Ob junge Menschen mit ihrer Ausbildung zufrieden sind oder nicht, liegt nach Angaben des neuen Ausbildungsreports der DGB-Jugend vor allem an einem K.o.-Kriterium: ob nämlich eine verlässliche Ansprechperson im Betrieb vorhanden ist oder nicht.
Sind Ausbilder nach Angaben der mehr als 13.000 befragten Auszubildenden immer erreichbar, fühlen sich gerade einmal 8,5 Prozent der Azubis stark psychisch belastet. Sind sie selten oder nie erreichbar, steigt dieser Anteil auf 36 Prozent.
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Psychisch belastete Azubis denken häufiger über einen Abbruch nach
Der DGB-Ausbildungsreport 2026 kommt zu einem Zeitpunkt, an dem auch neue Untersuchungen der Bertelsmann-Stiftung die mentale Gesundheit von Auszubildenden in den Mittelpunkt rücken und an Betriebe appellieren, die mentale Gesundheit ihrer Auszubildenden ernst zu nehmen.
In der Anfang September veröffentlichten gemeinsamen Studie mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) berichten knapp 20 Prozent der befragten Auszubildenden, dass sie sich durch ihre Ausbildung häufig oder fast immer emotional belastet fühlen. Rund 15 Prozent weisen demnach ein schlechtes Wohlbefinden auf.
Besorgniserregend ist der Zusammenhang mit einem möglichen Abbruch der Ausbildung: „Fast drei Viertel (74 Prozent) der Auszubildenden mit stark eingeschränktem Wohlbefinden denken ernsthaft darüber nach, ihre Ausbildung abzubrechen“, heißt es. Bei jungen Menschen mit stabilem Wohlbefinden sind es lediglich zwölf Prozent.
Auch Ausbildungsinhalte überfordern manche Azubis
„Die mentale Gesundheit der Auszubildenden ist eine wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche Ausbildung“, sagt Fabian Schaffer, Mitautor der Studie. „Es liegt daher im ureigenen Interesse der Unternehmen, psychische Belastungen ernst zu nehmen und entsprechende Unterstützung zu organisieren“, so der Experte für berufliche Bildung.
Jugendliche, die eine Ausbildung bereits abgebrochen haben oder darüber nachdachten, gaben laut einer weiteren Erhebung der Bertelsmann-Stiftung psychische Überlastung am häufigsten als Ursache an. Unter den Abbrechern nannten 17 Prozent Diskriminierung, Mobbing oder Gewalt als Ursache.
Ein Teil der Azubis fühlt sich von den Ausbildungsaufgaben überfordert. Doch auch Enttäuschungen hinsichtlich inhaltlicher und organisatorischer Aspekte der Ausbildung spielten unter den Abbruchgründen eine Rolle. Besonders bei Azubis mit niedrigerem Schulbildungsniveau zeigt sich eine Diskrepanz zwischen der vorherigen Vorstellung und der tatsächlichen Ausbildungsrealität.
Ohne Ausbildung steigt das Risiko, arbeitslos zu werden
Die Daten sind auch deshalb relevant, weil die Jugendarbeitslosigkeit in Ostdeutschland höher liegt als im Westen. Das Risiko, in die Arbeitslosigkeit zu rutschen, ist für jene höher, die keine Ausbildung abgeschlossen haben. Besonders deutlich zeigt sich das derzeit in Sachsen-Anhalt.
Nach Angaben des Landes lag die Jugendarbeitslosenquote im Mai 2026 bei 8,8 Prozent; rund 80 Prozent der arbeitslosen Jugendlichen verfügten über keinen anerkannten Berufsabschluss. Die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren ist dort innerhalb von zehn Jahren um mehr als zwölf Prozent gestiegen.
Die aktuellen Empfehlungen des DGB und der Bertelsmann-Stiftung gehen daher in eine ähnliche Richtung. Wer seine Auszubildenden halten will, sollte nicht erst aktiv werden, wenn es schon zu Fehlzeiten oder einem Abbruch gekommen ist.
Viele Betriebe bieten bereits Gesundheitsinformationen, Präventionsangebote, Stressmanagement oder interne Ansprechpersonen an. Entscheidend ist nicht allein, ob ein Unterstützungsangebot existiert. Auszubildende müssen wissen, an wen sie sich wenden können, und darauf vertrauen, dass ein offenes Gespräch keine Nachteile für sie hat.
Nur etwas mehr als ein Drittel der von Bertelsmann Befragten gab an, die jeweiligen Angebote im eigenen Betrieb zu kennen. Zudem geben 35 Prozent der Auszubildenden an, Belastungen aus Sorge vor möglichen Nachteilen nicht anzusprechen.
Laut DGB-Report fühlen sich 49,9 Prozent der Azubis durch ihre finanzielle Situation belastet. 65,3 Prozent sagen, von ihrer Ausbildungsvergütung weniger gut oder gar nicht selbstständig leben zu können. Die DGB-Jugend fordert deshalb eine höhere Mindestausbildungsvergütung. „Wer eine Ausbildung beginnt, braucht eine Vergütung, die zum Leben reicht“, sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger.
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