Der Pazifik hat einen Rekord gebrochen, der fast elf Jahre lang hielt. Im Kerngebiet von El Niño ist das Meer inzwischen 3,05 Grad wärmer als im langjährigen Mittel, so warm wie nie seit Beginn moderner Messungen.
Seinen Höhepunkt erreicht El Niño erst im November und Dezember. Dann entscheidet sich auch, ob 2027 das heißeste Jahr seit Beginn der Messungen wird.
3,05 Grad: Der Rekord fällt drei Monate zu früh
Den alten Höchstwert von 3,02 Grad hatte der Super-El-Niño im Spätherbst 2015 gesetzt. Am Samstag lag die Abweichung erstmals darüber, das zeigen Daten der US-Klimabehörde NOAA, über die die Washington Post berichtet.
Gemessen wird in der Niño-3.4-Region, einem Meeresstreifen am Äquator südlich von Hawaii. Ab 0,5 Grad Abweichung spricht man dort von El Niño, ab 2 Grad von einem Super-El-Niño.
El Niños erreichen ihren Gipfel normalerweise zwischen November und Januar. Dieser hat die Bestmarke schon im September übertroffen.
Auf dem Index, den viele Meteorologen bevorzugen, weil er die allgemeine Erwärmung der Ozeane herausrechnet, fehlt noch ein Hundertstelgrad. Darauf weist der britische Guardian hin.
Bis zu 4 Grad: Die Modelle sprengen alles Bekannte
Wie weit es noch nach oben geht, rechnet der Klimaforscher Zeke Hausfather von Berkeley Earth regelmäßig nach. Im Juli ergaben 667 Rechenläufe aus 14 Vorhersagemodellen im Mittel einen Gipfel von 3,6 Grad, schrieb er in seinem Blog zum stärksten El Niño der Geschichte. Die neuesten Läufe liegen nach Angaben des Londoner Blatts bei rund 4 Grad.
Wie groß dieser Sprung ist, zeigt ein Vergleich: Zwischen dem stärksten und dem fünftstärksten El Niño der vergangenen 150 Jahre liegt laut Hausfather nur ein halbes Grad. Die Modelle zeigten etwas „außerhalb von allem, was wir je beobachtet haben“.
Aus Korallen und Baumringen schließt der Forscher, dass kein El Niño des vergangenen Jahrtausends dieses Niveau erreicht hat. Dass alle 14 Klimamodelle einen historischen El-Niño-Rekord erwarten, zeichnete sich schon Ende vergangener Woche ab.
Die Weltwetterorganisation hält es für nahezu sicher, dass der El Niño bis Februar 2027 anhält.
49 Millionen Menschen in Hunger: Die Folgen sind schon spürbar
In Indonesien brennen Wälder und Torfböden, der Rauch treibt die Luftverschmutzung auf gefährliche Werte. In Indien fiel der Monsun schwächer aus als nötig.
In Mittelamerika vertrocknen Ernten, im Panamakanal ist das Wasser so knapp, dass der Schiffsverkehr gedrosselt wird. Peru und Chile kämpfen dagegen mit Überschwemmungen.
Das Welternährungsprogramm rechnet damit, dass bis Ende 2027 knapp 49 Millionen Menschen zusätzlich in akuten Hunger rutschen, meldet Reuters. Am härtesten trifft es Mittelamerika, wo die Zahl der Betroffenen um 83 Prozent steigen könnte.
El Niño kommt und geht seit Jahrtausenden. Neu ist, dass er diesmal auf eine Welt trifft, die sich durch Kohle, Öl und Gas bereits deutlich erwärmt hat. Die Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College London erwartet gegenüber dem Londoner Blatt deshalb vielerorts Hitzeextreme, wie es sie dort noch nie gab.
Mildwinter oder Kälteschock: Was El Niño für Deutschland heißt
In Europa macht sich El Niño vor allem im Winterhalbjahr bemerkbar. Je stärker das Ereignis, desto wahrscheinlicher sind Fernwirkungen bis zu uns, schreibt der Deutsche Wetterdienst. Einen festen Zusammenhang gebe es aber nicht, jedes Ereignis verlaufe anders.
Im Frühwinter deuten frühere Ereignisse eher auf milde, nasse Westwetterlagen hin. Entscheidend wird der Januar.
Gerät dann der Polarwirbel über der Arktis ins Wanken, kann Kaltluft bis nach Deutschland durchbrechen. Wie das zusammenhängt, erklärt unser Text zu Polarwirbel und Kältewinter 2026/27.
1,7 Grad: 2027 droht das heißeste Jahr seit Messbeginn
Auf die Welttemperatur schlägt El Niño mit drei bis vier Monaten Verzögerung durch, wie Hausfather erläutert. Der Hitzeschub trifft also vor allem das Frühjahr 2027.
Die US-Zeitung beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass 2027 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen wird, auf 95 Prozent. Hausfather hält bis zu 1,7 Grad über dem vorindustriellen Niveau für möglich, auf einen ähnlichen Wert kommt eine Überschlagsrechnung von Spektrum der Wissenschaft.
Die Grenze des Pariser Klimaabkommens liegt bei 1,5 Grad. Das bisherige Rekordjahr 2024 kam auf 1,55 Grad.
Bundeswehr mustert schon 2026: Auch wer „Nein“ angekreuzt hat
Der Bauherr soll verflucht worden sein: Dieses Schloss in Schottland gibt es für 9 Millionen Pfund
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]