Ukraine-Krieg

Russlands Außenminister Lawrow: „Auch Hitler hatte jüdisches Blut!“

In einem Interview betont Sergej Lawrow, Hitler sei jüdischer Herkunft gewesen. Die sogenannte Frankenberger-These ist Teil einer Verschwörungstheorie.

Harry Nutt
Harry Nutt
3 Min
Der russische Außenminister Sergej Lawrow

Der russische Außenminister Sergej Lawrow

© www.imago-images.de

Folgt man der äußerst informativen Webseite der Denkfabrik Institute for the Study of War, die täglich aktualisierte Zusammenfassungen der militärischen Bewegungen im Ukraine-Krieg veröffentlicht, stagnieren die Kampfaktivitäten der russischen Truppen seit Tagen. In einigen der bereits eroberten Gebiete aber seien die Streitkräfte dabei, „die Voraussetzungen für eine dauerhafte Kontrolle über die derzeit von ihnen besetzten Gebiete in der Südukraine“ zu schaffen, lautet der Eintrag zum 1. Mai.

„Russische Quellen berichteten, dass die Geschäfte in den besetzten Gebieten Melitopol und Wolnowacha allmählich auf den russischen Rubel umgestellt werden. Der britische Verteidigungsnachrichtendienst meldete, dass der Rubel in der Stadt Cherson ab dem 1. Mai im Rahmen einer viermonatigen Währungsumstellung durch die Besatzungsverwaltung verwendet wird.“

Dass der Kampf um die Ukraine längst auch mit der Etablierung neuer kultureller Standards geführt wird, die von abenteuerlichen Theoremen begleitet werden, belegt ein Interview mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, das dieser dem italienischen TV-Sender Rete 4 gegeben hat.

Zur stereotyp von Russland propagierten Entnazifizierung der Ukraine sagte Lawrow, es spiele keine Rolle, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Jude sei. Hitler sei ebenfalls jüdischer Herkunft gewesen, überhaupt seien einige der schlimmsten Antisemiten Juden gewesen.

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Sergej Lawrow verbreitet krude Thesen, die weitgehend widerlegt sind

Lawrow scheint eine besondere Geschichtslektion gelernt zu haben. In seinen vergifteten Behauptungen stützt er sich auf die sogenannte Frankenberger-These, die seitens der historischen Forschung als weitgehend widerlegt gilt. In ihr geht es um die ungeklärte Abstammung Alois Hitlers, dem Vater von Adolf Hitler. Bei der These wird häufig Bezug genommen auf die Lebenserinnerungen von Hans Frank, der in den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren Hitlers Rechtsanwalt war, und Indizien zusammengetragen hatte, dass Hitlers Großmutter Anna Maria Schicklgruber in den 1830er-Jahren als Hausmädchen oder Köchin im Haus eines Grazer Juden namens Frankenberger gearbeitet habe.

Belege für die These, dass Frankenberger der Großvater Hitlers sei, lieferte Frank allerdings nicht. Vielmehr wird angenommen, dass die Absicht des Antisemiten Frank darin bestanden habe, den Juden auch noch die Verantwortung für den angeblich jüdischen Hitler zuzuschieben. Von Hitler-Forschern wie Ian Kershaw, Robert Payne, Christian Graf von Krockow und anderen wurde die Frankenberger-These nachhaltig verworfen.

Die Tatsache, dass Lawrow sich derart propagandistisch munitioniert, verweist nicht zuletzt auf eine tief in das Kreml-Denken abgesunkene kulturtheoretische Vorbereitung des Feldzugs gegen die Ukraine. Als eigenwilliger Leser des Feuilletons hatte sich unlängst bereits Wladimir Putin erwiesen, der ungefragt die „Harry Potter“-Autorin Joanne K. Rowling gegen die vermeintliche Cancel Culture des Westens verteidigte und diese zugleich auf sich bezog.

Der Westen versuche, so Putin, „ein ganzes tausendjähriges Land, unser Volk zu canceln.“ Eine tausendjährige Geschichte, die Auslöschung eines Volkes und aktuelle Wokeness-Thesen  in einem Atemzug.

Puh.

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