UPDATE

Politik

Nach Silvester: Abgeordnetenhaus stimmt gegen Böllerverbot in Berlin

Nach Feuerwerksexzessen und zahlreichen Verletzten in der Silvesternacht wird bundesweit über ein Böllerverbot gesprochen. In Berlin sind die Politiker dagegen.

dpa/chg
3 Min
Polizisten stehen in der Silvesternacht zwischen brennendem Feuerwerk in Neukölln.

Polizisten stehen in der Silvesternacht zwischen brennendem Feuerwerk in Neukölln.

© Julius Schreiner/dpa

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag gegen ein stadtweites Böllerverbot gestimmt. Linken und Grünen stimmten für ein Böllerverbot – die anderen Parteien dagegen. Dennoch startet nach den Silvester-Exezessen die Vorbereitung eines Sicherheitskonzepts für den nächsten Jahreswechsel. Nach Angaben von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) wurde eine „interdisziplinäre Regionalanalyse für ganz Berlin“ gestartet, bei der das genaue Ausmaß von Angriffen auf Einsatzkräfte, von anderen Straftaten und von Bränden sowie deren Verteilung über die Stadt untersucht werden.

„So erhalten wir eine objektive Datenbasis und damit eine Entscheidungsgrundlage für örtliche Maßnahmen“, sagte die SPD-Politikerin im Abgeordnetenhaus. Dazu zählten eine mögliche Ausweitung von Böllerverbotszonen, aber zum Beispiel auch zusätzliche Präventionsprojekte. Schon jetzt steht für Spranger fest: „Wir werden aber auch weiterhin mit einem starken polizeilichen Kräfteansatz arbeiten müssen.“

Berlin nach Silvester: Iris Spranger weiterhin für Böllerverbot

Spranger erneuerte ihre Forderung an den Bund, den Ländern über eine Öffnungsklausel im Sprengstoffrecht zu ermöglichen, stärker als bisher selbst über den Umgang mit Feuerwerk, über Böllerverbote und Ausnahmen davon zu entscheiden. Hier finde auch angesichts von bundesweit fünf Silvester-Toten ein Umdenken beim Bund und in den Ländern statt, sagte sie.

„Wir müssen neue Antworten und Wege finden, damit Silvester für alle friedlich, erträglich und sicher ist“, sagte Spranger. Über Konzepte beim nächsten Jahreswechsel in Berlin, darunter Pyro-Verbots- und Pyro-Erlaubniszonen, seien bereits in der kommenden Woche erste Gespräche zwischen Innenverwaltung, Polizei, Feuerwehr und der Landeskommission gegen Gewalt geplant. Lösungsansätze werden demnach auf Basis der aktuellen Rechtslage entwickelt, aber quasi vorgreifend auch schon mit Blick auf die angestrebten Änderungen im Bundesrecht – die jedoch nicht sicher sind.

Der Jahreswechsel in Berlin war geprägt von vielen friedlich feiernden Menschen, aber auch von wilder Böllerei etwa mit nicht erlaubten Kugelbomben, von Angriffen auf Einsatzkräfte, zahlreichen Bränden und Verletzten. Die Polizei zählte 1533 für Silvester typische Straftaten und ermittelte bisher mehr als 700 Verdächtige.

Wie jedes Jahr wird nach den Ereignissen über das Für und Wider eines Böllerverbots diskutiert. So war das auch bei der ersten Plenarsitzung des Landesparlaments im neuen Jahr. Ein Antrag der Grünen für ein allgemeines Böllerverbot zu Silvester und eine Bundesratsinitiative für ein Verkaufsverbot wurde mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen CDU und SPD sowie der AfD abgelehnt. Grüne und Linke stimmten dafür.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner