Im Pazifik baut sich der stärkste El Niño seit Beginn der Messungen auf, und in Deutschland wächst die Hoffnung auf weiße Weihnachten 2026. Der Deutsche Wetterdienst bremst: Aus einem starken El Niño allein lasse sich kein kalter Winter in Europa ableiten. Die ersten Langfristtrends für Dezember zeigen Milde, und die Statistik macht Schneefans wenig Mut.
Vor der Küste Perus ist das Meer stellenweise mehr als vier Grad wärmer als normal. In Deutschland entscheidet über Schnee zum Fest am Ende die Höhe.
Auf der Zugspitze lag in den vergangenen Jahrzehnten an Weihnachten immer Schnee. Im Rheintal reicht es nur etwa in jedem zehnten Jahr für eine weiße Bescherung.
Rekord-Update vom 8. Oktober: 83 Prozent für den Jahrhundert-El-Niño
Die US-Klimabehörde NOAA hat am Donnerstag ihre neue El-Niño-Diagnose vorgelegt. Der Leitindex Niño-3.4 liegt inzwischen bei plus 2,1 Grad, in der küstennahen Region Niño-1+2 sogar bei plus 3,9 Grad.
Die Chance auf ein „historisches“ Ereignis für Oktober bis Dezember beziffern die Forscher nun auf 83 Prozent. Im September waren es noch 75 Prozent.
Historisch heißt: stärker als jeder El Niño seit 1950. Die Schwelle liegt bei plus 2,5 Grad im Index RONI. Selbst der Jahrhundert-El-Niño von 2015/16 kam nur auf 2,3 Grad.
Wer jetzt schon den Winter plant: Verbindlich sind allein die kurzfristigen amtlichen Warnungen des DWD. Für Autofahrer gilt die Faustregel „von O bis O“, Winterreifen also von Oktober bis Ostern.
Bis über zwei Grad zu warm: Der Dezember-Trend lässt Schneefans zittern
Das europäische Modell ECMWF rechnet für den Dezember mit Temperaturen ein bis über zwei Grad über dem Normalwert, wie Meteorologe Dominik Jung auswertet.
Der Deutsche Wetterdienst sah in seiner saisonalen Klimavorhersage eine Tendenz von 79 Prozent für einen zu warmen Spätherbst von Oktober bis Dezember.
Ein milder Monatsdurchschnitt schließt Kälteeinbrüche nicht aus. Auf den deutlich zu warmen Dezember 2025 folgte ein Januar mit minus 0,7 Grad im Mittel.
Nur sechsmal seit 1906: So selten ist Schnee an allen drei Feiertagen
Flächendeckend weiß über alle drei Weihnachtstage war Deutschland laut DWD-Daten nur sechsmal: 1906, 1917, 1962, 1969, 1981 und 2010.
Im Flachland im Westen und Südwesten liegt die Chance auf eine geschlossene Schneedecke an den Feiertagen bei etwa zehn Prozent, im Norden und Nordosten meist zwischen zehn und 20 Prozent. In den Mittelgebirgen steigt sie auf bis zu 50 Prozent.
Berlin hat statistisch doppelt so oft weiße Weihnachten wie Düsseldorf oder Frankfurt, München viermal so oft. Dazu kommt das Weihnachtstauwetter, das sich je nach Region in 60 bis 70 Prozent der Jahre einstellt.
Für München hat der DWD zudem einen Rückgang der Weiße-Weihnacht-Wahrscheinlichkeit um 19,5 Prozentpunkte berechnet, für Berlin und Hamburg um jeweils zehn.
Mildrekord oder Schneewinter: Was frühere Monster-El-Niños brachten
Ein klares Muster liefern die großen El-Niño-Winter nicht. 2015/16 wurde einer der mildesten Winter seit 1881, auch 1997/98 zählt bis heute zu den wärmsten. Der El-Niño-Winter 2023/24 kam auf 4,1 Grad im Mittel.
2009/10 fiel dagegen ebenfalls in eine El-Niño-Phase und brachte Deutschland einen harten, schneereichen Winter.
Den Ausschlag gibt der Polarwirbel, der Ring aus kalter Luft hoch über der Arktis. Ein starker El Niño kann ihn im Laufe des Winters stören, wie der DWD in einem Thema des Tages erklärt.
Der Rekord im Pazifik wird immer wahrscheinlicher. Ein Rekordwinter in Deutschland wird es dadurch nicht. Der Winter 2025/26 war laut Umweltbundesamt bereits der 15. zu warme in Folge.
Schnee an Silvester? Am 12. November kommt das nächste Signal
Für den Jahreswechsel gibt es noch keine belastbare Aussage. Eine Störung des Polarwirbels wirkt sich, wenn überhaupt, meist erst in der zweiten Winterhälfte im Januar und Februar aus.
Die nächste NOAA-Diagnose erscheint am 12. November. Laut ECMWF könnte der El Niño im November und Dezember seinen Höhepunkt erreichen.
Eine echte Wettervorhersage reicht rund eine Woche weit, für Heiligabend also frühestens ab Mitte Dezember. Wer über die Feiertage unterwegs ist, sollte dann genau hinschauen, denn schon eine Glatteisnacht reicht für kilometerlange Staus.
Bis Heiligabend sind es noch 74 Tage. Die letzte flächendeckend weiße Weihnacht gab es in Deutschland 2010.
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