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Olympia 2024

Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo springt vor Olympia in die Seine

Zittern bis zum Ende: Ist das Wasser der Seine sauber genug für olympische Schwimm-Wettkämpfe? Die Pariser Bürgermeisterin will das mit einem Sprung in den Fluss beweisen.

Team News dpa/AFP/BLZ
5 Min
Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo schwimmt in der Seine.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo schwimmt in der Seine.

© Jilien de Rosa/AFP

Wird die Seine in Paris wirklich sauber genug sein, um dort wie geplant die Schwimm-Wettkämpfe der Olympischen Spiele durchzuführen? Oder waren die 1,4 Milliarden Euro, die für eine bessere Wasserqualität des Flusses investiert wurden, herausgeworfenes Geld?

Während Laboruntersuchungen punktuell noch Probleme signalisieren, ist die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo am Mittwoch in die Seine gesprungen, um zu beweisen, dass das Wasser gut genug ist. Wir haben es geschafft“, sagte sie voller Stolz, nachdem sie wieder aus dem Wasser kam. 

Hidalgo war von einem Steg über eine Leiter ins Wasser gestiegen, mit Schwimmbrille, ohne Badekappe. Gemeinsam mit Tony Estanguet, dem Chef des Organisationskomitees der Olympischen Spiele, legte sie eine Strecke von etwa 100 Metern durch das grünlich schimmernde Flusswasser kraulend zurück – bei etwa 20 Grad und Sonnenschein. „Es ist kühl, aber nicht zu kalt“, sagte sie. Sie denke an ihren Amtsvorgänger Jacques Chirac, der schon 1988 davon träumte, die Seine zu säubern, so dass die Pariser wieder darin schwimmen könnten.

Am Flussufer und auf einer Brücke hatten sich zahlreiche Zuschauer versammelt, die das morgendliche Bad der Bürgermeisterin mit Beifall bedachten. Hidalgo war allerdings nicht die erste Politikerin, die in der Seine schwamm: Bereits am Samstag hatte Frankreichs Sportministerin Amelie Oudea-Castera im Neoprenanzug eine Runde in dem Fluss gedreht.

Olympia-Wettkämpfe in der Seine sind Prestigesache

Wer vom Ufer oder den Brücken in die trübe Brühe der Seine guckt, möchte darin eigentlich nicht schwimmen, aber darum geht es nicht. Die Olympia-Macher und Frankreich versprechen sich unvergessliche Bilder, wenn die Schwimm-Wettkämpfe vor der Prachtkulisse der Stadt von einem Millionenpublikum an den Bildschirmen und vom Ufer aus verfolgt werden.

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Riesensummen wurden im Großraum Paris in Kläranlagen und das Abwassersystem investiert, um die Wasserqualität zu verbessern. Verhindert wird nun, dass bei Starkregen mit den Wassermassen auch Toilettenabwässer in den Fluss gelangen.

Dass die Wasserqualität dennoch in den letzten Monaten lange Zeit zu wünschen übrig ließ, erklärte die Stadt mit der ungewöhnlichen feuchten Witterung und niedrigen Temperaturen. Denn bei höheren Temperaturen und einem niedrigeren Wasserstand der Seine würden Krankheitserreger dort schneller abgebaut.

Gut gelaunt: die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo in der Seine.

Gut gelaunt: die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo in der Seine.

© Julien de Rosa/AFP

Paris bei Wasserqualität der Seine zuversichtlich

Seitdem in den letzten Tagen das Wetter ausgesprochen sommerlich geworden ist, deuten auch die Laborwerte darauf hin, dass es mit dem Schwimmen in der Seine klappen könnte. „Wir haben keinen Zweifel daran, dass wir die Wettkämpfe zum vorgesehenen Termin abhalten können“, sagte der für die Olympischen Spiele zuständige stellvertretende Pariser Bürgermeister Pierre Rabadan.

„Es ist ein bisschen zum Verzweifeln für die Athleten und für den Staff, die das ja vorbereiten sollen. Wir bereiten uns erst mal auf die Seine vor. Wir würden den Wettkampf gerne dort austragen. Es kann aber sein, dass das kurzfristig umgestellt wird und wir dann auf der Ruderregattastrecke schwimmen“, sagte Schwimm-Bundestrainer Bernd Berkhahn, der auch die aussichtsreichen Medaillenkandidaten Florian Wellbrock (Olympiasieger von Tokio), Oliver Klemet und die Niederländerin Sharon van Rouwendahl (Olympiasiegerin Rio, Weltmeisterin 2024) betreut.

Trainer gucken kritisch auf Seine

Die meisten Trainer hätten den Fluss von Beginn an sehr kritisch beäugt. „Wir sind jetzt sehr festgelegt auf diese Strecke und diesen Kurs. Die Entscheidung, die Rennen dort durchzuführen, war von Anfang an eigentlich ein großes Risiko“, betonte der Bundestrainer. Es sei bei Olympia nicht schön, in einem Sport, den man so wissenschaftlich vorbereitet, ein Glücksspiel zu haben. „Das wäre auf der Ruderstrecke anders. Dort gibt es etwa 25 Grad Wassertemperatur, die Seine wird bei 21, 22 Grad bleiben. Die Ruderstrecke wäre diesbezüglich also angenehmer“, sagte Berkhahn.

Neben der Wasserqualität ist auch die Fließgeschwindigkeit der Seine eine große Sorge der Schwimmer. Sie müssen ja sowohl mit der Strömung als auch gegen die Strömung schwimmen. Zuletzt floss die Seine noch so schnell, dass laut Aussagen von Trainer Berkhahn die Austragung von Wettkämpfen unmöglich gewesen wäre. Die erhöhte Fließgeschwindigkeit hing damit zusammen, dass der Wasserstand in der Seine nach dem üppigen Regen der vergangenen Monate deutlich höher war als üblich.

Fließgeschwindigkeit weiteres Problem

Nach der letzten Analyse der Stadt beträgt die Wassermenge in der Seine immer noch mehr als das Dreifache der im Sommer üblichen Menge. Dies führt zu einer erhöhten Fließgeschwindigkeit, die das Abhalten von Schwimm-Wettkämpfen gefährden könnte.

„Die Wasserwerte werden besser, die Strömung ist nach wie vor ein Problem“, sagte Schwimmer Wellbrock vor einigen Tagen. „Aktuell ist sie noch zu stark, um Wettkampf zu schwimmen. Mittlerweile wurde aber offen über einen Plan B kommuniziert. Unsere Wettkämpfe finden also auf jeden Fall statt. Das ist für uns natürlich enorm wichtig und bringt Ruhe rein.“

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