Den Namen für sein Schloss soll sich James Forsyth von einer alten Frau geben lassen haben. „Gleann Gorm“ schlug sie vor, blaues Tal. Forsyth gefiel das.
Was er nicht verstand: Gemeint war der bläuliche Rauch aus den Häusern der Pächter, die er für seinen Neubau hatte vertreiben lassen.
So erzählt es die Legende, die Wikipedia unter Berufung auf lokale Geschichtsquellen wiedergibt. Das Schloss dazu steht nun zum Verkauf.
Glengorm Castle: Angebote ab 9 Millionen Pfund
Glengorm Castle liegt an der Nordspitze der schottischen Isle of Mull, am Ende einer einspurigen Straße hinter Tobermory. Der Makler Savills nimmt Angebote ab 9 Millionen Pfund entgegen, umgerechnet gut 10 Millionen Euro.
Verkauft wird nur im Ganzen, und das Ganze ist groß. Wer zuschlägt, übernimmt einen Hof mit Mietern, Ferienhäusern und einem Café.
Die Familie Nelson besaß das Anwesen mehr als 20 Jahre lang und vermietete zuletzt Zimmer und Ferienwohnungen, wie der Scotsman berichtet.
Highland Clearances: Für das Schloss mussten Dörfer weichen
Forsyth kaufte das Land 1856. Die Pächterdörfer, die dort standen, ließ er räumen. Solche Vertreibungen gingen als Highland Clearances in die schottische Geschichte ein, Zehntausende verloren damals ihr Zuhause.
Eine zweite Geschichte hält sich bis heute: Forsyth sei verflucht worden, niemals in seinem Schloss zu leben. 1863 starb er bei einem Reitunfall.
18 Schlafzimmer und Bibelsprüche an der Fassade
Das Schloss entstand um 1860 im Scottish-Baronial-Stil, mit Türmen und Zinnen, wie man sie aus Highland-Filmen kennt. Laut Savills war es der erste Auftrag dieser Art für die Edinburgher Architekten Kinnear und Peddie.
Die Mauern sind aus Granit der Umgebung, in die Fassade sind Bibelsprüche gemeißelt. Innen verteilen sich 18 Schlafzimmer auf Etagen und Türme, sechs davon mit eigenem Bad.
Seit 2014 wärmt eine Biomasse-Heizung das Haus. Im Exposé auf Rightmove steht beim Energieausweis trotzdem ein F. Granit hält eben nicht warm.
1500 Hektar Land: fünfmal das Tempelhofer Feld
Zum Schloss gehören rund 1500 Hektar Weiden, Hügel und Wald. Das Tempelhofer Feld misst etwa 300 Hektar. Der Käufer bekäme also fünf davon, nur mit mehr Schafen.
Die eigene Atlantikküste ist knapp fünf Kilometer lang, samt Anlegesteg und Bootshaus. Einer der drei Seen auf dem Gelände liegt in einem alten Vulkankrater.
Hubschrauber dürfen auf dem Rasen vor dem Schloss landen. Der Nachbar muss nicht gefragt werden, es gibt keinen.
Mehr Schafe als Nachbarn: Küstenlandschaft auf der Isle of Mull. (Symbolbild)
© Imago
Hochlandrinder seit 170 Jahren: Der Käufer wird Bauer
Das eigentliche Familiensilber steht auf der Weide. Seit mehr als 170 Jahren wird auf Glengorm eine Herde Highland Cattle gezüchtet, die zotteligen Rinder mit den langen Hörnern.
Die Zuchtlinie ist international gefragt. Der Bulle „Jock of Glengorm“ wurde in den 1980er-Jahren sogar in die USA verkauft.
Mitverkauft werden außerdem 17 Häuser. Darunter sind 13 dauerhaft vermietete Wohnungen, einige davon als bezahlbarer Wohnraum für Inselbewohner. Wer hier einzieht, kauft kein Wochenendhaus, sondern wird Vermieter.
Probewohnen im Schloss: Weihnachten ab 1190 Pfund
Wer keine 9 Millionen Pfund übrig hat, kommt trotzdem hinein. Über den Anbieter Celtic Castles lässt sich der Westflügel über Heiligabend 2026 mieten.
Zwei Nächte für bis zu sechs Gäste kosten ab 1190 Pfund, rund 1400 Euro. Pro Kopf ist das weniger als manches Hotel am Gendarmenmarkt.
Ob der neue Besitzer das Angebot weiterführt, ist offen. Savills rechnet nach eigenen Angaben mit Interessenten aus aller Welt.
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