Ganz Europa ächzt unter steigenden Preisen, Deutschland kommt vergleichsweise glimpflich davon. Ein wichtiger Grund dürfte der Tankrabatt sein, der Benzin und Diesel um fast 17 Cent je Liter billiger macht. Doch er hat ein Ablaufdatum: den 31. Dezember.
Die Inflation in der Eurozone ist im Oktober auf 4,0 Prozent gesprungen, meldet Eurostat. So hoch war sie zuletzt im September 2023. In Deutschland stiegen die Preise im selben Monat nur um 2,8 Prozent.
Inflation Eurozone: Energie fast 21 Prozent teurer
Seit dem Sommer zieht die Teuerung Monat für Monat an: 3,2 Prozent im August, 3,8 Prozent im September, jetzt 4,0 Prozent.
Haupttreiber ist Energie. Sie kostete im Oktober 20,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Obwohl Energie nur einen kleinen Teil des Warenkorbs ausmacht, steuert sie damit rund die Hälfte der gesamten Inflation bei.
Ohne Energie und Lebensmittel liegt die Teuerung bei 2,5 Prozent. Zwischen den 21 Euro-Ländern klaffen die Werte weit auseinander: Litauen meldet 6,1 Prozent, Italien 5,6 Prozent. Malta liegt mit 2,3 Prozent am unteren Ende, wie der US-Sender CNBC berichtet. Deutschland folgt knapp dahinter.
Inflation Deutschland: Tankrabatt drückt die Rate
Laut Statistischem Bundesamt lagen die Energiepreise hierzulande im Oktober 12,2 Prozent über dem Vorjahr, nach 14,9 Prozent im September. Gegenüber dem Vormonat fielen die Verbraucherpreise sogar um 0,2 Prozent.
Der naheliegende Grund: Seit dem 1. Oktober gilt der Tankrabatt. Die Steuer auf Benzin und Diesel ist um 14,04 Cent je Liter gesenkt, mit Mehrwertsteuer sind das 16,7 Cent. Bund und Länder kostet das rund 2,5 Milliarden Euro.
Im übrigen Euroraum gibt es diese Entlastung so nicht. Dort wurde Energie im Oktober noch teurer.
Tankrabatt endet: So viel teurer wird die Tankfüllung
Der Rabatt ist bis Silvester befristet, eine Verlängerung ist nicht beschlossen. Fällt er weg, kostet eine 50-Liter-Tankfüllung rechnerisch gut 8 Euro mehr, sofern sich der Ölpreis nicht deutlich bewegt.
Laut ADAC kostete Super E10 Ende Oktober im Bundesschnitt 2,084 Euro, Diesel 2,289 Euro. Ohne Rabatt lägen beide Sorten wieder in der Nähe der Rekorde von Mitte September: 2,308 Euro für E10 und 2,471 Euro für Diesel.
Ob es so kommt, ist offen. Den ersten Tankrabatt im Mai und Juni hatte die Koalition auslaufen lassen, drei Monate später kam er zurück.
Sicher ist nur: Der Effekt, der die deutsche Inflation im Oktober gebremst hat, dreht sich im Januar um.
EZB-Zinsen: Erhöhung im Dezember wahrscheinlich
Die Europäische Zentralbank peilt 2 Prozent Inflation an, die aktuelle Rate ist doppelt so hoch. Den Einlagenzins hat sie in diesem Jahr schon zweimal angehoben, auf jetzt 2,50 Prozent.
Ende Oktober hielt sie still. Für die Sitzung am 17. Dezember sei die „Richtung der Reise ziemlich klar“, sagte EZB-Chefin Christine Lagarde laut Börsen-Zeitung. Am selben Tag kündigte sie ihren vorzeitigen Abschied zum 7. Februar 2027 an.
Was Verbraucher jetzt tun können
Autofahrer sollten den Dezember nutzen und vor Silvester noch einmal volltanken. Abends ist Sprit laut ADAC meist deutlich günstiger als morgens.
Für Sparer ist die Lage ausnahmsweise günstig. Eine weitere Zinserhöhung dürfte Tages- und Festgeld attraktiver machen, viele Banken geben sie aber nur zögerlich weiter. Wer sein Geld bei null Prozent liegen lässt, verliert bei dieser Inflation aufs Jahr gerechnet fast drei Prozent Kaufkraft.
Wer einen variablen Kredit hat oder bald eine Anschlussfinanzierung braucht, spürt steigende Leitzinsen zuerst.
Gaskunden sollten ihren Abschlag prüfen. Die deutschen Speicher waren laut Bundesnetzagentur Ende Oktober nur zu 61,7 Prozent gefüllt. Eine akute Versorgungsgefahr sieht die Behörde nicht, ein kalter Winter dürfte die Preise aber weiter treiben.
Die endgültigen deutschen Oktoberzahlen veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 11. November.
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