Flucht

Berliner Grüne fordern: Geflüchtete gegen Geld in Privatwohnungen unterbringen

Berlin stößt bei der Unterbringung von Migranten ans Limit. Die Grünen meinen: Bürger in „zu großen Wohnungen“ könnten profitieren, wenn sie Menschen aufnehmen.

Maximilian Beer
Maximilian Beer
3 Min
Eine geflüchtete Familie vor der Erstaufnahmestelle in Berlin-Reinickendorf

Eine geflüchtete Familie vor der Erstaufnahmestelle in Berlin-Reinickendorf

© Paul Zinken/dpa

Der Berliner Grünen-Abgeordnete Jian Omar hat sich dafür ausgesprochen, Geflüchtete vermehrt auch in Privatwohnungen unterzubringen. „Wir müssen den Weg für private Unterkünfte entbürokratisieren und Anreize dafür schaffen“, sagte Omar der Berliner Zeitung. Aufgabe der Politik sei es, bürokratische Hürden abzubauen „und eine Förderung der privaten Aufnahme von Geflüchteten zu ermöglichen“.

Omar ist Grünen-Sprecher für Migration, Partizipation und Flucht im Berliner Abgeordnetenhaus. Zuletzt hatte der Bürgermeister von New York City, Eric Adams, vorgeschlagen, Geflüchtete in freien Zimmern von Privatpersonen aufzunehmen. Wie in der EU wird auch in den Vereinigten Staaten über knappe öffentliche Kapazitäten für die Unterbringung diskutiert.

In Deutschland hatten während der vergangenen Monate bereits mehrere Politiker eine Prämie für die private Aufnahme von Geflüchteten gefordert. Darunter auch die SPD-Bundestagsabgeordnete und Innenpolitikerin Elisabeth Kaiser.

„Wir befinden uns in herausfordernden Zeiten, das gilt auch für die Unterbringung von Geflüchteten in Berlin, und wir sehen, dass unsere staatlichen Einrichtungen an ihre Grenzen kommen“, sagte Omar. Damit die Menschen würdig und bestmöglich aufgenommen werden könnten, müssten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden –„dazu gehört auch die Institutionalisierung von privaten Unterbringungsmöglichkeiten“, so Omar weiter.

Stadt ist bei der Unterbringung von Geflüchteten am Limit

Wegen der gestiegenen Asylbewerberzahl und des Zustroms ukrainischer Geflüchteter sind die landeseigenen Unterkünfte am Limit. Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) betreibt 107 Unterkünfte in Berlin. Insgesamt stehen 32.105 Plätze zur Verfügung. Belegt waren Ende Mai 31.617 Plätze, was einer Auslastung von 98,5 Prozent entspricht. Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) hatte kürzlich angekündigt, bei der Suche nach Kapazitäten auch auf finanzielle Anreize für die Bezirke setzen zu wollen.

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Jian Omar bezeichnete die private Unterbringung als „Win-win-win-Situation“. Geflüchtete hätten den Vorteil, dass sie „direkt gut in die Gesellschaft eingebunden werden, direkt in den Austausch mit den Menschen vor Ort treten können sowie Privatsphäre genießen“. Die Berliner wiederum, „die in zu großen Wohnungen leben und Platz haben“, könnten „diesen Platz teilen und dafür finanzielle Unterstützung bekommen“. So könnten dann gestiegene Mieten kompensiert werden.

Darüber hinaus werde auch der Staat entlastet, sagte der Grünen-Politiker. Oft seien private Unterbringungen von Geflüchteten deutlich günstiger als Massenunterkünfte. „Denn während die Unterbringung von Geflüchteten in den Gemeinschaftsunterkünften 900 Euro pro Monat kostet, liegen private Unterkünfte zum Beispiel für ein Zimmer in einer privaten Wohnung oft darunter und könnten zwischen 400 und 600 Euro kosten.“

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