Der Kampf der Senatsgiganten ist vorerst entschieden. Bildungssenator Klaus Böger (SPD) darf zum neuen Schuljahr nach Informationen der Berliner Zeitung doch bis zu 100 Lehrerstellen mehr besetzen als bisher vereinbart. Damit setzt er sich gegen seinen Senatskollegen und Parteifreund, Finanzsenator Thilo Sarrazin, durch, der zusätzliche Neueinstellungen zum August strikt abgelehnt hatte. Doch Böger verstand es offenbar, den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) letztlich für sich zu gewinnen. Statt der ursprünglich vereinbarten 337 Vollzeitstellen (auf denen mit Teilzeitmodellen 464 Personen beschäftigt werden sollten) darf Böger nun bis zu 437 Stellen besetzen - und damit insgesamt rund 600 neue Lehrerinnen und Lehrer.Der Bildungssenator - dem nach der Berlin-Wahl wenig Chancen auf einen erneuten Senatorposten eingeräumt werden - hatte intern vor einem "Chaos" zum Schulanfang gewarnt, wenn nicht gerade an den Grundschulen noch einmal Lehrkräfte dazu kämen. Alle Grundschulen müssen jetzt den jahrgangsübergreifenden Unterricht für die Jüngsten einrichten, was gerade in der Umstellungsphase viele Kräfte bindet. Böger darf nun schon zum August 2006 Stellen besetzen, die erst bis Anfang 2007 durch Pensionierungen wegfallen. Wie viele Lehrer exakt hinzu kommen, werde "zum Schluss" abgerechnet, erklärte seine Behörde auf Anfrage.Finanzsenator Sarrazin hatte zwar den zunächst geplanten 337 Stellen (das entspricht gut 15 Millionen Euro jährlichen Gehaltszahlungen) zugestimmt, aber auf Berlins ohnehin vorhandene relative Überausstattung bei Lehrkräften hingewiesen. Probleme wie Unterrichtsausfall und große Klassen könnten mit einer besseren Struktur gelöst werden, so der Finanzsenator, weil Berlin allzu viele Lehrer mit Sonder-Unterricht wie Teilungsstunden und Deutschförderung ineffektiv einsetze. Hinzu kommen die immer weiter sinkenden Schülerzahlen. Nach einer aktuellen Prognos-Studie verliert die Hauptstadt bis 2020 rund 76 000 Schüler. Würden die Lehrerstellen entsprechend reduziert, könnte Berlin so inflationsbereinigt bis dahin 519 Millionen Euro an Personalkosten sparen.
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