Kolumne

Neue Devise auf dem Weihnachtsmarkt: Glühweintrinken gegen Putin

Die Märkte sind wahre Stromfresser. Was passiert, wenn die Klima-Kleber anspringen? Doch die Schausteller haben triftige Gegenargumente.

Jens Blankennagel
Jens Blankennagel
3 Min
Rummel auf Rezept: Glühwein gehört zum Weihnachtsmarkt. Und solche Volksfeste sollen sogar gesund sein.

Rummel auf Rezept: Glühwein gehört zum Weihnachtsmarkt. Und solche Volksfeste sollen sogar gesund sein.

© Emmanuele Contini

Berlin ist dunkler als früher. Nicht etwa, weil der Mond im vergangenen Winter heller schien, sondern weil Krieg ist. Manche machen mit bei der Aktion „Frieren gegen Putin“ und heizen aus politischen Gründen weniger. Andere sparen Strom aus finanziellen Gründen und verdunkeln ihre Wohnung.

Deshalb hängen nun in den Fenstern von Berlin gefühlt deutlich weniger Adventslichter. Es gab da im Kiez so einige Wohnungen, die einst hell beleuchtet waren, die nun aber dunkel bleiben.

Hell erleuchtet und mächtig elektrisch sind aber die Weihnachtsmärkte. Das wissen die Schausteller natürlich und verweisen gern auf die heilsame Wirkung eines Rummels. Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover belege: Volksfeste sind gut für die Psyche, gerade in Zeiten von Krisen und Einsamkeit. Einfach mal mit Freunden etwas unternehmen, lachen und sich freuen. Das stärke auch das Immunsystem.

Nun wird es nicht gleich Rummel auf Rezept geben, aber viele Weihnachtsmärkte sind voll. Manche geben sich auf der Achterbahn ganz der sogenannten Lust an der Angst hin, um ihre Alltagsprobleme zu vergessen, andere benutzen dafür Glühwein.

Wenn die Eislaufbahn nicht aus Eis ist

Und die Stromzähler drehen durch. Denn die Märkte sind wahre Stromfresser. Sie sind nun mal draußen, und dort ist es kalt und dunkel. Dann leuchten und blinken dort Tausende Lichter, dann brutzeln die Würste auf dem glühenden Elektrogrill, dann rotieren die Karussells, dann wird der Glühwein auf der heißen Platte niemals kalt.

Noch fordert niemand „Glühweinverzicht gegen Putin“. Aber es kann schnell passieren, dass sich einige Leute vor einem Weihnachtsmarkt auf die Straße kleben, und schon ist die Debatte da.

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Doch die Schausteller haben ein schlagkräftiges Gegenargument. Sie sagen: Unsere Stände verbrauchen zwar viel Strom, aber gesamtgesellschaftlich gesehen sparen wir sogar. Denn wenn alle zu Hause in der warmen Stube blieben und den Glühwein selbst heiß machten, würde das mehr Strom verbrauchen, als wenn auf dem Markt ein riesiger Topf warm gehalten wird. Das heißt: Alle, die auf den Weihnachtsmarkt gehen, machen mit bei „Glühweintrinken gegen Putin“.

Außerdem ist nicht alles so, wie es scheint. Auf einem Markt sah ich eine Eislaufbahn bei plus acht Grad und dachte: „Die Kühlung jagt die Stromrechnung so richtig hoch.“ Aber weit gefehlt. Es war gar kein Eis, sondern weiße Kunststoffplatten. „Da kommt noch ein chemisches Mittel drauf, dann ist es schön glatt“, sagte die Ticketverkäuferin.

Es funktionierte: Drei Jungs auf Schlittschuhen fielen reihenweise hin, während ein Mädchen Pirouetten drehte. Alle hatten beste Laune. Vielleicht wäre Rummel auf Rezept doch eine gute Idee. Zumindest für Kinder.

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