In der Bundeswehr sind Ostdeutsche überrepräsentiert. Während ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung bei lediglich rund 19,5 Prozent (inklusive Berlin) liegt, stellen sie in den Streitkräften teils ein Drittel und mehr. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor.
Die nackten Zahlen vom August: Unter den Berufssoldaten liegt der ostdeutsche Anteil bei 34 Prozent, bei den Soldaten auf Zeit bei 26 und bei den freiwillig Wehrdienstleistenden bei 25 Prozent.
Historisch ist das keine neue Entwicklung, im Gegenteil. Ein belastbarer Vergleichswert aus dem Jahr 2009 zeigt: Damals kamen 37 Prozent der Wehrdienstleistenden und Zeitsoldaten aus Ostdeutschland – rund 70.400 von 187.700 Soldaten. Unter den Soldaten auf Zeit lag der Anteil sogar bei 39 Prozent, unter den Grundwehrdienstleistenden immerhin bei 30 Prozent.
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Der Trend ist also leicht rückläufig, bewegt sich aber weiter deutlich über dem Bevölkerungsanteil. Die Bundeswehr war und ist für viele junge Ostdeutsche weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber.
Nirgends wird der Bruch zwischen Mannschaft und Führung so greifbar wie beim Heer. Dort dienen laut Anfrage 7.719 Ostdeutsche in den Mannschaftsdienstgraden und 5.445 als Unteroffiziere mit Portepee – eine mächtige Basis. Auch der Mittelbau ist solide besetzt: 1.305 Offiziere vom Leutnant bis zum Stabshauptmann und 836 Stabsoffiziere stammen aus dem Osten.
Doch ganz oben wird die Luft schlagartig dünn: Beim Heer trägt exakt ein einziger General die ostdeutsche Herkunft. Je höher die Laufbahn, desto seltener der Ostdeutsche – ein Muster, das sich quer durch alle Teilstreitkräfte zieht.
Oben wird die Luft dünn
Bei der Luftwaffe dient ebenfalls nur ein General ostdeutscher Herkunft – ein Anteil von mickrigen 4 Prozent. Und bei der Marine? Dort steht unter den Admiralen eine runde Null: kein einziger Flaggoffizier stammt aus dem Osten.
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Dabei ist der Unterbau auch hier massiv: Bei der Marine stellen Ostdeutsche 37 Prozent der Unteroffiziere mit Portepee und 32 Prozent der jüngeren Seeoffiziere. Das Muster ist also strukturell. Passend dazu bestätigt der in der Anfrage zitierte Elitenmonitor: 2018 wie 2023 war keine der 72 definierten Top-Positionen der Bundeswehr mit Ostdeutschen besetzt.
Woran liegt der Bruch? Die Bundesregierung selbst verweist auf messbare Fortschritte in der übrigen Bundesverwaltung: Dort stellen Ostdeutsche inzwischen 16,3 Prozent der Führungskräfte, auf Referentenebene – den „Sprungpositionen“ in die Führung – gar 24,9 Prozent. Die potenziellen Generäle von morgen stünden also bereit.
Ob das auch für die Truppe gilt, lässt das Verteidigungsministerium offen; man stehe in „kontinuierlichem Austausch“ mit der Ostbeauftragten. Festzuhalten bleibt: Der Osten dient zahlreich und treu – doch die Generalsstäbe bleiben ihm bislang verschlossen.
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