Landesunternehmen

691.000 Euro im Jahr für einen Chef: So viel verdienen die Spitzen von Berlins Landesfirmen

Stromausfall Lichterfelde, Klärwerk Waßmannsdorf, Howoge-Mängel: Was die Chefs von vier Berliner Landesunternehmen verdienen – und wofür.

12 Min
Glanz auf der Bühne, hohe Vergütung in der Chefetage: Der Friedrichstadt-Palast ist eines von vier Berliner Landesunternehmen, bei denen wir Bezahlung, Kontrolle und Verantwortung geprüft haben.

Glanz auf der Bühne, hohe Vergütung in der Chefetage: Der Friedrichstadt-Palast ist eines von vier Berliner Landesunternehmen, bei denen wir Bezahlung, Kontrolle und Verantwortung geprüft haben.

© imago stock&people, via www.imago-images.de

Am 3. Januar 2026 brennt es an einer Kabelbrücke über dem Teltowkanal in Lichterfelde. Danach sind rund 45.000 Haushalte ohne Strom, 2000 Gewerbebetriebe, fünf Krankenhäuser, 74 Pflegeeinrichtungen, 43 Kitas und 21 Schulen. Vollständig versorgt ist der Südwesten erst am 7. Januar wieder.

Für das Feuer sind die Täter verantwortlich, das ist keine offene Frage. Offen ist eine andere: Warum lief der Strom für einen halben Bezirk noch über eine Stelle, die der Netzbetreiber selbst seit Jahren als besonders verwundbar kannte?

Berlins Landesgesellschaften sollen wie Unternehmen arbeiten: professionell geführt, von Aufsichtsräten kontrolliert, marktnah vergütet. Erfolg wird honoriert, Misserfolg hat Folgen. Wir haben diesen Gedanken bei vier Unternehmen geprüft und alle vier um Antworten gebeten. Es geht dabei nicht um nachgewiesenes Fehlverhalten, sondern um Verantwortung, Kontrolle und Transparenz.

Stromnetz Berlin: vier Jahre, eine von zwei Leitungen

Dr. Erik Landeck hat die verwundbare Stelle im Wirtschaftsausschuss selbst so benannt: ein „neuralgischer Punkt“.

Landeck führt die Geschäftsführung und ist für Technik zuständig. Georedundanz – Leitungen räumlich trennen, damit ein einzelner Schaden nicht alles mitnimmt – berücksichtigt sein Unternehmen nach eigenen Angaben seit etwa 2018. Das Projekt in Lichterfelde läuft seit 2022. Eine der beiden Leitungen kam Ende 2024 von der Brücke, die zweite sollte folgen.

Erik Landeck, Vorsitzender der Geschäftsführung von Stromnetz Berlin: Nach dem Stromausfall in Lichterfelde steht auch die Frage nach Verantwortung, Vorsorge und Kontrolle im Fokus.

Erik Landeck, Vorsitzender der Geschäftsführung von Stromnetz Berlin: Nach dem Stromausfall in Lichterfelde steht auch die Frage nach Verantwortung, Vorsorge und Kontrolle im Fokus.

© Emmanuele Contini

Das Unternehmen widerspricht der Zuspitzung. Teile des Entflechtungsprojekts seien beim Anschlag bereits abgeschlossen gewesen und hätten dafür gesorgt, „dass er weniger Menschen betroffen hat, als es vor dem Entflechtungsprojekt gewesen wäre“, teilt Sprecher Henrik Beuster der Berliner Zeitung mit. Ein solcher Umbau im innerstädtischen Hochspannungsnetz sei „sehr komplex“ und dauere „regulär viele Jahre“. Fertig sein soll Lichterfelde 2027.

Bleibt der Befund: Vier Jahre nach Projektstart trug eine bekannte Schwachstelle noch die Hälfte der Last. Auf einen geerbten Zustand kann sich Landeck kaum berufen. Er gehört der Geschäftsführung seit 2008 an, seit Juni 2023 führt er sie; zuvor arbeitete er bei Bewag und Vattenfall. Er ist der Fachmann für die Resilienz des Netzes.

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2025 erhielt Landeck 396.830 Euro: 264.000 Euro Festvergütung, 66.000 Euro variable Vergütung, dazu Mobilitäts- und Vorsorgeleistungen.

Interessant sind die 66.000 Euro. Sie beziehen sich auf die Zielvereinbarung für 2024. Deren Inhalt sei vertraulich. Landeck erklärt dennoch: „Gegenstand der Zielvereinbarung für das Jahr 2024 waren unter anderem die Erreichung der geplanten Investitionssumme und des EBIT gemäß Wirtschaftsplan. EBIT bedeutet „Earnings Before Interest and Taxes“, auf Deutsch „Ergebnis vor Zinsen und Steuern“.

Die geplanten Investitionen umfassten im Jahr 2024 eben auch die Entflechtungsmaßnahmen in Lichterfelde. Öffentlich benannt werden die geplante Investitionssumme und das EBIT. Nicht nachvollziehbar ist, ob auch der konkrete Fortschritt bei der Entflechtung in die variable Vergütung einging.

Der Januar-Anschlag war nicht der erste. Schon am 9. September 2025 hatte ein Brandanschlag in Johannisthal einen mehrtägigen Stromausfall verursacht. Am 27. November 2025 verlängerte der Aufsichtsrat Landecks Bestellung. Fünf Wochen später brannte es in Lichterfelde.

Johannisthal sei „ausführlich vorgestellt und erörtert“ worden, der Stand aller Investitionsprojekte regelmäßiger Berichtspunkt, teilt das Unternehmen mit. Die Unterlagen seien vertraulich. Das Gremium wusste also, dass Berlins Netz angegriffen wird.

Der Aufsichtsratschef und die Start-up-Gründerin

Vorsitzender des 16-köpfigen Gremiums ist seit Juni 2024 Dr. Severin Fischer, SPD-Staatssekretär für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Sein Haus verantwortet Energiepolitik und Landesunternehmen zugleich. Ein zweites Mitglied ist Dr. Arwen Colell, Mitgründerin des Energie-Start-ups decarbon1ze. Im Juli 2025 stellte Stromnetz Berlin mit dem Start-up ein Modell zur gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung vor.

Zwischen beiden bestehe ein Netznutzungsvertrag, den Stromnetz Berlin „verpflichtet ist, mit jedem Netznutzer abzuschließen“ – decarbon1ze zahle ein reguliertes Entgelt. „Es bestehen keine Verträge, wonach Entgelte von Stromnetz Berlin an decarbon1ze zu zahlen sind.“ Colells Doppelrolle ist im Geschäftsbericht ausgewiesen, entsandt hat sie das Land. Zahlungen von Stromnetz an decarbon1ze gibt es nach Unternehmensangaben nicht.

Nach den Anschlägen ging es schnell: Mehr als 70 Umspannwerke sind mit 2,40 Meter hohen Zäunen und Kameras gesichert. Bis 2030 investiert das Unternehmen 3,7 Milliarden Euro ins Netz, davon 200 Millionen für technischen Schutz.

Wasserbetriebe: Die unangenehmen Sätze stehen im eigenen Bericht

Bei den Berliner Wasserbetrieben (BWB) muss man die Probleme nicht lange suchen. Sie stehen im Bericht des Aufsichtsrats im Geschäftsbericht 2025. Zu der im Bau befindlichen Klärschlammverwertungsanlage in Waßmannsdorf heißt es dort, man habe sich angesichts der „Kosten- und Terminentwicklung“ regelmäßig mit dem Projekt befasst. 2022 hatte das Unternehmen rund 260 Millionen Euro Baukosten und eine Inbetriebnahme 2025 genannt, im März 2025 dann 2026.

BWB-Sprecher Stephan Natz nennt „übliche Planungsfortschreibungen und Nachträge“ sowie höhere Baunebenkosten durch längere Bauzeit. „Unstrittig ist bisher eine Kostensteigerung in der Größenordnung von rund 10 Prozent.“ Inbetriebnahme: 2027. Das bedeutet gut 25 Millionen Euro mehr und zwei Jahre Verzögerung.

Frank Bruckmann, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe: Seit 2001 gehört er dem Vorstand an. Unter seiner Verantwortung stehen unter anderem Großprojekte mit Kostensteigerungen und Verzögerungen.

Frank Bruckmann, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe: Seit 2001 gehört er dem Vorstand an. Unter seiner Verantwortung stehen unter anderem Großprojekte mit Kostensteigerungen und Verzögerungen.

© Jörg Carstensen

Der Aufsichtsrat befasste sich außerdem mit der „Neuplanung“ der Einführung von SAP S/4HANA und der „Festlegung des Gesamtbudgets“. Geplant war eine technische Migration, jetzt eine Transformation in den aktuellen SAP-Standard: „Wir kaufen jetzt also ein anderes Produkt.“ Der Projektaufwand sei gestiegen; Budgets nennt das Unternehmen wegen laufender Ausschreibungen nicht. Die Größenordnung ist unbekannt.

Verantwortlich ist vor allem einer: Frank Bruckmann sitzt seit Januar 2001 im Vorstand, seit Dezember 2025 führt er ihn. 2025 erhielt Bruckmann 410.205 Euro, darin 127.400 Euro variable Vergütung. Welche Ziele dahinterstehen, sagt das Unternehmen nicht. Zielvereinbarungen seien „ein zentrales Instrument“, individuelle Ziele und Zielerreichung aber vertraulich.

Franziska Giffey (SPD), Berliner Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, ist Vorsitzende des Aufsichtsrats bei den Wasserbetrieben.

Franziska Giffey (SPD), Berliner Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, ist Vorsitzende des Aufsichtsrats bei den Wasserbetrieben.

© Britta Pedersen/dpa

Die Behörde, die genehmigt, sitzt mit am Tisch

Vorsitzende des Aufsichtsrats ist SPD-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey. Zu den Anteilseignervertretern gehört Andreas Kraus, seit September 2025 Staatssekretär für Klimaschutz und Umwelt. In seiner Senatsverwaltung sitzt die Wasserbehörde, die Genehmigungsbehörde für Klärwerke.

Die Wasserbetriebe sehen darin den Willen des Gesetzgebers. Die Vertretung der zuständigen Senatsverwaltung im Aufsichtsrat sei im Berliner Betriebe-Gesetz „genau so vorgesehen“ und begründe keine Befangenheit. Genehmigungen seien „nie Teil der Entscheidungsbefugnis des Aufsichtsrats“. Waßmannsdorf liegt zudem in Brandenburg. Das entkräftet den Verdacht für dieses Projekt. Die strukturelle Frage bleibt: Ein Staatssekretär sitzt im Aufsichtsrat und führt zugleich politisch das Haus, dessen Behörde dasselbe Unternehmen kontrolliert.

Elisabeth Lepique, Partnerin der Kanzlei Luther, sitzt ebenfalls im Aufsichtsrat. Luther beriet das Land bei der Rekommunalisierung der Wasserbetriebe für rund 1,2 Milliarden Euro. Seit Lepiques Berufung am 6. Mai 2025 sei die Kanzlei nicht mandatiert worden.

Howoge: vier Jahre nach der Rekommunalisierung

Bei der Howoge geht es nicht um Milliardenprojekte, sondern um Aufzüge, Fenster und Duschen. Mehr als 600 Bewohner der High-Deck-Siedlung in Neukölln haben 2026 einen Beschwerdebrief unterzeichnet: Wasserschäden, Schimmel, undichte Fenster, Ratten. Behördlich dokumentiert ist: Zwischen der Übernahme 2021 und Anfang November 2023 gingen bei der Neuköllner Wohnungsaufsicht 20 Mängelmeldungen ein, unter anderem zu Wasserschäden, Fenstern, Aufzügen und Fassaden.

Wieviele davon erledigt sind und wieviel Geld seit der Übernahme in die Bestände floss, beziffert die Howoge nicht. Mängel würden „objektbezogen bewertet, priorisiert“ und je nach Art laufend oder im Zuge umfassender Sanierungen bearbeitet, teilt Sprecherin Sabine Pentrop mit. Die ersten Sanierungsmaßnahmen seien im Frühsommer 2026 im Michael-Bohnen-Ring 12 bis 16 gestartet worden.

2025 kam Legionellenbefall hinzu. Die Howoge präzisiert nun den Ablauf: Im März 2025 sei der Befall in einem Haus in der Leo-Slezak-Straße festgestellt worden, zunächst in einem Strang mit 13 Wohnungen. Das Gesundheitsamt habe vorsorglich ein Duschverbot verhängt und dieses auf den gesamten Heiz- und Warmwasserkreis ausgeweitet. Dadurch sei zeitweise eine größere Zahl von Wohnungen betroffen gewesen.

Als Ausgangspunkt sei eine Wohnung identifiziert worden, deren Mieterin mehrere Wochen im Ausland gewesen sei. Durch die Nichtnutzung sei es zu einer Stagnation des Wassers gekommen. Als mögliche begünstigende Ursache seien zudem verbaute Rohrbelüfter festgestellt worden. Die Bewohner seien informiert worden. „Zur schnellen Aufhebung der Nutzungseinschränkung wurden spezielle Duschköpfe mit Legionellenfiltern verteilt“, erklärt die Howoge. Nach deren Einbau habe wieder geduscht werden können. Parallel sei eine Fachfirma beauftragt und der Rückbau der Rohrbelüfter vorbereitet worden.

Der Satz „Die Howoge ließ ihre Häuser verkommen“ wäre trotzdem falsch. Ein erheblicher Teil des Bestands wurde erst 2021 und 2022 von Vonovia und Deutsche Wohnen übernommen. Dem Ankauf habe „eine technische Due Diligence“ zugrunde gelegen, erklärt das Unternehmen. Dabei seien Dokumente geprüft und Gebäude exemplarisch untersucht worden.

Warum bestanden Jahre später noch erhebliche Mängel? Die Howoge nennt den „erheblichen Sanierungsbedarf aus der Voreigentümerzeit“, Denkmalschutz, Behördenabstimmungen und die technische Infrastruktur.

„In der Regel dauert bei einer solchen Maßnahme die Planungszeit sechs bis sieben Jahre“, teilt das Unternehmen mit. Man habe unmittelbar nach der Übernahme mit dem Prozess begonnen und könne „nun nach vier Jahren die umfassende Sanierungsmaßnahme beginnen“. Damit bestätigt die Howoge zugleich, dass die umfassende Sanierung erst 2026 begonnen hat.

Zum Beschwerdebrief nimmt das Unternehmen nicht inhaltlich Stellung. Ein Schreiben sei der Howoge „bislang weder offiziell zugestellt“ worden, noch liege es datiert und unterzeichnet vor. Man stehe aber im Austausch mit dem Mieterbeirat.

Dr. Jürgen Allerkamp, seit Juni 2025 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Howoge: Das Kontrollgremium begleitet unter anderem die Sanierung und Entwicklung großer Wohnungsbestände.

Dr. Jürgen Allerkamp, seit Juni 2025 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Howoge: Das Kontrollgremium begleitet unter anderem die Sanierung und Entwicklung großer Wohnungsbestände.

© imago stock&people

Die Verantwortung für die Jahre nach dem Ankauf richtet sich auch an einen Namen, der auf der Howoge-Website nicht mehr steht. Ulrich Schiller war von April 2019 bis Ende März 2026 Geschäftsführer. 2025 erhielt er 360.000 Euro, darin 80.000 Euro erfolgsabhängige Vergütung. Er hat das Unternehmen freiwillig verlassen. Welche Ziele dem Bonus zugrunde lagen, bleibt vertraulich. Die Howoge beruft sich auf „vertragliche Vertraulichkeit und den gesetzlichen Datenschutz“. Die Zielerreichung stelle allein der Aufsichtsrat auf Basis des Prüfberichts des Abschlussprüfers fest. Aktuelle Personalien: Jörg Kotzenbauer ist seit November 2025 im Amt, Inga Stein-Barthelmes seit April 2026, Aufsichtsratschef Dr. Jürgen Allerkamp seit Juni 2025.

Apleona im Aufsichtsrat und als Dienstleister

Interessant ist auch der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats. Ihn führt Anette Weller. Sie war Vorständin der Gegenbauer Holding und ist heute Sonderbeauftragte der Apleona GmbH. In den Howoge-Beständen ist der Unternehmensverbund zugleich Dienstleister.

Die Howoge bestätigt konkrete Vertragsbeziehungen: Mit Gesellschaften aus dem Apleona-Verbund bestehen Verträge über Sicherheitsdienste seit 2021 sowie über Pflege- und Unterhaltungsleistungen seit 2017 beziehungsweise 2021. Der Sicherheitsvertrag sei bei einem Wohnungsankauf übernommen worden. Die übrigen Verträge seien „nach den Vorgaben des Berliner Vergaberechts europaweit ausgeschrieben“ worden. Ein Vertragsvolumen nennt die Howoge nicht. Weller habe ihren beruflichen Werdegang vor ihrer Wahl am 12. Mai 2025 offengelegt. Der Prüfungsausschuss befasse sich nicht mit operativen Fragen des Facility Managements oder einzelnen Vergaben.

Entscheidend ist die Antwort auf die Frage nach ihrem Einfluss: Weil Weller bei Apleona „keine operative Tätigkeit mehr ausübt“, habe sie „weder dort noch bei der Howoge Berührungspunkte mit oder Einfluss auf operative Vergabeprozesse von Facility-Management-Leistungen“. Eine direkte Mitwirkung Wellers an solchen Vergaben schließt die Howoge damit aus. Die geschäftliche Verbindung zum Apleona-Verbund besteht dennoch.

Berndt Schmidt, Intendant und Geschäftsführer des Friedrichstadt-Palasts: Seit 2007 führt er das Haus, das mit hoher Auslastung und starken Besucherzahlen wirtschaftlich erfolgreich arbeitet.

Berndt Schmidt, Intendant und Geschäftsführer des Friedrichstadt-Palasts: Seit 2007 führt er das Haus, das mit hoher Auslastung und starken Besucherzahlen wirtschaftlich erfolgreich arbeitet.

© Britta Pedersen

Friedrichstadt-Palast: der Fall, der alles umdreht

Und dann ist da Dr. Berndt Schmidt. Seine Vergütung ist die spektakulärste Zahl dieses Vergleichs: 691.000 Euro im Jahr 2025, aus zwei Verträgen – 304.000 Euro als Geschäftsführer, 387.000 Euro aus einem Produzentenvertrag. Er verdient deutlich mehr als Landeck, Bruckmann und Schiller und ist seit November 2007 im Amt.

Nur sehen die Kennzahlen anders aus: 36,4 Millionen Euro Umsatzerlöse 2025, ein Jahresüberschuss von rund 534.000 Euro, etwa 511.000 Besucher. „Blinded by Delight“ zählte im Sommer 2026 mehr als 447.000 zahlende Gäste bei über 95 Prozent Auslastung. Am 14. August 2026 wurde Schmidts Vertrag bis 2034 verlängert. Für Grand Shows und Young Shows bestehen gesonderte Produzentenverträge vom 22. Februar 2023 bis 31. Juli 2029. Die Produzententätigkeit sei „eine eigenständige Funktion“, die Trennung im Theaterbetrieb „eine eher übliche Praxis“. Die Produzentenvergütung enthält „eine umsatzabhängige Komponente auf Basis der Ticketumsätze“; Bemessungsgrundlage und Konditionen bleiben unveröffentlicht.

Eine wichtige Fußnote: 16,6 Millionen Euro Betriebszuschüsse des Landes flossen 2025. Aufsichtsratschef ist Alexander Steinhilber, Leiter der Kulturabteilung. Der Fall dreht die Perspektive. Hohe Bezahlung ist nicht automatisch das Problem. Hier stehen dem Geld öffentlich sichtbare Ergebnisse gegenüber.

Wofür wird bezahlt?

Bei allen vier Häusern stehen Vergütungen und variable Bestandteile in Geschäftsberichten. Was genau honoriert wird, bleibt dagegen oft vertraulich: Landecks 66.000 Euro, Bruckmanns 127.400 Euro, Schillers 80.000 Euro. Der Palast nennt die Struktur seiner Ziele, nicht deren Inhalt. Die Wasserbetriebe nennen nur den Zweck des Instruments. Stromnetz Berlin geht am weitesten und nennt zwei Größen: geplante Investitionssumme und geplantes EBIT. Damit lässt sich öffentlich nur begrenzt prüfen, ob variable Vergütung auch an jene Ergebnisse gekoppelt ist, die für Bürger unmittelbar zählen: eine beseitigte Schwachstelle, ein fertiges Klärwerk, eine sanierte Wohnung.

Hohe Gehälter sind nicht das Problem. Entscheidend ist: Welche Leistung wird erwartet, wie wird sie gemessen und was passiert, wenn zentrale Projekte sich verzögern?

Welche geschäftlichen Überschneidungen gibt es?

Auch bei den Kontrollgremien lautet die Frage nicht, ob in Berlin jemand jemanden kennt. Sie lautet: Welche geschäftlichen oder institutionellen Überschneidungen gibt es? Wie werden sie offengelegt? Und wie wird mit möglichen Interessenkonflikten umgegangen?

Mehrere Verdachtsmomente lassen sich nach den Antworten der Unternehmen eingrenzen. Bei decarbon1ze fließt nach Angaben von Stromnetz Berlin kein Entgelt des Netzbetreibers an das Unternehmen. Luther ist nach Angaben der Wasserbetriebe seit Lepiques Berufung nicht mandatiert. Weller habe nach Angaben der Howoge keinen Einfluss auf operative Vergaben.

Gerade deshalb muss zwischen belegtem Problem und bloßer Nähe getrennt werden. Dafür, dass jemand gegen Regeln verstoßen hat, gibt es in diesen vier Fällen keinen Beleg. Die entscheidende Frage lautet, ob Geschäftsführung, Zielvereinbarung und Aufsichtsrat so transparent sind, dass die Öffentlichkeit erkennen kann, wann Führung erfolgreich war und wann nicht.

Berlin streitet vor dem 20. September über Handlungsfähigkeit. Die Landesunternehmen sollen wie Unternehmen funktionieren. Dort gilt: Erfolg wird honoriert, Misserfolg hat Folgen. Die erste Hälfte dieses Satzes lässt sich in Berlin gut belegen. Bei der zweiten wird es deutlich schwieriger.

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