19,3 Prozent im Neuköllner Problemkiez

LINKSPARTEI

Stefan Strauß xscs
2 Min

Das höchste Wahlergebnis im Westteil der Stadt erreichte die Linkspartei.PDS im Norden Neuköllns, südlich der Sonnenallee. 19,3 Prozent aller Wähler, die am Sonntag in die Löwenzahn-Schule an der Drorystraße (Wahlbezirk 127) gegangen sind, wählten die Linken. 34,3 Prozent entschieden sich für die SPD, 19,1 Prozent für die Grünen, 16,5 Prozent für die CDU.Sylvia Stelz, Neuköllner Fraktionsvorsitzende der Linkspartei.PDS hat für das gute Ergebnis ihrer Partei noch keine Erklärung. "Allerdings haben wir im Norden Neuköllns bisher immer hohe Prozentzahlen erreicht." Das Parteibüro liegt nur wenige Meter entfernt, am Richardplatz. Oft kommen Anwohner in das Büro, um sich beraten zu lassen. "Dieses Gebiet gilt als sozialer Brennpunkt", sagt die PDS-Frau.Das Viertel südlich der Sonnenallee ist durch seine sozialen Probleme gekennzeichnet: Es gibt viele Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger. Von einer hohen Jugendkriminalität reden die Bewohner. Sanierte und unsanierte Altbauten stehen nebeneinander. Es gibt viele Eckkneipen. Der Richardplatz mit dem Böhmischen Dorf und der alten Schmiede gilt als Touristenattraktion. "Doch dieser Charme reicht nicht bis ins ganze Viertel", sagt Suzan Mauersberger. Sie arbeitet als Quartiermanagerin am Richardplatz, den der Senat im Juli zum Quartiersmanagement-Gebiet erklärt hat. Warum dort so viele Bewohner die Linken wählten, kann Suzan Mauersberger nur raten. "Vielleicht war es ein Protestzeichen an die SPD". Das Gebiet gelte als "traditionelle SPD-Gegend".Friedjung Weicker, Direktor der Löwenzahn-Schule, beschreibt die Situation kritisch: "Es ist eine echte Problemgegend." 25 Nationen sind an seiner Schule vertreten. "Nur wenige Schüler haben eine heile Familie. Das hinterlässt oft einen deprimierenden Eindruck." Das hohe Ergebnis der Linkspartei.PDS hat ihn überrascht: "Dass die Linke so gut abschneidet, hätte ich vorher nicht gedacht", sagt Weicker. "Die Politik der großen Parteien scheint bei den Leuten hier nicht anzukommen."Ähnlich denkt Hannelore Verleih. Sie arbeitet in der "Kleinen Kneipe" in der Niemetzstraße. "Die Linkspartei steht für die Sorgen der Arbeiter. Von denen haben hier bestimmt viele aus Protest links gewählt." (str., xscs.)

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