Die Rohölpreise sind am Montag gestiegen, nachdem Saudi-Arabien und andere Mitglieder der Opec+-Gruppe überraschend die Kürzung der Ölproduktion um mehr als 1,6 Millionen Barrel pro Tag angekündigt hatte. Die saudische Entscheidung könnte eine Reaktion auf eine Mitteilung der US-Regierung sein: Die Financial Times (FT) berichtet, dass Saudi-Arabien verärgert über die US-Regierung gewesen sein soll. US-Präsident Joe Biden hatte neu Ankäufe abgelehnt, um die strategischen Lagerbestände wieder aufzufüllen. Die Reserven waren im vergangenen Jahr aufgebraucht worden, um die Inflation zu dämpfen. Das Weiße Haus hatte Saudi-Arabien zuvor versichert, dass es bei fallenden Preisen Einkäufe für seine strategische Reserve tätigen würde. Die von Saudi-Arabien geführte Initiative ist ungewöhnlich, da sie außerhalb eines formellen Opec+-Treffens angekündigt wurde, was auf eine gewisse Dringlichkeit der an den Kürzungen beteiligten Mitglieder hindeutet. Neben Saudi-Arabien kündigten auch der Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Algerien und der Oman Produktionskürzungen an
Die Opec+-Staaten gaben an, sie handelten „vorsorglich“, um sich auf allfällige wirtschaftliche Turbulenzen vorzubereiten. Die Kürzungen sind die Antwort auf einen starken Rückgang der Ölpreise im vergangenen Monat nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Silicon Valley Bank und der erzwungenen Übernahme der Credit Suisse durch die UBS. Dadurch hatten sich Ansteckungsängste auf den globalen Finanzmärkten ausgebreitet und einen deutlichen Rückgang der Rohölnachfrage ausgelöst. „Opec+ hat eine präventive Kürzung vorgenommen, um einer möglichen Nachfrageschwäche aufgrund der entstandenen Bankenkrise zuvorzukommen“, sagte Amrita Sen, Forschungsdirektorin bei Energy Aspects der FT.
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Die Kürzung könnte auch geopolitische Verwerfungen nach sich ziehen: Russland, das auch Mitglied der Opec+ ist, sagte, es werde seine bestehende Produktionskürzung von 500.000 Barrel pro Tag bis Ende des Jahres verlängern. Moskaus Kürzung wurde erstmals im März als Vergeltung für die Bemühungen westlicher Länder angekündigt, eine Preisobergrenze für seine Ölexporte auf dem Seeweg einzuführen. Das Weiße Haus beschuldigte im Oktober Saudi-Arabien, sich effektiv auf die Seite Russlands zu stellen, als die Opec+ zuletzt eine formelle Produktionskürzung angekündigt hatte. Washington reagierte am Sonntag pikiert auf die Opec-Ankündigung:
„Wir halten Kürzungen angesichts der Marktunsicherheit derzeit nicht für ratsam – und das haben wir deutlich gemacht“, sagte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates. Man werde jedoch weiterhin mit allen Produzenten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass „die Energiemärkte das Wirtschaftswachstum und niedrigere Preise für amerikanische Verbraucher unterstützen“.
Helima Croft, Leiterin der Rohstoffstrategie bei RBC Capital Markets, sagte, Saudi-Arabien stecke eine von den USA unabhängige Wirtschaftsstrategie ab, nachdem sich die Beziehungen zwischen Riad und Washington während der Biden-Regierung verschlechtert hatten. „Es ist eine Saudi-first-Politik. Sie schließen neue Freundschaften, wie wir bei China gesehen haben“, sagte Croft der FT und bezog sich auf ein kürzlich von Peking vermitteltes diplomatisches Abkommen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Das Königreich sendete eine Botschaft an die USA, dass „es keine unipolare Welt mehr ist“.
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Ärgerlich für die US-Regierung: Auch Japan unterläuft die Pläne, die russische Ölwirtschaft in ihrem Fundament zu erschüttern. Während die USA ihren europäischen Verbündeten hinter einer Obergrenze von 60 Dollar pro Barrel beim Kauf von russischem Rohöl auferlegt hatte, brachte die japanische Regierung die USA dazu, einer Ausnahme zuzustimmen. Japan sagte Washington, es könne keiner Obergrenze zustimmen, weil das Land den Zugang zu russischer Energie benötige. Japans Abhängigkeit von Russland in Bezug auf fossile Brennstoffe hat laut dem Wall Street Journal dazu geführt, dass Tokio die Ukraine in ihrem Krieg gegen Russland nur in geringem Umfang unterstützt. Während viele europäische Länder ihre Abhängigkeit von russischen Energielieferungen verringert haben, hat Japan seine Käufe von russischem Erdgas im vergangenen Jahr verstärkt. Japan ist die einzige Nation der Gruppe der Sieben, die keine tödlichen Waffen an die Ukraine liefert, und Premierminister Fumio Kishida war der letzte G7-Führer, der die Ukraine nach der russischen Invasion besuchte.
Die steigende Ölpreis könnte das Tanken bald wieder teurer machen. Nachdem Mitglieder des Opec-Kartells und andere große Förderländer am Wochenende beschlossen hatten, ihre Produktion zu drosseln, stieg der Ölpreis um 8 Prozent. Das könnte „in der Folge auch zu einer Verteuerung an den Zapfsäulen“ führen, teilte der ADAC am Montag mit. (mit dpa)
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