Im Hürtgenwald in der Eifel brennen seit Donnerstagnachmittag rund 300 Hektar Wald. Ein Ortsteil ist evakuiert, im Boden geht Munition aus dem Zweiten Weltkrieg hoch, Panzer schlagen Schneisen in den Bestand.
Über dem Feuer steht die heißeste Luft dieses Sommers. Am Sonntag ist sie weg.
Dazwischen liegt eine Kaltfront, die kaum Regen bringt, dafür Wind. Für den Wald in der Eifel ist das die denkbar schlechteste Kombination. Für die abgeernteten Äcker in Norddeutschland auch.
Wetter Deutschland: 39 Grad am Freitag, dann Sturmböen bis 100 km/h
Am Freitag lag das Land noch unter dem Hitzehoch „Ralf“. In der Westhälfte kletterten die Temperaturen auf 35 bis 39 Grad, der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte Hitzewarnungen für weite Teile des Landes ausgegeben.
Am Samstag greift die Kaltfront des Tiefs „Margarete" von Nordwesten über. Der DWD-Warnlagebericht nennt ab dem späten Vormittag einzelne starke Gewitter im westlichen Niedersachsen und an der Nordsee, am Nachmittag und Abend im gesamten Westen und Norden sowie über den süddeutschen Mittelgebirgen.
Erwartet werden Starkregen um 20 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, kleinkörniger Hagel und Sturmböen zwischen 75 und 100 Kilometern pro Stunde. Am Sonntag verlagert sich das Gewittergeschehen in die Mitte und den Süden. Die Höchstwerte liegen dann zwischen 22 Grad im Norden und 32 Grad im Südosten.
Waldbrand Hürtgenwald: Für die Feuerwehr ist der Wind das größere Risiko
Im Kreis Düren kämpfen mehrere Hundert Einsatzkräfte gegen den größten Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Rund 2300 Menschen wurden evakuiert, der Ortsteil Gey kurz vor vier Uhr in der Nacht zum Freitag – nachdem der Wind gedreht hatte.
Feuerwehrsprecher Peter Berndgen sprach nach Angaben des Tagesspiegels von einem „Red Flag Day“: Hitze, niedrige Luftfeuchte und drehende Winde treffen zusammen, Vegetationsbrände werden dann kaum kontrollierbar. Die Löscharbeiten könnten Tage dauern.
Erschwerend kommt die Geschichte des Waldes dazu. Im Hürtgenwald tobte 1944 und 1945 eine der verlustreichsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs, der Boden ist bis heute mit Kampfmitteln belastet. Einsatzkräfte können deshalb nicht überall ran.
Die Front am Samstag bringt genau das, was die Lage verschärft: auffrischenden, drehenden Wind über einem Feuer, das seit zwei Tagen läuft.
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Kaltfront ohne Regen: Warum die Gewitter der Dürre nicht helfen
Die Luftmasse über Deutschland ist außergewöhnlich trocken. Gewitter, die aus so einer Luft entstehen, treffen punktuell und ungleich verteilt – zwei Kilometer weiter fällt oft kein Tropfen.
Dazu kommt der Zustand der Böden. Auf monatelang gebackenem Untergrund läuft Starkregen oberflächlich ab, statt einzusickern. Was in einer Stunde als 20 Liter herunterkommt, landet im Graben, nicht im Wurzelraum.
Übrig bleibt vom Wetterwechsel vor allem der Wind.
Staubsturm-Gefahr: Ab 22 Kilometern pro Stunde hebt der Acker ab
Das Portal t-online hält lokale Staubstürme für möglich, die die Sicht deutlich verschlechtern.
Die Schwelle dafür ist niedrig. Nach der Bodenschutz-Fachinformation der Landesberatung in Mecklenburg-Vorpommern setzt Winderosion auf gefährdeten Flächen schon ab etwa sechs bis acht Metern pro Sekunde ein, gemessen in zehn Metern Höhe. Das entspricht rund 22 bis 29 Kilometern pro Stunde. Angekündigt sind bis zu 100.
Anfällig sind abgeerntete, unbedeckte Flächen mit feinem Substrat. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe stuft rund ein Viertel der deutschen Ackerfläche als winderosionsgefährdet ein. Schwerpunkte sind Sandböden und entwässerte Moore: die Ostfriesische Geest, das Emsland, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg. Allein in Mecklenburg-Vorpommern gelten 25 Prozent der Böden als stark gefährdet, weitere 35 Prozent als mittel.
Verschärfend wirken große Schläge ohne Hecken. Windschutzstreifen bremsen den Bodenwind nur dann wirksam, wenn sie mehrreihig sind und quer zur Hauptwindrichtung stehen. In weiten Teilen des Nordostens fehlen sie.
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A19 bei Rostock: Was ein Staubsturm 2011 anrichtete
Wie schnell das eskaliert, zeigte der 8. April 2011. Auf der A19 zwischen Kavelstorf und Laage wirbelten Böen um 90 Kilometer pro Stunde Ackerstaub von den angrenzenden Feldern auf die Fahrbahn.
Die Sicht fiel binnen Sekunden unter hundert Meter, streckenweise deutlich darunter. Mehr als 80 Fahrzeuge rasten auf beiden Richtungsfahrbahnen ineinander, rund 20 brannten aus. Acht Menschen starben, etwa 130 wurden verletzt.
Ein Geländedetail machte es schlimmer: Die Felder lagen höher als die Autobahn. Der Staub wehte von oben auf die Spuren.
Dürre in Deutschland: neun Liter Regen im ganzen August
Nach Auswertungen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung brachte das Frühjahr 2026 bundesweit nur etwa 70 Prozent der üblichen Niederschlagssumme. Im Gesamtboden bis zwei Meter Tiefe hat sich das Defizit über Monate aufgebaut.
Im August fielen deutschlandweit bislang neun Liter pro Quadratmeter – gut zehn Prozent des Solls. Der Dürremonitor weist derzeit vor allem im Süden und Südwesten außergewöhnliche bis extreme Dürre im Gesamtboden aus.
Der DWD zählte bis Anfang August rund 22 Tage mit Waldbrandgefahrenindex Stufe 4 oder höher. Im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 waren es zu diesem Zeitpunkt etwa zehn.
Sicht auf null: Was Autofahrer am Wochenende beachten sollten
Kritisch sind die Stunden des Frontdurchgangs: Samstagnachmittag und -abend im Westen und Norden, am Sonntag weiter östlich und südlich. Betroffen sind vor allem Strecken durch offene Feldflur.
Das Warnzeichen ist eine bräunliche Wand am Horizont. Dann gilt: Tempo deutlich reduzieren, Licht einschalten, Abstand vergrößern, ruckartiges Bremsen vermeiden. Wer anhalten muss, fährt möglichst weit von der Fahrbahn weg und schaltet die Warnblinkanlage ein.
Wetter-Prognose: Kommt die Hitze zurück?
Zum Wochenstart stellt sich eine Nordwestströmung ein, die Temperaturen liegen dann rund zehn Grad unter dem Niveau der Hitzephase. Für Berlin und Brandenburg bedeutet das einen Sprung von 36 auf 21 Grad binnen 24 Stunden.
Erledigt ist der Hochsommer damit nicht. Eine Variante des europäischen Wettermodells berechnet für den 22. bis 24. August noch einmal 27 bis 32 Grad, örtlich bis 35. Eine längere Hitzephase erwarten die Meteorologen aber nicht mehr.
Für die Böden zählt ohnehin ein anderer Zeitraum. Ob sich das Defizit auflöst, entscheidet erst das feuchte Halbjahr ab Oktober.
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