Ein russisches Comedy-Duo hat gegenüber dem ARD-Politikmagazin „Kontraste“ behauptet, hinter der Serie von gefälschten Videoanrufen bei europäischen Politikern zu stecken. Zuletzt hatte ein vermeintlicher Vitali Klitschko die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hereingelegt.
Ziele der gefälschten Klitschko-Anrufe waren unter anderem die Stadtoberhäupter von Budapest, Madrid, Warschau und Wien, wie inzwischen bekannt ist. Verantwortlich für diese Serie sind nach eigenen Angaben Vladimir Krasnov und Alexei Stolyarov, in Russland bekannt unter ihren Künstlernamen „Vovan“ und „Lexus“. „Ich will nicht verraten, wie wir es angestellt haben, aber es war leicht“, sagte Stolyarov in einem Telefonat mit dem ARD-Politikmagazin „Kontraste“.
Angaben der Komiker nicht überprüfbar
Die Komiker geben an, sich gut vorbereitet zu haben, um die Gesprächspartner glaubhaft zu täuschen. Dabei wollen sie sogenanntes Social Engineering betrieben haben. Dabei werden vorhandene Informationen über Personen und deren Umfeld gesammelt und beispielsweise E-Mail-Absender gefälscht. Die Kunst liegt in der Illusion. „Das funktioniert jedes Mal“, so Stolyarov im Gespräch mit „Kontraste“.
Giffey telefoniert mit falschem Vitali Klitschko – Videoschalte abgebrochen
Die Angaben der Komiker lassen sich laut ARD nicht überprüfen. Beweise für seine Behauptungen legte Stolyarov nicht vor, auch wollte er die E-Mail nicht herausgeben, mit der er und sein Partner die Termine Anfang Juni eingefädelt haben wollen.
Die Berliner Senatskanzlei hatte am vergangenen Freitag auf Twitter zunächst geschrieben, es habe sich dem Anschein nach um ein sogenanntes Deep Fake gehandelt – also um ein computergeneriertes Abbild Klitschkos, erstellt mittels Künstlicher Intelligenz (KI). Zu dem Bekenntnis des russischen Comedy-Duos sagte Giffey am Mittwoch: „Ungeachtet dessen, wer sich zur Manipulation bekennt, wie diese genau durchgeführt wurde und welche Motivation dahintersteht: Es bleibt ein Identitätsdiebstahl. Diese Aktionen decken sich mit den Narrativen und den Zielen des Kremls.“
Eine Auswertung der ARD anhand von Bildschirmfotos, die den Videoanruf zeigen, weckte überdies Zweifel an der Vermutung, dass es sich um ein Deep Fake handelte: Bildelemente schienen eher aus einem älteren Interview kopiert worden zu sein, das Klitschko einem ukrainischen Journalisten gegeben hatte. Dies könnte darauf hindeuten, dass ein bestehendes Video neu arrangiert und neu vertont wurde.
Das Comedy-Duo will nun die Videoaufnahmen aller Stadtoberhäupter mit dem falschen Klitschko ins Internet stellen. Die Videos sollen auf der Videoplattform Rutube erscheinen, der russischen Kopie von YouTube.
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