Die Bundespolizei hat 23 ausreisepflichtige Afghanen mit einem Charterflugzeug nach Kabul gebracht. Der Flieger startete in den frühen Morgenstunden vom Flughafen Leipzig/Halle. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) begleiteten die Beamten die 23 Männer in die afghanische Hauptstadt.
„Bei den Personen handelt es sich großenteils um Straftäter, die wegen schweren Vergehen verurteilt wurden: u.a. Sexualdelikte und Körperverletzungsdelikte“, teilte das Bundesinnenministerium auf der Plattform X mit. Abgeschoben werden nach Angaben der Bundesregierung jedoch längst nicht mehr nur verurteilte Straftäter.
Warum jetzt auch Nicht-Straftäter abgeschoben werden
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte den Kurs nach einer Abschiebung Ende Juli angekündigt. Man werde sich bei Rückführungen nach Afghanistan nicht länger allein auf Straftäter und sogenannte „Gefährder“ beschränken.
Stattdessen sollten – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – von da an auch andere Ausreisepflichtige abgeschoben werden. Die aktuelle Aktion vom Flughafen Leipzig/Halle setzt diese Linie fort.
Die Bundesregierung erkennt die Taliban, die vor fünf Jahren die Macht in Kabul übernommen haben, nicht als legitime Regierung an.
Abschiebungen 2026: Die Zahlen sinken deutlich
Die erste Sammelabschiebung afghanischer Straftäter organisierte Deutschland vor zwei Jahren – mit Unterstützung des Golfemirats Katar. Damals war Nancy Faeser (SPD) Bundesinnenministerin.
Bundesweit gehen die Abschiebungen 2026 zurück. Im ersten Halbjahr wurden 9663 Menschen abgeschoben – 18,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor.
Als einen Grund nennt die Bundesregierung die gesunkenen Asylzahlen. Seit Anfang 2025 stellen deutlich weniger Menschen in Deutschland einen Asylantrag.
Zur Jahresmitte lebten knapp 259.000 Ausreisepflichtige in Deutschland. 77 Prozent von ihnen besaßen eine Duldung, weil eine Abschiebung vorübergehend nicht möglich war.
Was die Abschiebeflüge kosten
Zwei Sammelabschiebungen nach Afghanistan im April und Juni verursachten laut Bundesregierung jeweils Flugkosten von mehr als 300.000 Euro – ohne Beteiligung der EU-Grenzschutzagentur Frontex.
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Der beim Fluggerät teuerste Flug führte im Mai von Leipzig/Halle nach Pakistan und kostete rund 518.000 Euro. Diese Kosten übernahm nach Angaben der Bundesregierung Frontex.
Bei der Durchsetzung wächst der Druck. In 280 Fällen weigerten sich Piloten im ersten Halbjahr 2026, Ausreisepflichtige in ihren Linienmaschinen zu befördern. Im gesamten Jahr 2025 waren es 514 solcher Fälle. Warum die Piloten ablehnen, erfasst die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht statistisch.
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