In Polen ist ein ukrainischer Staatsbürger im Zusammenhang mit den Nord-Stream-Explosionen festgenommen worden. Das berichtet der polnische Sender TVP am Dienstag. Der polnische Anwalt von Wolodymyr Z., der von Deutschland wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an den Nord-Stream-Explosionen gesucht wird, bestätigte laut dem polnischen Radiosender RMF, dass sein Mandant in Polen festgenommen worden sei. Dem Bericht zufolge wurde Z. der Bezirksstaatsanwaltschaft in Warschau übergeben. Seine Vernehmung sei für heute geplant.
Nach dem Mann war auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls eines deutschen Gerichts gefahndet worden. Im August hatten deutsche Ermittler sieben Personen identifiziert, die nach ihrer Überzeugung an dem Anschlag beteiligt waren. Der mutmaßliche Koordinator der Operation, der 49-jährige Serhii K., wurde wenige Tage später in Italien festgenommen, während er Urlaub mit seiner Familie machte. Ein Gericht in Bologna entschied kürzlich, dass Serhii K. nach Deutschland ausgeliefert werden soll.
Die Verteidigung von Wolodymyr Z. zweifelt laut RMF an, dass es in seinem Fall Gründe für eine Auslieferung an die deutschen Behörden gebe. Ein weiterer Verdächtiger ist TVP zufolge mutmaßlich inzwischen während seines Dienstes bei der ukrainischen Armee ums Leben gekommen.
Nord-Stream-Sabotage: Ursprünglich war Russland verdächtigt worden
Die Nord-Stream-Pipelines unter der Ostsee waren für den Transport von russischem Gas nach Deutschland gebaut worden. Im September 2022 wurden sie durch Sprengsätze schwer beschädigt. Die Leitungen waren damals nicht in Betrieb, Russland hatte die Gaslieferungen über Nord Stream 1 bereits kurz zuvor gestoppt. Nord Stream 2 ging nie in Betrieb.
Es ist weiterhin völlig unklar, wie sich der Anschlag ereignete. Der Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh hatte berichtet, die USA hätten den Anschlag mithilfe Norwegens durchgeführt. Aber auch Russland war verdächtigt worden. Die Russen haben stets Aufklärung verlangt, wurden von den deutschen Behörden jedoch bei den Ermittlungen außen vor gelassen.
Fachkreise äußerten mehrfach Zweifel an der aktuellen These, dass es sich bei den Tätern um eine kleine Gruppe gehandelt haben soll, die mit einem Segelboot die Pipeline beschädigt hätten. Die These einer möglichen ukrainischen Täterschaft kommt Russland allerdings gelegen. Kremlsprecher Dmitri Peskow zeigte sich daher zuletzt zufrieden mit den deutschen Ermittlungen. „Ich möchte glauben, dass sie zu Ende gebracht werden und dass nicht nur die Täter, sondern auch die Anstifter dieser terroristischen Handlungen identifiziert werden.“
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat diese Anschuldigungen zurückgewiesen und erklärt, seine Regierung habe von den Anschlagsplänen nicht gewusst. Unklar ist, ob die Ermittlungen zu einem Problem für den Selenskyj-Rivalen Walerij Saluschnyj werden können. Der frühere General und mögliche Selenskyj-Nachfolger wird verdächtigt, in den Anschlag involviert gewesen zu sein.
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