Konflikte

Taipeh empört: Löst Elon Musk jetzt auch noch die Taiwan-Frage?

Nach Vorschlägen zum Ukraine-Krieg äußert sich der Tesla-Chef zum nächsten geopolitischen Konflikt. Sein Vorschlag: Taiwan soll Teil Chinas werden.

José-Luis Amsler Team News jla
3 Min
Elon Musk bei der Eröffnung der „Tesla Gigafactory 3“ in Shanghai.

Elon Musk bei der Eröffnung der „Tesla Gigafactory 3“ in Shanghai.

© imago/Xinhua

Knapp eine Woche nachdem Tech-Milliardär Elon Musk mit seinem „Friedensszenario“ für den Ukraine-Krieg für Aufsehen gesorgt hat, äußerte sich der Tesla-Mogul nun auch zur Taiwan-Frage. In einem Interview mit der Financial Times vom Freitag skizzierte Musk seinen persönlichen Lösungsvorschlag für den sich seit Monaten zuspitzenden Konflikt. „Meine Empfehlung ... wäre, eine Sonderverwaltungszone in Taiwan zu schaffen, die einigermaßen erträglich ist, wahrscheinlich aber nicht jeden glücklich machen wird“, so der 51-Jährige.

Taiwans Führung, die auf die Unabhängigkeit der demokratischen Inselrepublik besteht, reagierte empört auf den Vorschlag des Tesla-Chefs. Ein Sprecher in Taipeh bezeichnete diesen als „inakzeptabel“. Peking hingegen begrüßte die Äußerungen Musks, die stark an das von China angestrebte Modell „One country, two systems“ (Ein Land, zwei Systeme) erinnern. „Ich möchte mich bei @elonmusk für seinen Aufruf zu Frieden in der Taiwanstraße und seine Idee einer Sonderverwaltungszone in Taiwan bedanken“, twitterte Vizeaußenminister Qin Gang am Samstag.

China wichtigster Produktions-Standort für Tesla

In den Augen Pekings gehörte Taiwan schon immer offiziell zu China. Seit dem chinesischen Bürgerkrieg und der Gründung der kommunistischen Volksrepublik 1949 sieht sich der Inselstaat jedoch als unabhängige Republik. Der von Musk geteilte Vorschlag einer Sonderverwaltungszone sei nun „der beste Weg zur Verwirklichung der nationalen Wiedervereinigung“, erklärte Gang weiter.

In Taipeh äußerte man indes Zweifel an den Intentionen des Tesla-Chefs. Hinter dessen Vorschlag steckten allein wirtschaftliche Interessen, erklärte ein Sprecher des Rates für die Beziehungen zu Festlandchina (MAC) in Taipeh. Tatsächlich lässt der Fahrzeughersteller zwischen 30 und 50 Prozent aller weltweit produzierten E-Autos in der sogenannten „Gigafactory 3“ in Shanghai bauen. Als erste ausländische Produktionsstätte ohne chinesische Staatsbeteiligung kann diese formal jedoch ohne direkten Einfluss aus Peking agieren.

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Der Kompromiss einer vermeintlich autonomen Sonderverwaltungszone wurde 1997 bereits in der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong umgesetzt. Zwar erhielten die rund 7 Millionen Einwohner der Küstenstadt einige Sonderrechte im Vergleich zur chinesischen Bevölkerung auf dem Festland, faktisch versucht die Parteiführung in Peking diese jedoch seit Jahren zu untergraben. Angesichts dessen befürchtet auch die Regierung Taiwans eine graduelle Übernahme Chinas, sollte man sich auf einen Kompromissvorschlag Pekings einlassen.

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