Für Millionen Haushalte mit Gasheizung wird der Januar teuer. „Wir erwarten zum Jahreswechsel flächendeckende Preiserhöhungen“, sagt Verivox-Energieexperte Thorsten Storck, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Je nach Tarif rechnet das Vergleichsportal mit 10 bis 20 Prozent.
Für ein Einfamilienhaus sind das schnell mehrere Hundert Euro im Jahr. In Berlin kommt etwas hinzu: Hier steigen auch die Gebühren für das Gasnetz stärker als im Bundesschnitt.
Auch beim Strom klettern die Netzentgelte, allerdings nur um durchschnittlich 1,9 Prozent. Für die meisten Haushalte geht es dort um wenige Euro.
Gaspreise 2027: So viel mehr zahlen Haushalte
Eine Kilowattstunde Gas kostet derzeit im Schnitt 12,7 Cent, so Verivox (Stand 1. Oktober). Eine Familie mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt damit rund 2540 Euro.
Bei 10 Prozent Aufschlag kommen nach eigener Rechnung etwa 250 Euro dazu, bei 20 Prozent gut 500 Euro. Für eine Wohnung mit 10.000 Kilowattstunden sind es 125 bis 250 Euro mehr.
Wie stark es den einzelnen Haushalt trifft, entscheidet der Vertrag. Am meisten riskiert, wer in der Grundversorgung steckt oder keine Preisgarantie hat.
Warum Gas zum Jahreswechsel teurer wird
Den Druck macht der Großhandel. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist der Gaspreis an den Börsen stark gestiegen, im Sommer von rund 30 auf bis zu 66 Euro je Megawattstunde. Anfang Oktober lag der europäische Referenzpreis TTF bei rund 76 Euro.
Viele Versorger haben ihre Bestandskunden bisher mit Gas beliefert, das sie lange im Voraus eingekauft hatten. Für 2027 müssen sie teurer nachkaufen.
Die höheren Netzgebühren fallen daneben kaum ins Gewicht, sagt Storck.
Gasnetzentgelte 2027: Berlin und Brandenburg über dem Schnitt
Bundesweit steigen die Gasnetzentgelte 2027 laut Verivox um rund 3 Prozent. Für 20.000 Kilowattstunden sind das rechnerisch etwa 19 Euro mehr.
Berlin und Brandenburg gehören zu den vier Ländern mit überdurchschnittlichem Anstieg, dazu kommen Hamburg und Rheinland-Pfalz. In Sachsen und Thüringen sinken die Gebühren leicht.
Das Netz macht beim Gas etwa ein Fünftel des Preises aus. Welche Rechnung Berliner Gaskunden 2027 bekommen, hängt deshalb vor allem davon ab, was ihr Versorger beim Einkauf zahlt.
CO2-Preis: Hier bleibt es 2027 stabil
Eine Sorge sind Gaskunden vorerst los. Der Bundestag hat am 15. Oktober beschlossen, den CO2-Preis auch 2027 im Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne zu halten, wie das Parlament mitteilt. Der Bundesrat befasst sich noch damit.
Ohne das Gesetz wäre der Preis 2027 an den Emissionshandel der Industrie gekoppelt worden, der derzeit bei rund 80 Euro je Tonne liegt. Der europäische CO2-Markt für Heizen und Tanken startet erst 2028.
Strom: Westen zahlt mehr, Osten etwas weniger
Beim Strom ist der Anstieg kleiner. Die Netzentgelte klettern laut Verivox im Schnitt um 1,9 Prozent, für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4000 Kilowattstunden sind das rund acht Euro im Jahr.
In den alten Bundesländern sind es durchschnittlich zehn Euro mehr, in den neuen Bundesländern drei Euro weniger. Am stärksten steigen die Stromnetzgebühren in Hamburg.
Ein Grund ist der Bund. Er senkt seinen Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten von 6,5 auf 5,525 Milliarden Euro, wie der Verwalterverband VDIV zusammenfasst. Ist das Zuschussgesetz nicht bis zum 7. Dezember beschlossen, könnten die Stromnetzentgelte höher ausfallen, wie die Berliner Zeitung berichtete.
Preisbrief vom Gasversorger: Diese Fristen gelten
Grundversorger müssen eine Erhöhung sechs Wochen vorher per Brief ankündigen. Für den 1. Januar heißt das: Die Post muss bis etwa 20. November im Kasten liegen.
Bei allen anderen Verträgen gilt mindestens ein Monat Vorlauf, also spätestens der 1. Dezember. Im Schreiben müssen Anlass, Umfang und der Hinweis auf das Sonderkündigungsrecht stehen. Fehlt das, kann die Erhöhung laut Verbraucherzentrale unwirksam sein.
Was Gaskunden jetzt tun sollten
Jahresabrechnung prüfen: Dort steht, ob Sie in der Grundversorgung sind und bis wann eine Preisgarantie läuft. Viele Garantien sichern nur den Energiepreis ab, höhere Netzentgelte dürfen trotzdem weitergegeben werden.
Preise vergleichen: Zwischen Grundversorgung und günstigen Neukundentarifen lagen laut Verivox im Sommer rund 600 Euro im Jahr für ein Einfamilienhaus.
Kündigung rechtzeitig abschicken: Das Sonderkündigungsrecht gilt auch, wenn der Versorger die Erhöhung mit Netzentgelten begründet. Die Kündigung muss aber spätestens zum Inkrafttreten der neuen Preise beim Versorger sein.
Erst den neuen Vertrag, dann die Kündigung: Wer ohne Anschlussvertrag kündigt, rutscht in die Ersatzversorgung und zahlt dort meist mehr. Aus der Grundversorgung kommen Sie jederzeit mit zwei Wochen Frist heraus
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