„Ihre Mitschuld an den Morden hat sie heute deutlich intensiver eingestanden als im Prozess“, sagte Mathias Grasel nach Zschäpes stundenlanger Befragung in der Justizvollzugsanstalt Chemnitz der Deutschen Presse-Agentur.
„Es bleibt zwar dabei: Eine aktive Mitwirkung gab es nicht, weder in der Vorbereitung noch in der Durchführung“, betonte Grasel. „Aber sie sagte heute mehrfach ganz klar: Hätte ich nach dem ersten Mord anders gehandelt und reagiert, wäre alles andere nicht passiert.“
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Zschäpe gibt zu: Die Morde waren nur durch sie möglich gewesen
Der Ausschussvorsitzende Toni Schuberl (Grüne) berichtete am Montag ebenfalls, Zschäpes Schuldeingeständnis habe eine „neue Qualität“ gehabt. Zschäpe habe gesagt, dass sie die Schuld ganz klar auch bei sich sehe, sagte Schuberl: „So, als hätte sie selbst abgedrückt“. Zschäpe habe gesagt, dass sie die Taten nicht gewollt habe - aber auch, dass sie nur durch sie möglich gewesen seien. Und dass sie die Verbrechen hätte verhindern können, nämlich wenn sie sich gestellt hätte, als sie vom ersten Mord erfuhr.
Grasel und auch Schuberl berichteten zudem aus Zschäpes Aussage, sie habe von den Ausspähungen potenzieller Opfer gewusst. Die Kriterien seien gewesen: „ausländisch klingender Name, vorzugsweise türkisch, und gute Fluchtmöglichkeit“, sagte Grasel. An den Ausspähungen selbst und an der Planung der Morde sei sie aber nicht beteiligt gewesen.
Zschäpe wurde den ganzen Montag lang in einer nicht-öffentlichen Sitzung von den bayerischen Landtagsabgeordneten befragt. Es war das erste Mal, dass sie sich seit dem Ende des Prozesses äußerte, und das erste Mal überhaupt, dass Zschäpe direkt auf Fragen antwortete. Im NSU-Prozess hatte sie sich nur in schriftlichen Einlassungen geäußert und schriftlich auf Nachfragen geantwortet und sich lediglich zweimal selbst zu Wort gemeldet - unter anderem in ihren Schlussworten.
Grasel zitierte aus Zschäpes Aussage vor den Ausschussmitgliedern: „Ich hätte verhindern können, dass aus dem ersten Mord eine Serie wird. Ich hätte die Möglichkeit gehabt und habe sie nicht genutzt.“ Zschäpe sagte laut Grasel: „Ich habe das Leben von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt fälschlicherweise über das Leben der Opfer gestellt.“
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Das war der NSU
Die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) - Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt - war von 2000 an jahrelang mordend durch Deutschland gezogen. Ihre Opfer waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin. Mundlos und Böhnhardt verübten zudem zwei Bombenanschläge in Köln mit Dutzenden Verletzten.
Die beiden töteten sich 2011, um ihrer Festnahme zu entgehen - erst damit war der NSU aufgeflogen. Zschäpe, die einzige Überlebende des Trios, wurde 2018 nach mehr als fünf Jahren Prozessdauer zu lebenslanger Haft verurteilt - als Mittäterin, auch wenn es keinen Beweis gibt, dass sie selbst an einem Tatort war.
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