Open Source

Kunst aus der DDR: In Jena gibt es eine Ausstellung der Superlative

Von Arno Rink bis Werner Tübke – die Kunstsammlung Jena stellt ihre opulente Sammlung mit Werken von bekannten DDR-Künstlern vor, aber nicht nur das.

Doris Weilandt
4 Min
Horst Sakulowskis „Porträt nach Dienst“

Horst Sakulowskis „Porträt nach Dienst“

© Kunstsammlung Jena

Dies ist ein Open-Source-Beitrag. Der Berliner Verlag gibt allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten.


Mehr als 300 Arbeiten von fast 150 Künstlern werden in der Kunstsammlung Jena noch bis zum 16. November in Petersburger Hängung vorgestellt. Kurator Erik Stephan hat sich für diese Form der Präsentation entschieden, um das Private zu betonen. In den Wohnungen vieler Kunstinteressierter, die vor 1990 Sammlungen anlegten, hingen Grafiken und Malerei neben- und übereinander. Die Bewohner haben mit den Arbeiten gelebt. „Mir war es wichtig, die Vielfalt der künstlerischen Handschriften zu zeigen, die Breite dessen, was trotz öffentlicher Vorgaben möglich war“, sagt der Kurator. Es ist eine Ausstellung der Superlative.

So bedient Arno Rink in dem Grafikzyklus „Revolutions- und Freiheitslieder“ (1984), der anlässlich eines Jahrestages der Oktoberrevolution erschien, keineswegs die Vorstellungen von siegreichen Helden, die sich selbstlos für eine neue Gesellschaft opferten. Der Leipziger Künstler zeigt die Ambivalenz politischer Kämpfe im historischen Kontext, mit Zweifeln, Niederlagen und Einzelschicksalen. Texte bekannter Autoren wie Pablo Neruda oder Wladimir Majakowski liefern die Vorlage für die Lithografien.

„Trümmerfrau“ von Hans Arnold Fritz, gemalt 1948, Öl auf Pappe

„Trümmerfrau“ von Hans Arnold Fritz, gemalt 1948, Öl auf Pappe

© Kunstsammlung Jena

Barocke Füllhörner unterstreichen das Begehren

Eine Grafikmappe zum gleichen Anlass vereint unter dem Titel „Um Brot und Frieden“ (1967) Arbeiten von Joachim John, Ronald Paris, Karl-Georg Hirsch, Christine Perthen und weiteren Künstlern, die inhaltlich auf subtile Weise aufbegehren und ihre Botschaften chiffrieren.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Einem Tabu widmet sich Werner Tübke. Im Zentrum des Bildes ohne Titel steht ein nackter Jüngling, der mit einem über den Arm gehängten Kleidungsstück seine Scham verdeckt. Sein begehrender Blick richtet sich auf einen Jungen, der zum Betrachter schaut. Die Kulisse ist historisiert, in ein arkadisches Umfeld versetzt. Barocke Füllhörner unterstreichen das Begehren.

Viele Arbeiten der etwa 3000 Werke umfassenden Sammlung hat die ehemalige Leiterin der Einrichtung, Maria Schmid, bei den Künstlern im Atelier gekauft. Durch ihre Kontakte konnte sie bedeutende Gemälde und Grafikmappen erwerben. Horst Sakulowskis „Porträt nach Dienst“ (1976) hat sie zuerst in einer kleinen Berliner Ausstellung gesehen. Nach einem Telefonat mit dem Künstler konnte sie es kaufen. Ein Triumph war es für Schmid, dass das später sehr bekannte Bild einer erschöpften Ärztin für die VIII. Kunstausstellung in Dresden ausgeliehen wurde. Heute gehört „Porträt nach Dienst“ zu den gefragtesten Gemälden für Ausstellungen im In- und Ausland.

Neben den bekannten Namen der DDR-Kunst richtet die Jenaer Ausstellung den Blick auf Künstler, die in der Abgeschiedenheit der Thüringer Provinz eigenständige Positionen behaupteten. Mit mehreren Bildern wird die kaum bekannte Malerin Emma Hübner vorgestellt, die 1965 die DDR verließ. Vor allem ihre Stillleben mit Gefäßen haben eine eigene poetische Sprache, die sich von der Zeit gelöst hat.

Josef Nowinka, „Unser Ziel“, 1975, Öl auf Hartfaserplatte

Josef Nowinka, „Unser Ziel“, 1975, Öl auf Hartfaserplatte

© Kunstsammlung Jena

Ein Werk, das republikweit seinesgleichen sucht

Der Weimarer Maler Horst Peter Meyer hat nicht vergessen, wie schwierig es war, sich zu behaupten. Trotz seiner Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler (VBK) war er perfiden Anfeindungen ausgesetzt. Nach Kritik, dass sich seine Werke nicht mit den Problemen der Arbeiterklasse beschäftigen, nahm er zusammen mit befreundeten Künstlern das Thema wörtlich. In der Ausstellung „MalerArbeit“ zeigte er mehrere Gemälde, darunter „Ausschachten“. Das erregte die Kulturfunktionäre vollends und führte zu einer schädigenden Kampagne, die ihn disqualifizieren sollte. Das Bild, für die Dresdner Kunstausstellung eingereicht und verschwunden, wurde schließlich gerettet, kam über Umwege in die Jenaer Kunstsammlung. „Ausschachten“ steht metaphorisch für die Achtzigerjahre, in denen sich viele Hoffnungen auflösten.

Ein Werk, das republikweit seinesgleichen sucht, schuf Lokalmatador Lothar Zitzmann. Mit seinem „lapidarem Realismus“ entwickelte er eine eigene, unverkennbare Bildsprache, die sich mit der Figur im Raum auseinandersetzt. Ähnliche Versuche gab es vor allem am Bauhaus durch Oskar Schlemmer. Zitzmann machte Generationen von Gestaltern an der Burg Giebichenstein mit den Grundlagen ihres Fachs bekannt. Die Jenaer zeigt mehrere Arbeiten aus verschiedenen Werkphasen.

Doris Weilandt studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Alte Geschichte. Sie arbeitet als Journalistin, Autorin und Kunsthistorikerin.

Das ist ein Beitrag, der im Rahmen unserer Open-Source-Initiative eingereicht wurde. Mit Open Source gibt der Berliner Verlag allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten. Ausgewählte Beiträge werden veröffentlicht und honoriert.

SO VIEL SILBER IM GRAU. Kunst aus der DDR. Kunstsammlung Jena. Markt 7, Jena. Die - So 10-17 Uhr. Bis 16. November

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

weltbune Banner