Deutschland steht regional die nächste Hitzewelle bevor. „Im gesamten Land wird es bis Mitte der Woche heiß, in der zweiten Wochenhälfte gibt es dann auch Abkühlung. Der Südwesten ist davon ausgenommen, wo sich die heiße Luft wohl halten wird“, sagte Jacqueline Kernn, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst (DWD), am Sonntag. Das könne sich auch auf die Gesundheit auswirken: „Je wärmer es wird, desto stärker die Belastung für den Organismus. Gerade ältere Menschen oder Obdachlose haben eine höhere Anfälligkeit.“
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat vor der drohenden Hitzewelle in Deutschland und damit verbundenen Gefahren gewarnt. „Wir müssen jetzt schon damit beginnen, ältere und kranke Menschen vor der Mega Hitzewelle zu schützen“, schrieb er am Samstag auf Twitter.
Es gelte Vorräte an Flüssigkeit und Ventilatoren zu beschaffen. Überdies empfahl der Gesundheitspolitiker über die Bedeutung von Flüssigkeitszufuhr zu reden. Man müsse „erreichbar sein“. Diese Hitzewelle könne viele Todesopfer bringen, so Lauterbach.
Für Mitte Juli rechnen einige Meteorologen mit einer außergewöhnlichen Hitze in Deutschland. So ist auch der ZDF-Wetter-Experte Özden Terli alarmiert: „Ich habe noch nie solche Temperaturen für Deutschland in einem Wettermodell gesehen“, schreibt der Meteorologe auf Twitter.
Wettermodellen zufolge könnten in Deutschland Höchst-Temperaturen von Sonntag (17. Juli) bis Samstag (23. Juli) erreicht werden. Samstag würde demnach der heißeste Tag werden. Bis zu 40 Grad seien möglich. Um Vorhersagen handelt es sich Terli zufolge aber nicht. Der Meteorologe rät deshalb dazu, abzuwarten.
Hitzewelle rollt auf Europa zu: Bis zu 48 Grad in Frankreich?
In anderen Teilen Europas könnten die Temperaturen noch extremer steigen – einigen Wettermodellen zufolge auf bis zu 43 Grad in Großbritannien und bis zu 48 Grad in Frankreich. Meteorologe Terli rechnet damit, dass es ähnliche Hitzewellen in den kommenden Jahren geben wird. „Die Klimakrise schreitet voran und die Ungewissheiten sind nicht auf unserer Seite“, so Terli.
Experten empfehlen überdies bei Spitzenwerten um 35 bis 40 Grad nicht ohne Kopfbedeckung aus dem Haus zu gehen. Es bestehe Hitzeschlaggefahr. Der DWD hält indes Aussagen über eine bevorstehende Rekordhitze für „unseriös“. Mitte Juli sei eine Hitzewelle zwar möglich, aber: „Wie stark und lang diese ausfällt heute noch nicht seriös prognostizierbar.“ Die Modelle gingen noch „weit auseinander“, so der DWD.
In den Jahren 2018 bis 2020 haben hohe Sommertemperaturen laut einer vor kurzem veröffentlichten Studie in Deutschland zu Tausenden hitzebedingten Sterbefällen geführt. Zum ersten Mal seit Beginn des Untersuchungszeitraums im Jahr 1992 sei eine Übersterblichkeit aufgrund von Hitze in drei aufeinanderfolgenden Jahren aufgetreten, schrieben Forschende von Robert Koch-Institut (RKI), Umweltbundesamt (Uba) und Deutschem Wetterdienst (DWD) Anfang Juli im Deutschen Ärzteblatt.
Große Hitze kann Herz-Kreislauf-System stark belasten
Hohe Temperaturen können unter anderem das Herz-Kreislauf-System stark belasten und bestehende Beschwerden, wie etwa Atemwegserkrankungen, verstärken. Da Hitze nur selten als direkte Todesursache erkannt wird, nutzten die Studienautoren für ihre Analyse statistische Verfahren.
Kernn sagte am Sonntag, dass Prognosen bis zum nächsten Wochenende noch unsicher seien. Von einer „Rekord-Hitze“ oder „Mega-Hitze“ könne man noch nicht sprechen. Angesichts der „sehr heißen Luft aus dem Südwesten“ seien aber auch Temperaturen über 34 Grad möglich.
Kernn verwies auf die Webseite hitzewarnungen.de, auf der die amtlichen Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes zu sehen sind. Am Sonntagmittag waren dort bis zum Freitag keine Warnungen ausgegeben worden.
Der DWD erwartet bislang für den Mittwoch Höchsttemperaturen von 25 bis 31 Grad, im Südwesten bis 34 Grad. Der äußerste Norden soll bei maximal 20 bis 25 Grad weiterhin milder bleiben. Nach einer kurzen Abkühlung in weiten Teilen Deutschlands klettern die Temperaturen dann wieder: „Zum Wochenende verlagert sich das neue Hoch erneut nach Mitteleuropa und die Luft erwärmt sich wieder überall“, sagte Kernn. Verbreitet könne es am kommenden Wochenende dann heiß und sonnig werden, hieß es. Zudem gebe es derzeit, abgesehen vom äußersten Norden und äußersten Süden, eine schwere Dürre. „In einigen Regionen im Westen und Südwesten Deutschlands ist in diesem Monat noch kein Tropfen gefallen“, sagte Kernn. (mit dpa)
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