Verkehr

Berlins U-Bahn-Netz soll endlich wieder wachsen

Die BVG hält einen Ausbau für sinnvoll. Der Senat will entscheiden, ob und wo es neue Tunnelstrecken gibt. Ein weiteres Projekt wird diskutiert.

4 Min
Unter der Rathausstraße in Mitte erstreckt sich der Tunnel der U5. Viele unterirdische Anlagen müssten erneuert werden.

Unter der Rathausstraße in Mitte erstreckt sich der Tunnel der U5. Viele unterirdische Anlagen müssten erneuert werden.

© Imago Images

Grafik: BLZ/Hecher/Galanty

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Braucht Berlin weitere U-Bahn-Strecken? Oder sollten sich die Planer lieber darauf konzentrieren, bestehende Tunnelanlagen zu sanieren und ansonsten das Straßenbahnnetz zu erweitern? Darüber ist sich die rot-rot-grüne Koalition uneinig.

Aus gutem Grund sehe die geltende Koalitionsvereinbarung keine neue U-Bahn-Strecke vor, heißt es in der Landesarbeitsgemeinschaft Mobilität der Grünen. Politik und Verwaltung dürften sich nicht verzetteln, schon der Ausbau der Straßenbahn gehe viel zu langsam voran. Ein Baustart ist nur für ein einziges Projekt absehbar: Am 19. Mai soll für die Strecke von der Wissenschaftsstadt Adlershof nach Schöneweide der erste Spatenstich gesetzt werden.  

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SPD-Expertin beklagt Sanierungsstau

Sybille Uken,  die Vorsitzende des Fachausschusses Mobilität der SPD, beklagt den „desaströsen Zustand“ des U-Bahn-Netzes. Wie berichtet bedarf die U-Bahn in den Ostbezirken einer Grundinstandsetzung, die sich in den nächsten 15 Jahren auf 190 Millionen Euro summiert. In den Westbezirken wird der Rückstand auf 1,55 Milliarden Euro beziffert. „Das ist keine Petitesse“, so Uken.

Senatorin Günther legt sich noch nicht fest. „Es ist weiterhin vollkommen offen, ob eine der untersuchten Strecken realisiert wird. Dazu gibt es bisher keine politische Verabredung“, bekräftigte ihr Sprecher Jan Thomsen. „Alle baulich-technischen Machbarkeitsstudien sind erst zu bewerten und politisch zu diskutieren, vertiefende Untersuchungen insbesondere zum Nutzen-Kosten-Verhältnis stehen ebenfalls aus.“

Verkehrspolitik ist Aufgabe des Senats, pflichtete die BVG bei. Doch bei dem Landesunternehmen macht man keinen Hehl daraus, dass Erweiterungen des U-Bahn-Netzes sinnvoll sein könnten – und dass die BVG-eigene Projektgesellschaft solche Vorhaben stemmen kann.

Vielleicht auch zum Mexikoplatz

„Der Lückenschluss der U5, den das Team geleitet hat, ist eine Erfolgsgeschichte“, sagte Betriebsvorstand Rolf Erfurt. Ab Dezember werde die U5 aus Hönow über den Alexanderplatz hinaus zum Hauptbahnhof verkehren. „Wir setzen alles daran, das Know-how und die Kompetenz im Haus zu halten“, so Erfurt.

Die ersten drei Machbarkeitsstudien, die bald dem Abgeordnetenhaus vorgelegt werden sollen, befassen sich mit den Strecken zur Urban Tech Republic in Tegel (U6), zum Bahnhof Schönefeld (U7) und ins Märkische Viertel (U8). Dem Vernehmen nach bescheinigt die BVG, dass diese Projekte gut möglich sind. Weitere Untersuchungen sind im Gang. So wird laut Senat geprüft, ob eine Fortführung der U7 zum BER machbar wäre. Auch für das andere Ende der mit 32 Kilometern längsten Berliner U-Bahn-Linie wird eine Verlängerung untersucht – von Rathaus Spandau bis Heerstraße Nord. Das Ergebnis könnte noch in diesem Jahr veröffentlicht werden, sagte Jan Thomsen. 

Wie jetzt bekannt wurde, bekommt nun auch ein immer wieder diskutiertes Projekt wieder Aufmerksamkeit. Eine Fortführung der U3 zum S-Bahnhof Mexikoplatz wäre ein einfaches Vorhaben – und mit Baukosten von 40 Millionen Euro preiswert, hieß es. Doch der Verkehrswert der knapp einen Kilometer langen Verbindung wäre groß, der Anschluss zur S1 würde die S3 aufwerten und im Fall von Störungen Fahralternativen schaffen. Allerdings sei die erwartete Fahrgastzahl von allen U-Bahn-Abschnitten, die bislang betrachtet worden sind, auf diesem Teilstück am niedrigsten, teilte Verkehrs-Staatssekretär Ingmar Streese (Grüne) 2019 mit.  "Dies ist auch einer der Gründe für die Einstufung als langfristiges Projekt." 

Dennoch hat sich die SPD-Fraktion dafür ausgesprochen, auch das Tunnelbauprojekt im Südwesten Berlins in die aktuelle Planung aufzunehmen. „Es wäre ein sinnvolles Projekt, eine logische Erweiterung des Netzes“, sagte der SPD-Abgeordnete Sven Heinemann. Er rechnet allerdings mit höheren Kosten.

Bei der BVG ist man sich aber bewusst, dass es jetzt nicht nur um die Zukunft gehen kann. „Bei der U-Bahn haben wir eine große Zahl von Zugausfällen und Verspätungen“, gab Erfurt zu bedenken. Mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren sei die U-Bahn-Flotte relativ betagt.

2500 Quadratmeter Fläche beschmiert

Darum hofft die BVG, dass der seit Monaten schwelende Rechtsstreit mit Alstom bald endet – und die Firma Stadler damit beauftragt werden kann, bis zu 1 500 Wagen zu liefern. Wie berichtet gibt es am 20. März eine zweite Verhandlung vor dem Kammergericht Berlin.

Graffiti sind ein weiteres Problem. Zwar sei das Aufkommen inzwischen wieder rückläufig, sagte Erfurt. Trotzdem würden pro Monat 650 Wagen beschmiert. Allein auf den Linien U5 bis U9 summierten sich die Flächen auf 2 500 Quadratmeter. Zum Vergleich: Um vier Quadratmeter zu reinigen, benötige ein versierter Mitarbeiter eine Stunde.

Immerhin: Im Januar und Februar fiel weniger als ein Prozent der U-Bahn-Fahrten aus, und 98 bis 99 Prozent der Fahrten wurden als pünktlich registriert. „Wir sind besser geworden“, sagte Rolf Erfurt.

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