Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hat für das Jahr 2025 insgesamt 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen in Deutschland dokumentiert. Laut dem „Report zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland“ handelte es sich dabei am häufigsten um Tritte und Schläge gegen Journalisten.
Die meisten der verifizierten körperlichen Angriffe und Sachbeschädigungen ereigneten sich in Berlin mit 20 Fällen. Sachsen folgt mit neun Fällen bereits deutlich dahinter. Hinzu kamen sechs Cyberattacken auf Redaktionen, die keinem Bundesland zugeordnet werden.
Rechtsextreme Szene und Nahostproteste als Gefahr
Besonders gefährlich war die Berichterstattung bei Demonstrationen und Parteiveranstaltungen. Aus dem rechtsextremen Milieu registrierte RSF 18 gewaltsame Übergriffe. Bei Palästina-solidarischen Demonstrationen wurden Medienschaffende in elf Fällen von Teilnehmenden angegriffen.
Laut Reporter ohne Grenzen seien vor allem Solo-Reporter gefährdet. Freie Journalisten sollten Recherchen vor Ort besser nicht ohne Begleitung durchführen. „Es ist gefährlich, allein zu recherchieren und zu fotografieren“, sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Journalisten-Verband Mika Beuster bei der Präsentation.
Kritik an Bundesregierung und Trump-Politik
RSF sieht auch strukturelle Probleme für den Journalismus in Deutschland. „Generelle Verachtung gegenüber den traditionellen Medien ist auch in Deutschland in den politischen Mainstream vorgedrungen“, heißt es in dem Bericht. Als negatives Vorbild nennt die Organisation die Situation in den USA unter Präsident Donald Trump.
Die Bundesregierung kritisiert RSF ebenfalls: In der deutschen Medienpolitik gebe es kaum Fortschritte zugunsten von Journalismus und Meinungsvielfalt. Eine im Koalitionsvertrag angekündigte steuerliche Begünstigung von gemeinnützigem Journalismus sei bisher nicht geplant. Auch würde nicht gegen die zunehmende Konzentration im Mediensektor vorgegangen.
Der Bericht thematisiert zudem die Auswirkungen des Gaza-Krieges auf die deutsche Medienlandschaft. Der Konflikt beschleunigt deutlich die Spaltung der Medienlandschaft.
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