PRENZLAUER BERG. Autofahrer müssen sich darauf einstellen, dass sie ab dem kommenden Jahr im südlichen Teil des dicht besiedelten Ortsteiles für das Parken Geld bezahlen müssen. Noch vor der Sommerpause soll im Bezirk über Parkraumbewirtschaftung in Teilen von Prenzlauer Berg entschieden werden. Der Stadtrat für Öffentliche Ordnung, Jens-Holger Kirchner (Grüne), rechnet mit Einführung des Systems aber nicht vor April 2010. Die Parkzone innerhalb des S-Bahn-Rings soll nach aktuellen Planungen sogar noch größer werden, als bisher geplant. Denn auch im Winsviertel zwischen Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße soll das Parken Geld kosten.Der Bezirk hat die Pläne jetzt im Internet veröffentlicht. In einem eingerichteten Forum können die Anwohner über die Vor- und Nachteile diskutieren. "Jeder sollte sich beteiligen, bevor eine endgültige Entscheidung fällt", sagt Kirchner.Das Berliner Verkehrsplanungsbüro LK Argus hatte im vergangenen Jahr den ruhenden Verkehr in 13 Wohnvierteln untersucht. In dem fünf Quadratkilometer großen Gebiet leben 88 000 Menschen, es gibt 28 000 Autos. Vor allem rund um Helmholtzplatz, Kollwitzplatz und Wasserturm sowie in der Oderberger Straße und der nördlichen Torstraße ist es sehr schwierig, einen Parkplatz zu finden. Autos werden illegal auf Geh- und Radwegen geparkt. Etwa ein Drittel aller Stellplätze wird tagsüber von langparkenden Berufspendlern genutzt. Abends kommen Gäste von Cafés und Restaurants mit ihrem Auto, steht in der Studie. Vor allem für Berufspendler und Café-Besucher soll es künftig unattraktiv werden, mit dem Auto nach Prenzlauer Berg zu fahren. Einen Euro pro Stunde müssten sie dann zahlen. In den Wohnvierteln Falkplatz, Grüne Stadt, Ernst-Thälmann-Park und Bötzowviertel ist die Parksituation der Studie zufolge nicht so dramatisch. Dort wird es vorerst keine Parkzonen geben.Empfiehlt die Studie noch, das Wohnviertel Winsstraße als Beobachtungsgebiet zu deklarieren, fordert nun die SPD, auch dort Automaten aufzustellen. "Es ist dort dringend erforderlich, den enormen Parkdruck zu reduzieren", sagt der verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Roland Schröder.Bisher befürworten nur SPD und Grüne das bezahlte Parken, die Linke tut sich schwer. "Dieser Schritt sollte wohlüberlegt sein, er bringt schwerwiegende Veränderungen für alle Menschen", sagt der Verordnete Wolfram Kempe. Die Christdemokraten befürchten eine Ungleichbehandlung berufstätiger Menschen, die nicht in Prenzlauer Berg wohnen. "Sollen Lehrer künftig mit der S-Bahn zur Schule fahren?", fragt der Verordnete Philipp Lengsfeld.Studie zur Parkraumbewirtschaftung und weitere Informationen unter www.berlin.de/pankow------------------------------Wer zahlt was?Bewohner erhalten einen Bewohnerparkausweis (20,40 Euro für zwei Jahre, das entspricht 85 Cent/Monat).Auswärtige Gäste der Bewohner erhalten eine Gästevignette (je nach Geltungsdauer 10,20 bis 25 Euro).Ausnahmegenehmigungen gibt es für die private Pflege von Angehörigen und für Personen, die gesundheitsbedingt nicht den ÖPNV nutzen können (26 Euro pro Jahr oder 41 Euro für zwei Jahre) sowie für Gewerbetreibende (90 Euro pro Jahr, 130 Euro für zwei Jahre, 160 Euro für drei Jahre).Vignette für Beschäftigte, die nachweislich auf den Pkw angewiesen sind (40 Euro pro Jahr oder 60 Euro für zwei Jahre).Alle anderen bezahlen einen Parkschein.------------------------------Karte: Parkraumuntersuchung in Prenzlauer Berg
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