Die Liste, wo Kommunen, private Bürger und Unternehmen über Herbst und Winter Energie sparen sollen, wirkt umfangreich. Sie bietet aber auch allerhand wunderliche Details. Reklame zum Beispiel soll ab September nachts dunkel bleiben. Ladentüren müssen nach dem Betreten geschlossen werden. Gebäude und Denkmäler dürfen nicht angestrahlt, der private Pool nicht mit Strom oder Gas aus dem Netz beheizt werden, und Mieter dürfen die Heizung runterdrehen, auch wenn der Mietvertrag etwas anderes sagt.
So hat es am Mittwoch das Bundeskabinett beschlossen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) stellte sich anschließend vors Kanzleramt und sagte, wie sehr man jetzt darauf angewiesen sei, dass alle mitmachten. „Zusammenstehen“ war das Wort, das er benutzte.
Entlastungsdebatte: Bitte kein Zuschütten der Probleme mit Geld!
Das wirkt ein wenig überhöht angesichts dieser Beispiele. Und tatsächlich peilt der Minister mit seinen Maßnahmen auch nur eine überschaubare Einsparmenge an. Zwei Prozent weniger Gas sollen am Ende durch Runterdrehen beim Heizen und Abschalten beim Strom herauskommen. Deutschland muss aber 20 Prozent einsparen, um die EU-Vorgaben zu halten.
Botschaften über Bande
Das Ganze hat mehr Symbolcharakter. Es sollen Zeichen gesetzt werden, und die animieren dann vielleicht zu weiterem Sparen. Es gibt allerdings auch Hintergedanken. So haben Mitarbeiter in Behörden zum Beispiel Vorbildfunktion, in den Büros darf es höchstens 19 Grad warm sein. Arbeitgeber in der Wirtschaft sollen ihre Beschäftigten ordentlich behandeln, die Heizung muss, trotz hoher Kosten, mindestens auf 19 Grad aufgedreht werden. Obergrenze in der Verwaltung und Mindestwärme in der Privatwirtschaft. Im Ministerium hatte man offenbar mit überheizten Ämtern und kalten Firmenbüros gerechnet. Das ist schon ein wenig bevormundend, aber vielleicht trotzdem eine gute Idee.
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