Der Bau der umstrittenen Hochhäuser am Gleisdreieck ist ein Stück näher gerückt: Das Projekt hat einer Überprüfung durch Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) standgehalten. Das Vorhaben werde „den aktuellen klimapolitischen Aufgaben und den Bedarfen vor Ort gerecht“, heißt es in dem Prüfbericht, den Geisel am Dienstag veröffentlichen ließ. Überprüft wurde dabei der aus dem Jahr 2005 stammende „Städtebauliche Rahmenvertrag Gleisdreieck“ für das Baufeld Urbane Mitte.
Es bestehe kein Grund, an dem umstrittenen Flächennutzungsplan oder dem städtebaulichen Rahmenvertrag etwas zu ändern, teilte Geisel mit. „Wenn wir klimagerecht bauen wollen, dann müssen wir vor allem auf bereits versiegelten Flächen bauen. Und in der Nähe von Bahnhöfen des ÖPNV, um weiteren Autoverkehr zu vermeiden“, hieß es weiter. Beides sei bei der Urbanen Mitte der Fall.
Berliner Immobilien: Fast zwei Millionen Wohnungen, aber immer noch zu wenig
Urbane Mitte: Streit um Hochhausplanung am Gleisdreieck
Rund um den Bahnhof Gleisdreieck sollen sieben Gebäude mit einer Höhe von 25 bis 90 Metern entstehen. Und zwar in unmittelbarer Nähe zum Park am Gleisdreieck, der einst als Grünausgleich für die Bebauung am Potsdamer Platz sowie weitere Projekte in der Umgebung angelegt wurde. Wohnungen sind in der Urbanen Mitte nicht geplant, weil es dafür nach einer schalltechnischen Untersuchung zu laut ist. Stattdessen sollen Büros, ein Hotel, Flächen für „Urbane Produktion“, für Kunst und Kultur sowie für Sport, Freizeit und Gesundheit entstehen – insgesamt rund 119.000 Quadratmeter Geschossfläche. Die Investitionssumme liegt nach Angaben der Investoren bei mehr als einer Milliarde Euro.
Der Park ist kein Ort für Büroklötze und Hotels, sondern der Ausgleich für die Betonsilos am Potsdamer Platz.
Gaby Gottwald, Sprecherin für Stadtentwicklung in der Linke-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg
Rund ein Dutzend Initiativen lehnen das riesige Bauvorhaben ab, das auf einen Vertrag des Landes Berlin mit der Bahn-Tochter Vivico Real Estate aus dem Jahr 2005 zurückgeht. Eine davon ist die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck. Ihr Sprecher Matthias Bauer sagte im Oktober: „Der Park ist die eigentliche Urbane Mitte – nicht die sieben Hochhäuser, die wie ein Keil zwischen Ost- und Westpark des Gleisdreiecks geschoben werden sollen.“
Hinweis auf Entschädigungsanspruch
Die ökologische Funktion des Parks als Ausgleichsfläche für Potsdamer und Leipziger Platz würde durch das Bauprojekt infrage gestellt, die Aufenthaltsqualität im Park stark beeinträchtigt und die historische Kulisse des U-Bahnhofs Gleisdreieck weitgehend verdeckt, lauten Bauers weitere Argumente.
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weist in ihrer Pressemitteilung noch darauf hin, dass den Eigentümern der Baufelder ein Entschädigungsanspruch zugesichert worden sei für den Fall, dass der Investor seine Baupläne nicht umsetzen könne. „Die Kosten der Entschädigung wären vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zu tragen“, heißt es weiter.
Dem Bezirk obliegen demnach auch die nächsten Schritte: Bezirksamt und Bezirksverordnetenversammlung müssten jetzt noch die entsprechenden Beschlüsse fassen. Allerdings gibt es dort Widerstand aus den Fraktionen von SPD und Linker. „Wir sind nicht für das Vorhaben und sind unglücklich darüber, dass dort keine einzige Wohnung entsteht“, heißt es auf der Homepage der SPD-Fraktion. Die Linke-Fraktion hob in der Vergangenheit stets hervor, dass der Park als Ausgleichsfläche für die Betonsilos am Potsdamer Platz gedacht war. (mit ulp)
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