Aufenthaltsrecht. Rund 600 Flüchtlinge wurden nicht anerkannt.Sonderregelung: Die Innenbehörde strebt eine Aufenthaltserlaubnis für kriegstraumatisierte Flüchtlinge aus dem Kosovo an. Noch vor einer Woche war ein Ehepaar aus dem Kosovo mit fünf Kindern abgeschoben worden. Die Familie wurde wegen der anerkannten Traumatisierung zurückgeschickt. Seitdem sitzen das Familienoberhaupt und der 19-jährige Sohn in der Abschiebehaft.
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