Öffentlicher Nahverkehr

Der Weg ist frei für den neuen S-Bahn-Tunnel

Im Streit um die Streckenführung am Reichstagsgebäude haben sich Bundestag und Bahn geeinigt. Mit der City-S-Bahn wäre es möglich, mehr Züge auf den Nordsüd-Linien einzusetzen. Außerdem könnte sich die Verbindung zum Hauptbahnhof verbessern.

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Der geplante S-Bahn-Tunnel soll in möglichst großem Abstand zum Reichstagsgebäude entstehen.

Der geplante S-Bahn-Tunnel soll in möglichst großem Abstand zum Reichstagsgebäude entstehen.

© imago images/Florian Gaertner

Noch ein S-Bahn-Tunnel? Was ist das denn für ein Projekt? Kaum ein Berliner kennt das Vorhaben, an dem seit mehr als zwei Jahrzehnten meist im Verborgenen gearbeitet wird. Dabei sind sich die Fachleute darin einig, dass es sinnvoll wäre, den vor 80 Jahren eröffneten ersten Nordsüd-Tunnel der S-Bahn mit einer zweiten Doppelröhre zu ergänzen.

Neue Schienenwege am Berliner Hauptbahnhof

Neue Schienenwege am Berliner Hauptbahnhof

© Berliner Zeitung/Galanty

Die 6,4 Kilometer lange Trasse, die vom nördlichen Ring zur Yorckstraße führen soll, würde nicht nur die Verbindungen zum Hauptbahnhof verbessern. Nur mit ihr wäre es möglich, auf den Nordsüd-Linien mehr Züge einzusetzen. Jahrelang trug das Projekt den Titel S21. Als Stuttgart 21 immer mehr Kritik auf sich zog, wurde es aber in City-S-Bahn umbenannt.

Das Projekt steht vor einigen Herausforderungen

Es handelt sich um ein heikles Vorhaben – nicht nur, weil die Spree gekreuzt und der Umsteigebahnhof zur U-Bahn am Gleisdreieck voluminös wird. Die S-Bahn wird das Parlaments- und Regierungsviertel unterqueren, was Sicherheitsvorkehrungen erfordert. Kameras werden Tunnel und Notausgänge überwachen.

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Vor allem aber muss die Bahn dafür sorgen, dass das Reichstagsgebäude nicht beschädigt wird. Baugrubeneinstürze wie in Rastatt und Köln sollen sich nicht wiederholen. Jahrelang wurde über die Streckenführung diskutiert, und die Planer kamen ins Schwitzen. Da in diesem Gebiet schon zwei andere Tunnel verlaufen, fehlt im Untergrund der Platz. Doch jetzt konnte nach vielen Gesprächen ein Durchbruch erzielt werden, bestätigte Alexander Kaczmarek, der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Berlin, auf Anfrage.

Entscheidung voraussichtlich Ende Januar 2020

„Es zeichnet sich eine einvernehmliche Lösung ab, die sowohl die berechtigten Bedenken des Bundestages aufnimmt als auch der Deutschen Bahn die Möglichkeit gibt, dieses wichtige Projekt zu realisieren und dabei die Vorleistungen im S-Bahnhof Potsdamer Platz zu nutzen“, sagte Kaczmarek. Mit den Vorleistungen meinte er den sogenannten Heuboden, an dem der geplante zweite Tunnel anschließen kann.


Ab durch die Mitte

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„Für beide Seiten war es sehr hilfreich, dass der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann, die Gespräche begleitet hat“, lobte Kaczmarek. „Über den Lösungsvorschlag wird die Bau- und Raumkommission des Bundestages voraussichtlich Ende Januar 2020 entscheiden.“ Wie die Strecke verlaufen soll, sagte er nicht.

Baugrube vor dem Brandenburger Tor

Die zuletzt verfolgte Variante 7, die eine Tunnelröhre westlich und eine weitere eingleisige Röhre östlich des Reichstagsgebäudes vorsieht, ist offenbar vom Tisch. Sie komme dem Parlamentssitz zu nahe, hieß es. Der gesamte Bereich unter dem Friedrich-Ebert-Platz sei nun tabu. Stattdessen wurde untersucht, den S-Bahn-Tunnel unter dem U5-Tunnel zu bauen. „Doch so kompliziert wird es wohl nicht“, hieß es bei der Bahn.

Aufwendig wird der zuletzt auf 199 Millionen Euro taxierte Mittelabschnitt der City-S-Bahn auf jeden Fall. Eine Baugrube vor dem Brandenburger Tor gilt als wahrscheinlich, und der bestehende S-Bahn-Tunnel muss lange unterbrochen werden – in einem Konzept ist von 22 Monaten die Rede. 2035 könnte die Strecke fertig sein, so der Senat.

Wahrscheinlich ist das aber schon früher möglich, hieß es bei der Bahn. Je nach Technologie werde der Tunnelbau sechs bis acht Jahre dauern.

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