Das Gerücht hielt sich schon eine Weile, Kiew hatte seit Wochen darauf gedrängt: Nun wollen die USA der Ukraine offenbar tatsächlich das Flugabwehrsystem Patriot liefern. Es soll das Land vor russischen Angriffen schützen. Aber was kann das System leisten? Und wie funktioniert es? Dazu die wichtigsten Antworten.
Wozu wird das Patriot-System eingesetzt?
Patriot („Phased Array Tracking Radar to Intercept On Target“) zählt zu den modernsten Flugabwehrsystemen der Welt. Mit seinen Raketen werden feindliche Flugzeuge, ballistische Raketen und Marschflugkörper bekämpft. Auf eine Entfernung von etwa 100 Kilometern und bis in Höhen von 30 Kilometern können die Abwehrraketen in einer gedachten Glocke um die Stellung Ziele treffen – abhängig vom eingesetzten Lenkflugkörper.
Ende November hatte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba vor einem Treffen mit seinen Nato-Kollegen in Bukarest gesagt, Patriots seien angesichts der russischen Angriffe auf die Infrastruktur seines Landes mit „am dringlichsten“. Denn seit Wochen hat es Russland vor allem auf die Strom- und Wasserversorgung der Ukraine abgesehen. Dabei kommen jedoch auch immer wieder kleinere Drohnen zum Einsatz, für deren Abschuss das Patriot-System weniger gut geeignet ist.
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Die Nachrichtenagentur Associated Press zitiert zudem anonyme Militärexperten, die meinen, dass die Raketen zwar eine große Reichweite hätten, aber nur ein kleines Gebiet abdecken könnten. Das bedeutet wiederum, dass es schwer sein dürfte, mit einem einzigen System eine Stadt wie Kiew vollständig abzuschirmen.
Deutschland verfügt derzeit über rund ein Dutzend Patriot-Systeme. Zwei Staffeln sind seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine in der Slowakei zum Schutz des Nato-Partners stationiert, demnächst soll das deutsche Patriot-System auch in Polen eingesetzt werden. Hersteller ist der US-Rüstungskonzernen Raytheon und Lockheed.
Wie funktioniert das Patriot-System?
Die mobile Startstation erinnert an große Lastwagen und enthält bis zu vier Startbehälter. Nach US-Militärangaben können damit insgesamt je nach Konfiguration bis zu 16 Abwehrraketen geladen werden. Dem US-Thinktank CSIS zufolge kostet eine Abwehrrakete der weit verbreiteten Version Pac-3 etwa vier Millionen Dollar pro Stück. Die Kosten für das Abschussgerät liegen demnach bei zehn Millionen Dollar.
Mit einem Radar stuft das Patriot-System zunächst Flugobjekte am Himmel in die Kategorien Freund und Feind ein. Im Bedrohungsfall feuern Soldaten im Leitstand die Lenkflugkörper ab, um die Objekte der Angreifer unschädlich zu machen. Überwacht werden können gleichzeitig bis zu 50 mögliche Ziele, aktiv bekämpft bis zu fünf.
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Das System gilt als komplex. Für Bedienung und Unterhalt werden bis zu 90 Soldaten eingesetzt. Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter sagte, die ukrainischen Streitkräfte würden dafür in einem Drittland ausgebildet. Er machte dazu keine weiteren Angaben. Es ist naheliegend, dass Ukrainer – wie bereits bei anderen Waffensystemen – in Deutschland ausgebildet werden. Bis das System in der Ukraine zum Einsatz kommt, könnten noch Wochen bis Monate vergehen.
Was sagen Russland und die USA zu der Lieferung?
Es wird erwartet, dass US-Präsident Joe Biden die Lieferung während des Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Mittwoch offiziell ankündigt. Moskau hatte Washington zuletzt vor einer Patriot-Lieferung gewarnt. Wie andere schwere Waffen auch würden diese Komplexe für die russischen Streitkräfte zu „rechtmäßigen vorrangigen Zielen“, sagte die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa, vergangene Woche.
Die US-Regierung liefert bereits Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars und das Flugabwehrsystem Nasams in die Ukraine. „Wir sind nicht auf einen direkten Krieg mit Russland aus“, sagte der US-Regierungsvertreter. Und daran werde sich auch mit Selenskyjs Besuch und der Lieferung der Patriot-Batterie nichts ändern. „Es geht darum, eine Botschaft an Putin und an die Welt zu senden, dass Amerika für die Ukraine da sein wird, so lange es nötig ist.“
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