Erschossener Georgier

Tiergarten-Mord: Russische Regierung behindert Aufklärung

In wenigen Wochen beginnt in Berlin einer der spektakulärsten Polit-Prozesse der vergangenen Jahre: Es geht um den Mord an einem Georgier. Die Anklagevertretung geht von einem Mord im Auftrag der der Zentralregierung der Russischen Föderation aus.

dpa
3 Min
Beamte der Spurensicherung sichern in einem Faltpavillon Spuren an einem Tatort im Kleinen Tiergarten. Vor fast genau einem Jahr wurde dort ein Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit aus nächster Nähe von einem Fahrrad aus erschossen.   

Beamte der Spurensicherung sichern in einem Faltpavillon Spuren an einem Tatort im Kleinen Tiergarten. Vor fast genau einem Jahr wurde dort ein Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit aus nächster Nähe von einem Fahrrad aus erschossen.   

© Christoph Soeder/dpa

„Die letztlich erfolgte Beantwortung seitens der russischen Generalstaatsanwaltschaft mit Datum vom 2. Juni 2020 lieferte in der Sache weiterhin keine substanziellen russischen Beiträge zur Aufklärung“, heißt es in der Antwort, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Mord löste Krise in deutsch-russischen Beziehungen aus

Der Mord hatte im vergangenen Jahr eine Krise in den deutsch-russischen Beziehungen ausgelöst. Am 23. August wurde ein 40-jährige Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit im Kleinen Tiergarten in Berlin-Moabit aus nächster Nähe von einem Fahrrad aus erschossen. Ein dringend tatverdächtiger Russe wurde noch am selben Tag gefasst und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Die Bundesanwaltschaft erhob Mitte Juni Anklage gegen ihn und geht davon aus, dass er mehr als einen Monat vor der Tat von „staatlichen Stellen der Zentralregierung der Russischen Föderation“ beauftragt wurde. Der Prozess soll noch in diesem Jahr vor dem Berliner Kammergericht beginnen, einen Termin gibt es aber noch nicht.

Die Bundesregierung hatte Russland schon im Dezember fehlende Kooperation bei der Aufklärung des Mordes vorgeworfen und deshalb zwei russische Diplomaten ausgewiesen. Moskau hatte mit der Ausweisung zweier deutscher Diplomaten reagiert.

Nach der Anklage im Juni hatte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) mit einer weiteren Strafaktion gedroht: „Die Bundesregierung behält sich weitere Maßnahmen in diesem Fall ausdrücklich vor“, sagte er. „Das ist sicherlich ein außerordentlich schwerwiegender Vorgang.“ Der russische Botschafter Sergej Netschajew wies die Vorwürfe dagegen als „unbegründet und haltlos“ zurück.

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Maas reist am Dienstag nach Moskau 

Die Linken-Politikerin Dagdelen mahnte eine bessere Kooperation auf beiden Seiten in dem Fall an: „Vorverurteilungen und das gegenseitige Zurückhalten von Informationen sind für die notwendige Aufklärung des Mordes nicht hilfreich. Es gilt, die deutsch-russische Rechtshilfe zu stärken und beiderseitiges Vertrauen zu schaffen, um das Verbrechen dringend aufzuklären statt weiter Spekulationen zu befördern.“

An diesem Dienstag reist Maas nach Moskau, um sich mit seinem Kollegen Sergej Lawrow zu treffen. Neben den Konflikten in Libyen, der Ukraine und Syrien könnte es dabei auch um die zunehmenden Probleme in den bilateralen Beziehungen gehen. Die Verärgerung in der Bundesregierung über Russland wächst jedenfalls.

Neben dem Mord im Kleinen Tiergarten gibt es nämlich noch einen anderen Fall, in dem sich der Generalbundesanwalt mit Russland befasst: die bisher größte Cyber-Attacke auf den Bundestag im Mai 2015. Rechner in zahlreichen Abgeordnetenbüros waren damals mit Spionagesoftware infiziert worden, darunter auch Computer im Bundestagsbüro der Kanzlerin.

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