Der Kosovo-Albaner Nazmi Ramadami ist aus der Abschiebehaft entlassen. Dies teilte die Sprecherin von Innensenator Ehrhart Körting (SPD), Henrike Morgenstern, am Montagmittag mit. Die Entlassung kommt für die Familie in Berlin überraschend, denn noch am Montagmorgen wurde ihr mitgeteilt, dass Ramadami nun bis 3. Januar im Abschiebegewahrsam in Frankfurt am Main bleiben müsse. "Es ist unfassbar, ich bin sehr froh", sagte die 29-jährige Tochter Imrane Derguti.Der 55-jährige Ramadami lebt seit 15 Jahren mit seiner Ehefrau und seinen drei Kindern in Berlin. Sie waren wegen des Krieges im ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland geflohen. Am vergangenen Donnerstag war Ramadami nach mehrmonatiger Abschiebehaft nach Prishtina ausgeflogen worden. Doch die UN-Verwaltung für den Kosovo, die so genannte Unmik, lehnte die Aufnahme des Mannes ab. Als Grund gab sie an, dass ein Verstoß gegen die Richtlinien der Europäischen Menschenrechtskommission vorliege, weil eine Familie auseinander gerissen werde. Ramadami wurde dann am vergangenen Freitag nach Frankfurt am Main geflogen, wo er erneut in Abschiebegewahrsam kam. Seine Tochter konnte nur ein kurzes Telefonat mit ihm führen, dann tat sich das Wochenende über nichts.Am Montag erfuhr die 29-Jährige schließlich von der Frankfurter Ausländerbehörde, dass ihr Vater bis zum 3. Januar im Abschiebegewahrsam bleiben solle. Weil aber erst am 13. Januar wieder ein Abschiebetermin von Frankfurt aus geplant sei, habe man Ramadami wieder zurück nach Berlin schicken wollen, berichtete Imrane Derguti. Dazu kam es nicht mehr. Die Innenbehörde teilte kurz darauf mit, dass der Mann aus der Haft entlassen werde und eine Duldung erhalte. Innensenator Körting will jetzt erst einmal den Streit mit der Unmik klären. Nach Auffassung von Körting darf die UN-Kommission nämlich nicht mehr die Entscheidung von Gerichten überprüfen. Und im Fall Ramadami hatten sowohl das Berliner Verwaltungs- als auch das Oberverwaltungsgericht entschieden, dass die Trennung von der Familie kein Hinderungsgrund für die Abschiebung sei. Die Unmik sei über den Fall informiert worden und habe vor der Abschiebung auch keine Einwände erhoben, sagte Körtings Sprecherin. Da sich die Kommission aber weigere, den Kosovo-Albaner aufzunehmen, müsse nun zunächst diese grundsätzliche Frage über die Kompetenzen der Unmik geklärt werden. "Das kann dauern und das wollen wir nicht auf dem Rücken von Herrn Ramadami austragen", sagte Henrike Morgenstern. Deshalb die Entlassung aus der Haft.Die Kosten für den Flug nach Prishtina, den Rückflug nach Frankfurt am Main und auch die Rückreise nach Berlin übernimmt die Senatsinnenverwaltung. Sie belaufen sich für Ramadami auf rund 2 000 Euro. Wie lange die Duldung gilt, ist aber noch unklar. Dies sei entweder bis zur Klärung der Kompetenzen der Unmik oder bis zu einer Entscheidung über die Aufenthaltserlaubnis für die Ehefrau und den 22-jährigen Sohn möglich, heißt es. Die Ehefrau ist krank und derzeit nicht transportfähig. Auch sie besitzt eine Duldung. Der jüngste Sohn war zunächst ebenfalls im Abschiebegewahrsam, kann nun aber sein Fachabitur zu Ende führen. Seine Duldung endet Mitte 2005. Der zweite Sohn und Tochter Imrane Derguti besitzen schon seit einigen Jahren eine Aufenthaltserlaubnis. Die Gerichte hatten in den letzten Jahren alle Asylanträge von Ramadami abgelehnt. Ihm werden außerdem sieben Eigentumsdelikte und Fahren ohne Führerschein vorgeworfen. So wurde er zu mehreren Geldstrafen und einer Freiheitsstrafe von sechs Wochen verurteilt. Das Abgeordnetenhaus will sich am kommenden Montag mit dem Fall beschäftigen. Die Grünen nennen das Verhalten der Behörden skandalös, CDU und FDP unterstützen dagegen den Innensenator. "Bei sieben Straftaten hat Herr Ramadami sein Gastrecht missbraucht", sagte der FDP-Abgeordnete Alexander Ritzmann. Es müsse aber die Ausnahme bleiben, dass Familien auseinander gerissen würden. Kritisch bewertete Ritzmann allerdings die mangelnde Abstimmung zwischen der Unmik und der Berliner Ausländerbehörde. "So ein Hin und Her darf es nicht geben", sagte der FDP-Abgeordnete. Der CDU-Abgeordnete Frank Henkel sieht die Schuld dafür bei der UN-Kommission. "Sie hat ihre Kompetenzen eindeutig überschritten", sagte Henkel. Man könne Innensenator Körting und seiner Behörde in diesem Fall keinen Vorwurf machen.------------------------------Flucht nach Berlin // Der Krieg in Bosnien hatte im Jahr 1992 begonnen und eine Flüchtlingswelle ausgelöst. Die Bundesrepublik nahm bis Ende 1995 etwa 350 000 der insgesamt 1,2 Millionen Flüchtlinge auf. Nach Berlin kamen rund 30 000 bosnische Flüchtlinge. Im Herbst 1996 begann die Rückführung nach Ex-Jugoslawien. Derzeit leben noch rund 2 000 der ehemaligen Flüchtlinge in der Stadt.Ein Teil der Bosnier hat eine Aufenthaltsberechtigung erhalten. Vor allem diejenigen, die als traumatisiert gelten. Sie müssen nicht mehr mit einer Abschiebung rechnen. Wer allerdings mit seinem Asylverfahren vor den Behörden und Gerichten scheitert, den schiebt die Ausländerbehörde in seine Heimat ab.In diesem Jahr sorgten schon einige Abschiebungen in Berlin für Aufsehen. So holte die Polizei die 13-jährige Tanja Ristic aus der Schule, um sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Ex-Jugoslawien abzuschieben. Der Vater und eine weitere 16-jährige Tochter waren bereits nach Sarajevo ausgeflogen worden. Nach den Protesten der Mitschüler und des Flüchtlingsrates entschied die Senatsinnenverwaltung dann aber, dass Tanja Ristic und ihre erkrankte Mutter so lange in Berlin bleiben dürfen, bis über ihren Asylantrag abschließend entschieden ist. Im August wurde der kranke Murat Zigovic abgeschoben. Der Flüchtlingsrat protestierte gegen die Ausweisung, weil der 39-Jährige nicht in der Lage sei, in Belgrad die notwendigen Medikamente zu bezahlen. Der Asylantrag von Zigovic war zuvor endgültig abgelehnt worden. In Berlin lebten noch seine ebenfalls kranke Ehefrau und drei Kinder im Alter von fünf, elf und zwölf Jahren. Diese wollten dann ebenfalls nach Belgrad ausreisen.------------------------------"Ich kann es noch gar nicht glauben. Es ist unfassbar. Ich bin sehr froh." Imrane Derguti, Tochter von Ramadami------------------------------Foto: Manche Bosnier verbringen Monate im Abschiebegewahrsam, bevor sie in ihre Heimat zurückkehren müssen.
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