Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson hat am Montag ein System vorgestellt, das Drohnen mithilfe bestehender Mobilfunknetze erkennen und orten soll. Die Technik soll auch Fluggeräte erfassen, die selbst keine Funksignale aussenden oder mit einem Netz verbunden sind. Erste kommerzielle Pilotprojekte sind für 2027 geplant, größere Einsätze ab 2028.
Das ISAC-System soll Mobilfunkanlagen neben der Datenübertragung auch zur Erkennung von Flugobjekten nutzen. Nach Angaben des Unternehmens soll es vor allem Sicherheitsbehörden, Streitkräften und Betreibern wichtiger Infrastruktur helfen, niedrig fliegende Drohnen aufzuspüren. Ericsson stellte das System in einer am Montag über OTS verbreiteten Mitteilung vor.
Mobilfunkmasten erfassen reflektierte Signale
Die Technik wertet aus, wie Funksignale von Flugobjekten reflektiert werden. Mehrere voneinander entfernte 5G-Mobilfunkanlagen senden und empfangen Signale. Aus den Messdaten ermittelt das System die Position und Bewegungsrichtung der erfassten Objekte. Mithilfe von KI soll das System Drohnen erkennen und von anderen Objekten unterscheiden.
Dafür nutzt Ericsson unter anderem bestehende Mobilfunkmasten, Funkfrequenzen und Übertragungsverbindungen. Die Messdaten werden mit zusätzlicher Computertechnik und spezieller Software ausgewertet. Die Ergebnisse können an Leitstellen und andere Überwachungssysteme weitergegeben werden.
Ericsson will damit Radar, Kameras und andere Sensoren ergänzen, nicht ersetzen. Als mögliche Einsatzorte nennt das Unternehmen Flughäfen, Häfen, Kraftwerke, Grenzgebiete und militärische Einrichtungen.
Drohnen bei Tests über Kilometer hinweg erfasst
Nach Angaben von Ericsson wurden bei Tests kleine Drohnen aus mehreren Kilometern Entfernung erkannt und ihre Position im Raum bestimmt. Ericsson nennt in seiner Mitteilung keine Zahlen dazu, wie zuverlässig das System Drohnen erkennt. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Leistung unter anderem von Gelände, Umgebung, Flugverhalten und Anordnung der Mobilfunkanlagen abhängt.
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Bei einer gemeinsamen Vorführung mit dem US-Mobilfunkunternehmen AT&T in Arlington im Bundesstaat Texas wurden mehrere Drohnen erfasst und während ihres Fluges verfolgt. Ericsson testete die Technik außerdem mit dem finnischen Netzbetreiber Erillisverkot im Hafen von Helsinki.
In Polen demonstrierte Ericsson zusammen mit dem Telekommunikationsunternehmen Play und dem IT-Unternehmen Asseco eine Kombination aus Mobilfunktechnik und akustischer Drohnenerkennung. Das Fachportal Telecoms.com berichtete im Oktober über die Vorführung in Krakau.
Breiterer Einsatz ab 2028 geplant
Bei den ersten kommerziellen Pilotprojekten sollen nach Ericssons Angaben zunächst nur Objekte erkannt und geortet werden. Ab 2028 sind größere Einsätze vorgesehen. Mit der Weiterentwicklung zum Mobilfunkstandard 6G sollen später zusätzliche Kommunikationsfunktionen folgen. Wie zuverlässig das System große Gebiete überwachen kann, ist im regulären Betrieb noch nicht nachgewiesen.
Ericsson wurde 1876 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Stockholm. Der Konzern liefert Mobilfunktechnik, Software und Dienstleistungen für Telekommunikationsnetze. Laut Geschäftsbericht erzielte der Konzern 2025 einen Umsatz von rund 237 Milliarden schwedischen Kronen (umgerechnet etwa 21,4 Milliarden Euro) und beschäftigte zum Jahresende weltweit knapp 89.000 Menschen. Seine Aktien werden in Stockholm und New York gehandelt.
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