BERLIN, 16. Juni. Zwei Wochen nach Beginn der Streiks in Sachsen weitet die IG Metall den Arbeitskampf für die Einführung der 35-Stunden-Woche in der ostdeutschen Metallindustrie auch auf Berlin und Brandenburg aus. Das beschloss der Gewerkschaftsvorstand am Montag in Frankfurt am Main. Wie zu erfahren war, sollen die ersten Ausstände in der Region bereits am Dienstag mit der Frühschicht beginnen. Bestreikt werden zunächst vier Betriebe in Ost-Berlin sowie im Umland der Hauptstadt.Der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Jürgen Peters sagte, 13 Jahre nach der Einheit müsse jetzt für die ostdeutschen Metaller ein Stufenplan zur Arbeitszeitreduzierung vereinbart werden. "Mit der Ausweitung des Arbeitskampfes wollen wir den Druck auf die Arbeitgeber weiter erhöhen, um möglichst bald einen akzeptablen Tarifabschluss zu erreichen."Ökonomen üben heftige KritikAnfang Juni hatten sich 78,8 Prozent der befragten IG-Metall-Mitglieder in der Region für einen Streik ausgesprochen. Nach Angaben der Gewerkschaft können nun 6 000 organisierte Arbeitnehmer in 42 Betrieben Ost-Berlins und Brandenburgs zum Arbeitskampf aufgerufen werden. Bisher arbeiten die Ost-Metaller bei gleichem Lohn 38 Stunden pro Woche und damit drei Stunden mehr als ihre Kollegen im Westen. Die Arbeitgeber lehnen eine Angleichung angesichts der geringeren Leistungskraft vieler ostdeutschen Betriebe ab.Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute haben unterdessen heftige Kritik am Kurs der IG Metall geübt. Der Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs, Thomas Straubhaar, sagte der Berliner Zeitung, er rechne bei einer Reduzierung der Arbeitszeit mit dem Verlust von bis zu fünf Prozent der Stellen in der Branche. Nach Einschätzung des Ifo Instituts ist eine Angleichung der Arbeitszeiten erst um das Jahr 2020 realistisch. Wirtschaft Seite 23
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