Jubiläum

75 Jahre Segelschulschiff „Greif“ – einstiges DDR-Prestigeobjekt „Wilhelm Pieck“ wird saniert

Vor 75 Jahren lief in Rostock-Warnemünde das einzige Hochseesegelschiff der DDR vom Stapel. Heute liegt der Zweimaster in Greifswald und wird seit Jahren aufwendig saniert.

OAZ
2 Min
Derzeit wird die „Greif“ in der Stralsunder Volkswerft grundlegend überholt.

Derzeit wird die „Greif“ in der Stralsunder Volkswerft grundlegend überholt.

© IMAGO

Am 26. Mai 1951 wurde auf der Warnow-Werft in Rostock-Warnemünde der erste Stahlschiffneubau der DDR getauft. Der Zweimaster erhielt den Namen „Wilhelm Pieck“ – nach dem damaligen DDR-Staatspräsidenten, dem das Schiff zum 75. Geburtstag geschenkt wurde. Finanziert wurde der Bau nach einem Aufruf an die Bevölkerung durch Spenden von mehr als einer Million DDR-Mark, initiiert von Werftarbeitern in Warnemünde und Stralsund. In Dienst gestellt wurde das Schiff am 2. August 1951.

Pieck übergab den Rahsegler offiziell der DDR-Jugend. Künftige Seeleute sollten dort ausgebildet werden, „durchdrungen vom Geiste des Friedens und der Völkerverständigung“, wie es in seiner Übergaberede hieß. 1954 ging das Schiff an die „Gesellschaft für Sport und Technik“ über und wechselte in seinen neuen Heimathafen Greifswald-Wieck. Hauptsächlich war es auf der Ostsee unterwegs und steuerte Häfen in Polen und der Sowjetunion an. Die längste Fahrt führte 1957 bis nach Odessa am Schwarzen Meer.

Nach 1990 wollte die Treuhandanstalt das Schiff verkaufen. Eine Bürgerinitiative unter dem Motto „Das Schiff bliwt hier“ erreichte, dass der Rahsegler für den symbolischen Preis von einer Mark an die Hansestadt Greifswald überging. Umbenannt in „Greif“, wurde der Zweimaster modernisiert und befuhr fortan auch Häfen in Dänemark und Schweden. Das Schiff ist als „bewegliches Kulturdenkmal“ in die Denkmalliste der Stadt eingetragen.

Millionenschwere Sanierung

Anfang 2020 stellte sich heraus, dass die Stahlplatten des Rumpfes durch Rost deutlich geschrumpft waren. Seit Oktober 2022 wird die „Greif“ in der Stralsunder Volkswerft grundlegend überholt. Im März 2026 verließ sie nach rund drei Jahren das Trockendock. Erneuert wurden unter anderem die Außenhaut, das Holzdeck, die Propellerwelle und das Ruderblatt. Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Bündnis 90/Die Grünen) bezeichnete das Schiff als Denkmal von nationaler Bedeutung; die Stadt will 7,7 Millionen Euro für den Erhalt aufbringen. Im Jahr 2027 soll die „Greif“ wieder unter Segeln stehen.

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