„Wir halten zusammen“, lautet die Botschaft auf dem Titelbild der „Rammstein Army“, einer öffentlichen Facebook-Gruppe mit 95.000 Fans der Band. Das Banner wurde erstmals im Juni 2022 gepostet – ein Jahr, bevor die ersten Vorwürfe gegen Till Lindemann auftauchten. Dies ist schließlich ein Teil des Liedtexts von „Haifisch“: „Wir halten zusammen, wir halten miteinander aus, wir halten zueinander, niemand hält uns aus / Wir halten euch die Treue, wir halten daran fest, und halten uns an Regeln, wenn man uns regeln lässt.“ Die Botschaft des Banners und des Liedes sind in dieser Gruppe, deren Unterstützung für die Band nicht nachzulassen scheint, aktueller denn je.
„Hallo liebe Rammstein-Fans! Ich bin ganz neu in dieser Gruppe und brauche Tipps und Ratschläge von euch. Ich werde diesen Sommer mein erstes Rammstein-Konzert besuchen. Ich habe ein Ticket für die Feuerzone im Olympiastadion in Berlin am Samstag, den 15. Juli“, schreibt eine junge Frau aus Schweden, deren Beitrag schnell mit Herzen, Likes und praktischen Ratschlägen überflutet wird, z.B.: „Geh um 6-7 Uhr morgens in die Warteschlange“ oder „Trink ausreichend Flüssigkeit, aber nicht zu viel direkt vor der Show, sonst verlierst du deinen Platz“.
Man muss nicht lange nach unten scrollen, um die ersten Beiträge zu finden, die sich auf den aktuellen Skandal beziehen. „Ich möchte dazu aufrufen, dass die ganze Menge beim Konzert in Berlin #istaywithrammstein schreit! Till muss hören, dass wir hinter ihm stehen, egal was irgendwelche Mädchen sagen!!!!“, schreibt ein junger Berliner, der von der Gruppe gefeiert wird. „Unschuldsvermutung“, lautet eine Antwort. „Unabhängig davon, ob er unschuldig oder schuldig ist ... die Beschämung des Opfers ist schrecklich“, schreibt eine Frau aus Kalifornien. „Die Me-Too-Kampagne erhebt erneut ihr Haupt. Ohne Beweise. Ich bleibe bei Rammstein ...“, antwortet ein finnischer Fan.
„Respektvoll, lustig und freundlich“
In der knapp 100.000 Mitglieder starken Facebook-Gruppe „Lindemann & Rammstein World“ postet eine Frau ein Bild von sich selbst, wie sie letztes Jahr in Minnesota hinter der Bühne mit Till Lindemann posiert. „Till war respektvoll, lustig und freundlich, als ich ihn traf. Ich denke, er ist ein wunderbarer Mensch“, schreibt sie dazu. „Es macht mich traurig, dass jemand versucht, ihn in einem anderen Licht darzustellen. Nicht nur Till... Auch ich hatte eine wundervolle Zeit. Ich habe mich nie unwohl gefühlt. Ich weiß nicht, ich wollte nur meine persönlichen Erfahrungen teilen.“
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In den meisten relevanten Beiträgen wird die Unterstützung für Till Lindemann und die Band zum Ausdruck gebracht. Allerdings gibt es auch bizarre Unterstützungsbekundungen, darunter einen Beitrag, der aus dem Gesicht des Rammstein-Frontmanns mit der deutschen Flagge im Hintergrund und dem Hashtag #JusticeForTillLindemann besteht.
Ein Instagram-Video der Band auf der Bühne in München mit Blick auf ihren weinenden Schlagzeuger Christoph Schneider ist das zentrale Element vieler Beiträge. „Das zerreißt einem echt das Herz“, kommentiert ein User. „Gänsehaut pur“, schreibt ein anderer. Ebenso oft stößt man auf ein Bild des Rammstein-Logos mit dem Spruch „Lass deine Ohren nicht glauben, was die Augen nicht gesehen haben. Und lass deinen Mund nicht sagen, was dein Herz nicht fühlt“.
„Lass deine Ohren nicht glauben, was die Augen nicht gesehen haben“
Manchmal wird die Diskussion etwas hitziger, etwa wenn es um die Entwicklung geht, dass sich Rammstein von Assistentin Alina Makeeva distanziert hat, oder dass die sogenannte „Row-Zero“ abgeschafft wurde. „Till hätte es besser wissen sollen, als mit diesen zwielichtigen Pre- und After-Partys mit sehr jungen Frauen weiterzumachen, die von dieser Alena Makeeva rekrutiert wurden“, schreibt eine Schwedin. „Ich meine, es ist seltsam, dass die Scheiße nicht schon vor langer Zeit am Dampfen war. Es ist 2023!“. Diese Antwort erntete 61 wütende Emojis und Antworten wie „Wirst du jetzt auch moralisieren und vorschreiben, wie sich die Leute treffen und Sex haben sollen?“ oder „fuck cancel culture“.
Die Entscheidung des Drogeriemarktes Rossmann, Rammstein-Parfums aus dem Sortiment zu streichen, stößt auf Hohn. „Nur noch mit Rammstein-Shirt betreten, rumlaufen, nach den Parfums fragen und ganz entrüstet wieder gehen“, scherzt ein User. „Die Hexenjagd um Till ist einfach nur erbärmlich, in was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich mittlerweile“, beklagt ein anderer. „Amazon freut sich schon jetzt“, sagt jemand scherzhaft voraus.
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„... die sechs Berliner Herzen sollen weiterhin brennen“
Unterstützung für die Band kommt aus allen möglichen Ecken der Welt: „You've got a pussy, I have a dick, so what's the problem?“. Der Liedtext zum Song „Pussy“, der in München von der Setlist gestrichen wurde, ist auf die Rückseite des T-Shirts eines australischen Mannes gedruckt. „Ich habe Rammstein erst etwa drei Wochen lang gehört, bevor ich für beide Konzerte von Perth, Australien, nach Odense geflogen bin“, schreibt der neue Fan, der jetzt erklärt, dass er von der Band umgehauen wurde und dabei bleiben wird.
Ein weiblicher deutscher Fan aus Peking sendet Rammstein gute Wünsche in der Hoffnung, dass der Shitstorm an ihnen abprallt. „Ich hoffe für die Band und auch uns Fans, dass dieser Alptraum ein solcher bleibt und bald vorbei ist“, schreibt sie. „Denn die sechs Berliner Herzen sollen weiterhin brennen! Mögen alle kommenden Konzerte dieselbe Magie umgeben.“
Es gibt einige Beiträge von Leuten, die Tickets für kommende Rammstein-Shows anbieten. In keinem dieser Fälle geschieht dies aus Protest oder als Reaktion auf die jüngsten Vorwürfe, sondern meist aufgrund einer Planänderung. Im Großen und Ganzen bleibt die Stimmung in dieser großen Facebook-Community nüchtern. Die Vorwürfe, von denen die Band in den letzten zwei Wochen geplagt wird, werden nicht ignoriert, aber für die meisten Fans, die ihre Stimme erheben, scheinen diese eine vorübergehende Irritation auf einem langen, mit Erfolg gepflasterten Weg zu sein.
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