UPDATE

Flutkatastrophe

Bericht: Landkreis Ahrweiler missachtete offenbar Hochwasserwarnungen

Der Landkreis soll am Abend des 14. Juli vor der Katastrophe gewarnt worden sein. Experte Frank Roselieb wirft dem Landrat Versagen vor.

Team News Eva Maria Braungart AFP/eb
3 Min
Der Kreis Ahrweiler ist von der Flutkatastrophe besonders betroffen. 

Der Kreis Ahrweiler ist von der Flutkatastrophe besonders betroffen. 

© dpa/Thomas Frey

Bereits am Nachmittag des 14. Juli veröffentlichte das Landesumweltamt demnach Prognosen, die einen Pegelstand der Ahr von deutlich mehr als dem vorherigen Höchststand von 3,7 Meter vorhersagten. Am Abend habe es dann neben den Mails auch weitere Online-Informationen der Landesbehörde gegeben. Darin sowie in den Mails an die Kreisverwaltung sei gegen 21.30 Uhr ein erwarteter Pegelstand von fast sieben Metern genannt worden. Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) verwies gegenüber der FAZ auf die Zuständigkeit der Kreisverwaltung. Er kündigte an, die Abläufe an dem Abend würden „exakt aufgearbeitet“ werden.

Nach der Flutkatastrophe an der Ahr hat der Krisenforscher Frank Roselieb schwere Vorwürfe gegen den CDU-Landrat Jürgen Pföhler erhoben. Das Katastrophenschutzmanagement gehöre zur Kernfunktion jedes Kreischefs und jedes Oberbürgermeisters, sagte der Kieler Wissenschaftler der in Koblenz erscheinenden Rhein-Zeitung. Die Auslösung eines Voralarms hätte laut Roselieb bereits am frühen Abend des 14. Juli erfolgen können, „um Notmaßnahmen einleiten zu können“. Dies sei etwa möglich, wenn „die Pegelstände steigen und steigen, ohne dass schon Schlimmeres passiert ist“.

Starkregen löste verheerende Überschwemmungen aus

Tatsächlich wurde der Katastrophenfall mit Warnstufe 5 laut der Rhein-Zeitung erst um 23.15 Uhr ausgerufen. Zu dieser Zeit erging demnach auch die Meldung, die Gebäude 50 Meter rechts und links der Ahr zu evakuieren. Als Pföhler zu dieser Zeit an die Bevölkerung appelliert habe, sich in höher gelegene Stockwerke zu begeben, seien bereits Häuser von den Wassermassen mitgerissen worden.

„Niemand kann sagen, dass es solche Flutwellen im Ahrtal noch nicht gegeben hat“, betonte Roselieb. „Beim Hochwasser vor 200 Jahren waren die Dimensionen etwa noch gewaltiger.“ Vor 100 Jahren sei es ähnlich gewesen. Zudem sei man frühzeitig gewarnt worden. Aus Sicht des Forschers gibt es deshalb keinen Grund, auf eine Flutwelle wie die jüngste nicht vorbereitet gewesen zu sein.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Grüne und FDP fordern Bundestags-Sondersitzung

Konsequenzen aus der Flutkatastrophe forderte unterdessen auch der Deutsche Feuerwehrverband. „Wir werden uns mit Einsatzleitern, Vertretern der Feuerwehr-Landesverbände, aber auch mit Landkreisen und Kommunen zusammensetzen und darüber reden, welche Lehren wir aus dieser Katastrophe ziehen können“, sagte Verbandspräsident Karl-Heinz Banse der Heilbronner Stimme. Auch der Einsatz spontaner Helfer müsse besser koordiniert werden.

Die Grünen stellten sich hinter die Forderung der FDP nach einer Bundestags-Sondersitzung Anfang August, um über die Lage nach der Flutkatastrophe sowie notwendige Konsequenzen zu sprechen. „Auch wir setzen uns dafür ein, dass das Parlament zu einer Sondersitzung des Bundestages zu den Auswirkungen der Flutkatastrophe zusammenkommt“, sagte Parlamentsgeschäftsführerin Britta Haßelmann den RND-Zeitungen

In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hatte extremer Starkregen vor mehr als zwei Wochen verheerende Überschwemmungen ausgelöst. Viele Gemeinden, insbesondere im rheinland-pfälzischen Ahrtal, wurden verwüstet. Rheinland-Pfalz meldete bislang 135 Tote, 59 weitere Menschen werden dort noch vermisst. In Nordrhein-Westfalen gab es 47 Todesopfer.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner