Rammstein

Nach dem Rammstein-Konzert in Vilnius: In Litauen gibt es derzeit nur ein Thema

Wir haben Litauer gefragt, was sie zu den Vorwürfen rund um Rammstein und Frontsänger Till Lindemann sagen – und wie das Thema dort medial behandelt wird.

4 Min
Wie reagieren die Litauer auf die Rammstein-Vorwürfe?

Wie reagieren die Litauer auf die Rammstein-Vorwürfe?

© Gonzales Photo/imago

Eine ganze Stadt, ein ganzes Land – eine ganze osteuropäische Region sehnte sich nach dem Rammstein-Konzert in Vilnius. Im Vingis-Park im Stadtzentrum der litauischen Hauptstadt sollte am 22. Mai „die größte Party“ des Jahres stattfinden, wie mehrere lokale Medien titelten. Die Vorwürfe der Irin Shelby Lynn, die wenige Tage nach der Show weltweit die Runde machten, gaben der angeblich größten Feier des Jahres jedoch eine gänzlich andere Wendung.

„Schon mehrere Tage vor dem Konzert war in der Stadt eine Anspannung zu spüren“, sagt der gebürtige Vilniuser Eduardas Jankauskas der Berliner Zeitung. Es herrschte Vorfreude. Bewohner und Gäste der Stadt hätten Restaurants und Bars bevölkert, so Jankauskas; Rammstein-Fans, in großer Zahl vertreten, waren mit ihren T-Shirts leicht zu erkennen; das Konzert war restlos ausverkauft. Die Rockband genießt eine große Beliebtheit im Baltikum wie auch in Osteuropa.

Die Vorwürfe von Shelby Lynn versetzten allerdings viele litauische Rammstein-Fans in Schock. Sie und andere Fans seien am Rande des Konzerts bei einer Backstage-Party unter Drogen gesetzt worden, behauptet sie auf Twitter. Dazu veröffentlichte Lynn Bilder von zahlreichen Blessuren sowie Chatverläufe mit weiteren angeblichen Opfern. Die sozialen Medien in Litauen quellen über von entsprechenden Einträgen und Spekulationen, sagt eine Litauerin im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Litauen stehe nicht häufig im Mittelpunkt

„Unser Land steht nicht so häufig im Mittelpunkt der weltweiten Schlagzeilen“, sagt die Frau, die selbst keine Konzertkarten mehr für Rammstein bekommen hatte. Pressevertreter aus aller Welt versuchen aktuell, den Anschuldigungen auf den Grund zu gehen, die litauische Hauptstadt Vilnius stand bisher nur selten so sehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Geschichte in den vergangenen Tagen, gerade auch in den Medien Litauens, so beschreibt es die Frau, die anonym bleiben will. Auch die örtliche Polizei befasst sich mittlerweile mit dem Vorfall.

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Im Vingis-Park in Vilnius fand das Rammstein-Konzert statt.

Im Vingis-Park in Vilnius fand das Rammstein-Konzert statt.

© Imago

Einer litauischen Menschenrechtsorganisation zufolge sollen die Behörden allerdings nur sehr langsam reagiert haben. Die Polizei selbst gibt indes an, die Frau habe sich an sie gewandt und sei medizinisch versorgt worden. Es sei kein Vorverfahren eingeleitet worden, stattdessen kehrte Lynn schon am kommenden Tag nach Irland zurück, heißt es in einem Bericht des litauischen Senders LRT.

Erst eine Woche später habe die Irin ein Verhör mit der litauischen Polizei gehabt. „Ich habe gerade fast fünf Stunden mit der litauischen Polizei per Video telefoniert“, schrieb Lynn auf Twitter. „Sie haben endlich eine offizielle Stellungnahme von mir entgegengenommen und mir eine Referenznummer gegeben. Ich bin unglaublich enttäuscht darüber, wie die ‚Profis‘ damit umgehen.“

Zu sexualisierter Gewalt vonseiten des Rammstein-Frontmanns Till Lindemann soll es laut der Irin nicht gekommen sein. „Till hat mich nicht angefasst“, sagt sie, „er hat akzeptiert, dass ich keinen Sex mit ihm wollte.“

Das litauische Zentrum für Menschenrechte meldete nun, es werde den parlamentarischen Menschenrechtsausschuss bitten, eine Untersuchung einzuleiten. Es soll geklärt werden, ob die Strafverfolgungsbehörden in der Lage seien, in solchen Situationen angemessen zu agieren. „Die Situation hat viele Fragen hinsichtlich der Fähigkeit der litauischen Polizei und der Rettungssanitäter aufgeworfen, angemessen auf eine mögliche Drogenvergiftung und mögliche sexuelle Übergriffe zu reagieren“, heißt es in einem Statement der Menschenrechtsorganisation.

Rammstein selbst hatten auf ihrem Twitter-Kanal am Sonntag lediglich ein Statement veröffentlicht, demzufolge die Band „zu den im Netz kursierenden Vorwürfen zu Vilnius“ ausschließen könne, „dass sich was behauptet wird, in unserem Umfeld zugetragen hat“.

Brisante Recherchen zu Lindemann und Co.

Am Freitag sorgten neue Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung für Aufruhr. Dabei erheben mehrere Frauen schwere Vorwürfe gegen den Rammstein-Sänger Till Lindemann. Sie behaupten, junge Frauen seien gezielt rekrutiert worden, um mit dem Rammstein-Sänger Sex zu haben. Zudem berichten zwei Frauen laut NDR und Süddeutscher Zeitung von mutmaßlichen sexuellen Handlungen, denen sie nicht zugestimmt hätten. Die Frauen äußerten sich demnach anonym vor der Kamera und haben ihre Aussagen gegenüber dem Rechercheteam an Eides statt versichert.

Derweil kommen in der Neuen Zürcher Zeitung zwei Frauen zu Wort, die die Backstage-Partys bei Rammstein-Konzerten als professionell und sicher beschreiben. Laut den beiden weiblichen Rammstein-Fans sei Lindemann auf den Veranstaltungen ein freundlicher und zurückhaltender Mensch gewesen.

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