In Berlin sind Wohnungen knapp, aber bei den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften und der ebenfalls landeseigenen Berlinovo stehen 7180 Wohnungen leer, rund 4700 davon länger als drei Monate. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine Anfrage der SPD-Abgeordneten Sevim Aydin hervor. Zehn der leer stehenden Wohnungen befinden sich im Umland, die anderen in Berlin.
Die Angaben beruhen laut Senatsverwaltung auf Auskünften der Wohnungsunternehmen. Den größten Leerstand verzeichnet danach die Gewobag mit 1716 unvermieteten Unterkünften. Dahinter folgen Degewo (1498), Howoge (1072), Gesobau (1031), Stadt und Land (1026), WBM (684) und Berlinovo (153).
Berlin ganz hinten: So viel Geld bleibt Singles nach Abzug der Miete zum Leben
Bauprojekt auf ehemaligem Mauerstreifen: Auf der Spur von Tunnel 29
Die Angaben zur Dauer des Leerstands schwanken teilweise stark. Während die Degewo, die größte landeseigene Wohnungsbaugesellschaft, den durchschnittlichen Leerstand in Berlin mit anderthalb Monaten beziffert, reicht die Bandbreite bei den anderen Unternehmen je nach Bezirk von 2,3 Monaten bei der Gesobau in Charlottenburg-Wilmersdorf und der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) in Treptow-Köpenick bis zu 45,3 Monaten bei der Howoge in Pankow.
Rund 1700 vermietungsfähige Wohnungen stehen leer
Mit 2990 Wohnungen steht der größte Anteil der Unterkünfte wegen einer Modernisierung oder Instandsetzung leer. 1695 Wohnungen sind der Antwort zufolge „vermietungsfähig“, stehen aber „fluktuationsbedingt/vermietungsbedingt“ leer. Bei 190 nicht vermieteten Wohnungen der Gewobag wird als Grund „Asbest“ genannt.
Kurios: Bei der Degewo erscheint der genannte durchschnittliche Leerstand von anderthalb Monaten nicht plausibel, weil alleine 910 der 1498 leer stehenden Wohnungen länger als drei Monate nicht vermietet sind. Rechnerisch muss die Dauer des Leerstand demnach also sehr viel höher sein.
Deutsche Wohnen kündigt Mieterhöhung um 31 Prozent an
Die Abgeordnete Sevim Aydin übt Kritik. „Die Angaben der landeseigenen Wohnungsunternehmen zur Dauer des Leerstands und zu deren Gründen sind nicht zufriedenstellend“, sagt sie. „Auch wenn ein Leerstand von rund 2,3 Prozent angesichts notwendiger erhaltender Baumaßnahmen im Bestand oder Erstvermietungen in Neubauten zunächst nicht ungewöhnlich hoch erscheint, sind durchschnittliche Leerstandszeiten von teils bis zu 45 Monaten erklärungsbedürftig.“ Dem werde sie ebenso nachgehen wie den Gründen für den Leerstand von immerhin knapp 1700 vermietungsfähigen Wohnungen im Bestand der landeseigenen Wohnungsunternehmen.
Hinweis auf notwendige Transparenz
Angesichts der Wohnungsnot und insbesondere des Mangels an bezahlbarem Wohnraum in der Stadt, komme den landeseigenen Wohnungsunternehmen „eine besondere Verantwortung auch in Sachen Transparenz“ zu, so Sevim Aydin. Die Angaben der Degewo zur durchschnittlichen Leerstandsdauer seien „nicht nachvollziehbar“.
Die Degewo erklärte dazu auf Anfrage der Berliner Zeitung: Bei der durchschnittlichen Leerstandszeit von anderthalb Monaten sei „nur der vermietungsfähige Leerstand erfasst“ worden.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]