Food & Drink

Nachhaltig, vegan, ayurvedisch: Berlin hat einige der besten Kochschulen Deutschlands

Eine neue Auswertung zeigt: In Berlin sind satte elf der 30 deutschen Top-Kochschulen zu Hause. Was sie anbieten, wo sie zu finden sind.

6 Min
Am Ende steht das gemeinsame Dinner: Kochkurs von Thore Hildebrandt (mit grünem Tuch) in Berlin.

Am Ende steht das gemeinsame Dinner: Kochkurs von Thore Hildebrandt (mit grünem Tuch) in Berlin.

© Tobi Bohn

Das Jahr 2023 neigt sich dem Ende zu, und jetzt, zu Weihnachten und Silvester, stehen die meisten Berliner wohl selbst am Herd und bereiten ihre Festtagsspezialitäten zu. An andere werden unterm Tannenbaum gern Gutscheine verschenkt. Das mag wenig kreativ klingen, Umfragen zufolge stehen Gutscheine aber ganz oben auf der Wunschliste; sowohl bei Männern als auch bei Frauen in Deutschland.

Und da auch gemeinsame Unternehmungen als Paar, Familie oder unter Freunden und Kollegen gefragt sind, steht seit einigen Jahren schon der Kochkurs-Gutschein hoch im Kurs. Kein Wunder: Man verbringt gemeinsam Zeit, kann etwas lernen und am Ende noch in geselliger Runde ein selbst kreiertes Gericht essen.

In Berlin ist die Auswahl an Kochschulen groß und das Angebot besonders vielfältig. Vom Käse- und Weinseminar über die Zubereitung von Tapas oder Sushi bis hin zu ambitionierten Fine-Dining-Kochkursen ist alles dabei.

Pizza und Pasta: Viele Gäste wollen 2023 italienisch kochen lernen

Dazu passt ein aktuelles Ranking der Buchungsplattform Konfetti, das die Top 30 der Kochschulen in Deutschland im Jahr 2023 auflistet. Das Ranking stützt sich auf aktuelle Daten der Plattform wie Fünf-Sterne-Bewertungen, die Buchungsanzahl und die Nachfrage auf den Seiten im zurückliegenden Jahr.

Dabei zeigt sich, dass die Deutschen bei der Auswahl der Kochkurse die volle Bandbreite der kulinarischen Vielfalt mitnehmen wollen. Besonders beliebt ist die asiatische Küche mit Thai- sowie Sushi-Kochkursen, aber auch veganen Angeboten. An den Festtagen wiederum ist die traditionelle deutsche Küche gefragt.

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Bereits 2022 wurden mit 40 Prozent der gesamten Buchungen die meisten Kochkurse im Dezember gebucht, vor allem unter Paaren ist das Geschenk beliebt. Neben klassisch weihnachtlichen Kochkursen stehen authentische Pastagerichte und Pizza aus dem Steinofen hoch im Kurs – viele Gäste haben sich vorgenommen, 2023 italienisch kochen zu lernen. 

Aus der Anzahl der Buchungen und den zugehörigen Kursbewertungen ergibt sich, dass sich ganze elf Kochschulen aus der Top-30-Liste in Berlin befinden. Danach folgt Nordrhein-Westfalen, das Bundesland ist mit fünf Kochschulen vertreten.

Zu den Berliner Favoriten im Ranking zählen die Kochschule Running Papaya in Schöneberg, das P3 Café Event in Zehlendorf, VE CÜ in Adlershof, die Kochschule von Theresa Michel, die auch viele Online-Events anbietet, das ayurvedische Kursangebot von Ayurkaya, der Anbieter Kochbox aus Mitte, die Kurse von Thore Hildebrandt in Pankow, die Koch- und Grillakademie in Schöneiche bei Berlin, das Bijoux Mankele in Neukölln, die Kurse von Pigi Psimenou in der Kreuzberger Katzbachstraße sowie die Cocktailkurse, Kochkurse und Tastings von Studio32 in Schöneberg.

Man sieht schon an der Liste, dass sowohl etliche Stadtteile als auch vielfältige Küchenstile vertreten sind. Hinter Bijoux Mankele in der Kienitzer Straße zum Beispiel steht Bijoux, die in Angola geboren wurde und elf Jahre in Kongo lebte, bevor sie nach Köln und schließlich nach Berlin zog. Kochen habe sie „von der besten Oma der Welt“ gelernt: ihrer eigenen. „Wenn ich nicht gerade unter unserem Mangobaum im Garten zu finden war, stand ich mit Omi in der Küche. Sie hat mir beigebracht, dass die afrikanische Küche mehr kann als ‚nur‘ Fufu oder Couscous. Ich möchte diese Botschaft verbreiten!“

Mehrmals im Monat gibt es ihren Kurs „Kongolesisch Kochen in Berlin“, bei dem ein traditionelles Drei-Gänge-Menü zubereitet wird. Neben dem Lieblingsessen der Gastgeberin – Fumbwa, einem spinatähnlichen Blattgemüse, das mit Erdnussbutter, Palmöl und gebackenem Fisch zubereitet wird –, kommen auch Makemba (Kochbanane) und Kwanga (Maniokbrot) auf den Teller. Die Beliebtheit der Kurse kann man auf der Buchungsplattform ablesen: Für die nächsten Termine im Januar sind die Tickets schon fast ausverkauft.

Griechisches Backwerk in Kreuzberg: Neue Heimat Berlin

Ähnlich sieht es bei Pigi Psimenou in Kreuzberg aus, wo in einer großen Privatküche in der Nähe des Viktoriaparks selbstgemachtes griechisches Backwerk, Kuchen, herzhafte Pita und somit all die süßen und salzigen Erzeugnisse der griechischen Küche im Mittelpunkt stehen. „Diese Erfahrungen habe ich schon in Workshops in Athen weitergegeben und jetzt auch in meiner neuen Heimat Berlin“, erzählt die Gastgeberin. Zu Olivenbrot, Sesamringen und dem Gemüsekuchen Mpatzina gibt es Tsatsiki, griechischen Salat, Bergtee und Weißwein.

In den Bewertungen zum Kurs herrscht Begeisterung: „Ich kann den Kurs jedem empfehlen, der Freude am Kochen hat und nicht bis zum nächsten Griechenland-Urlaub warten will. Pigi war sehr gut vorbereitet, benutzt hochwertige Zutaten. Sie empfängt dich in ihrem schönen Daheim und gibt dir das Gefühl, unter Freunden zu sein. Kochen, essen, trinken, Lebensfreude, was will man mehr?“, schreibt eine Teilnehmerin.

Wie Gemüse fermentiert wird, lehrt Ex-Banker Thore Hildebrandt.

Wie Gemüse fermentiert wird, lehrt Ex-Banker Thore Hildebrandt.

© Thore Hildebrandt

Einen anderen Schwerpunkt setzt Eventkoch Thore Hildebrandt, der sich sehr freut, im Ranking vertreten zu sein – eine Bestätigung dafür, dass sein Fokus auf vegane Gerichte und Nachhaltigkeit ankommt. Hildebrandt ist gelernter Banker, hängte aber 2016 seinen Job an den Nagel, um sich in einem buddhistischen Kloster in Kathmandu und auf Reisen zu sortieren und seine Leidenschaft fürs Kochen neu zu entdecken. „Danach habe ich meinen Lebensstil umgestellt. Dieses Wissen trage ich auch in meine Kocherlebnisse.“

In seinen Kursen geht es nicht nur darum, die pflanzliche Küche zu entdecken, sondern vor allem darum, Lebensmittel wertzuschätzen und sie nicht zu verschwenden oder gar wegzuschmeißen. Diese Ressourcenwertschätzung, wie der Koch es nennt, interessiert sowohl Schulklassen als auch Pensionäre. Hildebrandts Kurs „Fermentieren in Berlin: Sauerkraut, Kombucha & Kimchi“, bei dem selbstgemachtes glutenfreies Knäckebrot verkostet und verschiedenes Gemüse wie zu Großmutters Zeiten haltbar gemacht wird, passt jedenfalls prächtig zu Trendthemen wie Zero Waste und Nachhaltigkeit. 

Es komme auch vor, dass kleine Teams ihre Weihnachtsfeier bei ihm im Fermentierkurs machen. „Milchsäurebakterien sind nicht nur gut für den Darm und das Immunsystem, die vergorenen Lebensmittel schmecken auch gut“, sagt Thore Hildebrandt, der für seine monatlich stattfindenden öffentlichen Kochkurse die passende Location gefunden hat: das vegane Café und Restaurant Trivitys in der Florastraße in Pankow.

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