Für einen Pendler aus dem belgischen Stekene wurde ein Gerichtstermin zum Dauerlauf. Achtmal musste er an einem Tag vor den Polizeirichter in Sint-Niklaas, jedes Mal wegen derselben Straße.
Am Ende standen 120 Tage Fahrverbot und 3200 Euro Geldstrafe. Darüber berichtete der flämische Sender VRT NWS.
Blitzer-Strecke in Sinaai: 88 bis 103 km/h statt 50
Die Straße heißt Wijnveld und liegt im Ortsteil Sinaai zwischen Gent und Antwerpen. Sie ist breit und schnurgerade, was nach Einschätzung der Stadt Sint-Niklaas genau zum Rasen verleitet.
Seit dem 13. April 2024 misst dort eine Section Control das Durchschnittstempo. Allein in den verbleibenden gut zwei Aprilwochen kamen laut dem Ortsblatt Info Sinaai 709 Anzeigen zusammen.
Der Mann aus Stekene fuhr im vergangenen Jahr binnen 30 Tagen achtmal hindurch. Sein Schnitt lag jedes Mal zwischen 88 und 103 km/h.
Zu schnell auf dem Weg zur Arbeit
Sein Anwalt schilderte vor Gericht, der Mandant habe die Verstöße gar nicht bewusst wahrgenommen. Alle acht Fahrten fielen in die Viertelstunde zwischen 5.45 und 6 Uhr morgens.
Der damalige Chef habe ihn mehrfach ermahnt, pünktlicher zu erscheinen, sagte der Anwalt laut dem Sender.
Zeitgewinn: knapp eine halbe Minute pro Fahrt
Das Ortsblatt beschreibt den Abschnitt als gerades Stück von rund 750 Metern. Bei Tempo 50 dauert die Durchfahrt 54 Sekunden, mit 88 bis 103 km/h nur 26 bis 31 Sekunden.
Gewonnen hat der Mann pro Fahrt also 23 bis 28 Sekunden. Über alle acht Fahrten sind das drei bis knapp vier Minuten, von denen ihn jede jetzt zwischen 860 und 1030 Euro kostet.
Polizeirichter bleibt hart
Der Anwalt bat um Verständnis. Sein Mandant habe inzwischen den Job gewechselt, baue jetzt Fenster und Türen ein und nehme Kollegen mit zur Baustelle. Er hoffte auf ein kurzes Fahrverbot.
Der Richter sah darin keinen Grund zur Milde, sondern acht einzelne Verstöße. Er fasste die Fälle nicht zusammen und verhängte für jeden 15 Tage Fahrverbot und 400 Euro. Ob der Mann gegen das erstinstanzliche Urteil vorgeht, ist nicht bekannt.
Blitzer-Serie in Deutschland: So teuer wäre es hier
Kaum billiger. Nach Abzug der Messtoleranz läge der Mann hierzulande 35 bis 49 km/h über dem Limit. Laut Bußgeldkatalog kostet das innerorts 260 oder 400 Euro, zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot pro Fall.
Beim Geld läge er mit 2080 bis 3200 Euro ähnlich. Auf dem Papier kämen 16 Punkte in Flensburg zusammen, doppelt so viele, wie für den Entzug der Fahrerlaubnis reichen. Automatisch weg wäre der Führerschein trotzdem nicht, weil das Punktesystem vorher Ermahnung und Verwarnung vorschreibt.
Beim Fahrverbot kommt es darauf an, wie die Behörde bündelt. Landen alle acht Fälle in einem Verfahren, gibt es nach der Rechtsprechung nur ein Fahrverbot, bei einer solchen Serie aber womöglich für bis zu drei Monate.
Kommen dagegen acht einzelne Bescheide, laufen die Verbote nach dem Straßenverkehrsgesetz nacheinander. Dann wären es acht Monate ohne Auto.
Blitzer in Belgien: Was deutsche Autofahrer wissen müssen
Wer mit dem Auto nach Belgien fährt, sollte die Kameras ernst nehmen. Rechtskräftige Geldstrafen aus EU-Staaten treibt ab 70 Euro inklusive Kosten das Bundesamt für Justiz in Bonn ein.
Punkte und Fahrverbote aus dem Ausland landen dagegen nicht in Flensburg. Sie gelten nur im Tatland.
Der Mann aus Stekene muss seine 120 Tage also komplett in Belgien absitzen. Die Kollegen, die er bisher zur Baustelle gefahren hat, dürfen sich jetzt revanchieren.
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