Überdacht, eingezäunt, kameraüberwacht, und am Ende kommt der Wagen sogar frisch gewaschen zurück: Für 650 Euro im Jahr klang das nach einem guten Geschäft. Drei Jahre lang zahlte ein niederländisches Paar diesen Preis, jedes Mal, wenn es von einem spanischen Flughafen zu seinem Ferienhaus flog.
Dann legte der Ehemann einen AirTag ins Auto. Nicht aus Misstrauen gegenüber der Parkfirma – einem Freund war gerade der Wagen gestohlen worden.
AirTag zeigt: Das Auto stand in einer Wohnstraße
Zurück in den Niederlanden warf der Mann aus Neugier einen Blick auf die Ortung. Der Punkt lag rund einen Kilometer vom Flughafen entfernt, mitten in einem Wohngebiet. Auf Google Maps war dort keine Parkgarage zu sehen, nur eine Straße mit Häusern.
Beim nächsten Spanien-Besuch kündigte das Paar seine Ankunft nicht an, sondern stieg direkt in ein Taxi und nannte dem Fahrer die Adresse aus der App. Dort stand der Wagen: nicht hinter einem Zaun, sondern zwischen den Autos der Anwohner.
Aufgeschrieben hat den Fall die niederländische Zeitung Metro in einer Rubrik, in der Leserinnen und Leser von Betrugserfahrungen berichten.
Delle in der Tür – der Parkservice wusste angeblich von nichts
Dazu kam eine tiefe Delle in einer der Türen. Der Anbieter gab sich zunächst ahnungslos und erklärte dann, die Garage sei ausnahmsweise voll gewesen. Überzeugt hat das die Kundin nicht.
„Ich fühlte mich betrogen“, sagt die 42-Jährige dem Blatt. Rund 1950 Euro in drei Jahren – für einen Stellplatz, den sie sich nach eigener Aussage genauso gut gratis hätte suchen können. Für den Schaden an der Tür kam am Ende ebenfalls niemand auf außer ihr selbst.
Valet-Parken in Deutschland: dieselbe Masche
Am Flughafen Düsseldorf stellten unseriöse Valet-Anbieter Fahrzeuge häufig nicht in den beworbenen Parkhäusern ab, sondern in den Wohngebieten ringsum, warnt der Vergleichsdienst Easy Airport Parking. Manche Kunden bekämen nach dem Urlaub noch ein Knöllchen nach Hause geschickt.
Ein Familienvater aus Paderborn übergab seinen Wagen für zwei Wochen einem Valet-Dienst am Flughafen Frankfurt. Nach der Rückkehr standen rund 3900 zusätzliche Kilometer auf dem Tacho. Er selbst war in Costa Rica gewesen.
Auch am BER werben mehrere Firmen mit Valet-Parken, die Stellflächen liegen meist in Schönefeld und Waltersdorf. Bis zum Beginn der Berliner Herbstferien am 19. Oktober bleibt genug Zeit, sich die gebuchte Adresse vorher anzusehen.
Haftung beim Parkservice: Mietvertrag oder Verwahrung?
Im Schadensfall hängt alles an einer Frage: Was wurde eigentlich vereinbart?
Viele Betreiber schreiben in ihre AGB, es komme ausdrücklich kein Bewachungs- oder Verwahrvertrag zustande, sondern nur ein Mietvertrag über die Fläche. Für Schäden durch Dritte haften sie dann nicht, versichert sind die Autos über den Betreiber ebenfalls nicht.
Anders liegt der Fall, wenn der Schlüssel übergeben wird und Mitarbeiter den Wagen selbst bewegen. Das Oberlandesgericht Köln sprach einer Frau rund 6000 Euro zu, deren Auto ein Hotelmitarbeiter beim Parken beschädigt hatte (Az. 22 U 134/17). Wer sein Fahrzeug in fremde Obhut gibt, darf auf sorgfältigen Umgang vertrauen. Auf das Urteil hat die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins hingewiesen, Fachanwälte ziehen dieselbe Linie beim Valet-Parken am Flughafen.
Fünf Dinge, bevor Sie den Autoschlüssel abgeben
- Die Adresse des Parkplatzes bei Google Maps und in der Satellitenansicht ansehen. Eine schicke Website ist noch kein Zaun.
- Bewertungen auf mehreren unabhängigen Portalen lesen, nicht nur die auf der Anbieterseite.
- Das Auto vor der Übergabe rundum fotografieren, inklusive Tachostand und mit sichtbarem Datum.
- In die AGB schauen: Verwahrvertrag oder reine Miete? Und welche Versicherungssumme ist genannt?
- Einen Tracker ins Handschuhfach legen. Er kostet einmalig etwa 35 Euro und beantwortet die Frage, die sonst niemand beantwortet.
Und wenn sich der Verdacht bestätigt: Anzeige erstatten, Bank oder Kreditkartenanbieter einschalten. Das führt öfter zum Ziel, als Betroffene erwarten.
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