Mobilität

Der kleine BER: S-Bahnhof bekommt nach 30 Jahren einen zweiten Zugang

Seit langem fordern Anwohner, dass der Haltepunkt Prenzlauer Allee besser erreichbar ist. Sie brauchen weiter Geduld – aber jetzt gibt es erstmals einen Plan.

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Ein S-Bahn-Zug verlässt der Haltepunkt Prenzlauer Allee auf dem Ring. Hier soll der zweite Zugang entstehen – mit einer Brücke, die den Bahngraben überspannt, einer Treppe und einem Aufzug.

Ein S-Bahn-Zug verlässt der Haltepunkt Prenzlauer Allee auf dem Ring. Hier soll der zweite Zugang entstehen – mit einer Brücke, die den Bahngraben überspannt, einer Treppe und einem Aufzug.

© Benjamin Pritzkuleit/Berliner Zeitung

Besonders komplex war das Projekt bisher nicht gerade. Eine Fußgängerbrücke, zwei Zuwegungen und eine Treppenanlage zum Bahnsteig – und schon würde vielen Tausend Bewohnern der umliegenden Wohnviertel Umwege erspart. Seit den 1990er-Jahren gibt es den Wunsch, den S-Bahnhof Prenzlauer Allee an der Ringbahn im Westen mit einem zweiten Zugang auszustatten. Doch es gab immer wieder Probleme. Jetzt kann die Deutsche Bahn (DB) immerhin erstmals einen Zeitplan nennen. Doch er wird viele nicht zufriedenstellen. Denn danach werden die Bürger noch mehrere Jahre warten müssen.

„Hier kann man wirklich sagen: Was lange währt, wird endlich gut. Klar ist aber auch: 30 Jahre hätte es dafür nicht gebraucht“, sagte Tino Schopf, SPD-Abgeordneter für Prenzlauer Berg Ost und Weißensee, der Berliner Zeitung. In den vergangenen Jahren hatte der Sozialdemokrat, der wieder als Verkehrspolitiker aktiv ist, den Senat mehrmals nach dem Stand des Vorhabens befragt. Die Antworten befriedigten nicht nur ihn nicht. Nun wurde aber zumindest klar, dass das Projekt begonnen hat. Das Etikett „kleiner BER“, das Schopf und andere Beobachter ihm gaben, wird es aber nicht mehr los.

„Im Jahre 2022 wurde intensiv an der Entwurfsplanung gearbeitet“, teilte die neue Mobilitätsstaatssekretärin Claudia Stutz jetzt auf Schopfs Anfrage hin mit. Dass der zweite Zugang einen Fahrstuhl bekommen soll, habe das Projekt komplexer gemacht, gab sie zu bedenken. „Durch die Entscheidung zum Einbau eines Aufzuges auf dem Bahnsteig mussten neue Zwangspunkte verarbeitet werden“, so die CDU-Senatspolitikerin. Doch die nächsten Schritte seien absehbar, teilte Stutz mit.

Bis die Bautrupps kommen, werden weitere Jahre vergehen

„Zur Fortsetzung der Planung sind weitere Baugrunderkundungen und die Lösung der Entwässerungsproblematik erforderlich“, heißt es in der parlamentarischen Drucksache, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. „Nach Schaffung der Grundlagen ist die Fertigstellung der Entwurfsplanung für Dezember 2023 terminiert. Die Fertigstellung der Genehmigungsplanung ist für Februar 2024 geplant. Mit der Erteilung der Plangenehmigung wird August 2024 gerechnet.“

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Bis der Bau des zweiten Zugangs am S-Bahnhof Prenzlauer Allee beginnt, werde aber weitere Zeit vergehen. Die Vorbereitungen sollen im Februar 2027 starten, berichtete die Staatssekretärin unter Bezug auf die Bahn. Nachdem die beiden Brückenwiderlager hergestellt worden sind, soll der vorgefertigte Überbau im September 2027 eingehoben werden. Vorgesehen ist, dass die Bahnsteigtreppe im Oktober 2027 entsteht. Im Jahr darauf wird der Aufzug gebaut. Die Komplettierung soll im Mai 2028 abgeschlossen werden. Dann kann der Zugang eröffnet werden. Ende gut, alles gut.

Immer wieder machte der Senat den Bürgern Hoffnung

„Die jetzige Ankündigung begrüße ich, und mit dem Baubeginn im Februar 2027 sowie der Fertigstellung im Mai 2028 haben wir auch endlich einen konkreten Zeitrahmen“, lobte Tino Schopf am Mittwoch. „Ich hoffe zudem, dass die Vereinfachung des Zugangs für viele Menschen eine Einladung ist, das Berliner ÖPNV-Netz vielleicht noch ein bisschen häufiger zu nutzen als bisher.“

Dabei hat die S-Bahn im dicht besiedelten Prenzlauer Berg schon jetzt viele Nutzer. In der Berliner Innenstadt ist der Motorisierungsgrad generell niedrig, auch dort. Das war ein wichtiger Grund dafür, den zweiten Zugang zu fordern. Doch immer wieder wurden die Anwohner, Politiker und Fahrgastvertreter vertröstet – und immer wieder machte der Senat ihnen Hoffnung.

So teilte die Verkehrsverwaltung 2015 mit, dass die geplante Brücke vom S-Bahn-Haltepunkt zum privaten Gelände Ahlbecker Straße 6 und zum landeseigenen Grundstück zwischen der Kanzowstraße 11 und 13 auf einem guten Weg sei. „Die Kosten betragen nach derzeitigem Stand 2,1 Millionen Euro“, hieß es damals. Das dürfte heute überholt sein. Im Herbst 2017 könnten die Arbeiten beginnen, 2019 wäre die Fertigstellung möglich, so die Verwaltung damals.

Anwohner befürchten Lärm, Müll und Kriminalität

Doch in dem seit 2013 laufenden Verfahren wurden Konflikte zwischen dem Vorhabenträger und Anwohnern deutlich, die lange Zeit unüberbrückbar zu sein schienen. Dabei ging es um Themen wie Lärm, Erschütterungen, Unfallgefahr, Unrat, Verslumung, Unsicherheit und Kriminalität, teilte der Senat mit. Probleme taten sich auch beim Grunderwerb des Privatgeländes an der Ahlbecker Straße auf. Zwar sei die Zuwegung im Vertrag berücksichtigt worden, teilte DB Station & Service vor einigen Jahren mit. Doch weil die Eigentümer weltweit verstreut sind, sei eine Lösungsfindung schwierig. Während nun die Genehmigungsplanung erstellt wird, finden weitere Abstimmungen mit den Eigentümern statt, teilte Staatssekretärin Stutz jetzt mit.

Das Projekt zweiter Zugang am S-Bahnhof Prenzlauer Allee zeigt, wie kompliziert das Bauen in Deutschland geworden ist. Das gilt auch für einen Haltepunkt für den Regionalverkehr, den sich Bezirkspolitiker aus dem Süden Berlins und andere Beteiligte seit vielen Jahren wünschen.

Erst Ende 2034 könnten Regionalzüge an der Buckower Chaussee halten

Der Regionalbahnhof Buckower Chaussee wäre unter den aktuellen betrieblichen Rahmenbedingungen erst ab Dezember 2034 umsetzbar, teilte Staatssekretärin Stutz dem Abgeordneten Schopf in einer anderen parlamentarischen Drucksache mit. Unter den Bedingungen des derzeit geltenden Verkehrsvertrags wäre die Station an der Dresdener Bahn, auf der ab Ende 2025 Züge fahren sollen, „nicht nutzbar“, so die Senatspolitikerin. Frühestens unter dem Nachfolgevertrag Netz Elbe-Spree II wäre dies möglich, hieß es. An den fahrplantechnologischen Betrachtungen werde gearbeitet.

Probleme gibt es auch bei einem anderen Bahnprojekt, das wie die Dresdner Bahn zum Investitionsprogramm i2030 gehört. Dass die reaktivierte Stammstrecke der Heidekrautbahn zwischen Berlin-Wilhelmsruh und Schönwalde im Landkreis Barnim wie angekündigt im Dezember 2024 eröffnet wird, sei „nicht sichergestellt“, erklärte Claudia Stutz. Gründe seien die Einwendungen im laufenden Planfeststellungsverfahren und die „komplexen Planungsvorbereitungen, die in Pandemiezeiten zu Verzögerungen geführt haben“, teilte sie mit.

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