Human Rights Watch wirft der Regierung von Donald Trump vor, mehr als 4300 Kubaner nach Mexiko abgeschoben zu haben, ohne ihre Fälle vorher einzeln zu prüfen. Die Menschenrechtsorganisation veröffentlichte am Mittwoch einen Bericht über Abschiebungen aus den USA nach Mexiko.
Nach Angaben von HRW deportierten die USA zwischen dem 20. Januar 2025 und dem 9. März 2026 knapp 13.000 Menschen aus Drittstaaten nach Mexiko. Gemeint sind Personen, die weder US-amerikanische noch mexikanische Staatsbürger sind. Die größte betroffene Gruppe seien Kubaner. Viele von ihnen hätten seit Jahren oder Jahrzehnten in den USA gelebt, vor allem in Florida.
Das kubanische Exilmedium 14ymedio schreibt unter Berufung auf HRW, 55 Prozent der abgeschobenen Kubaner seien in den USA vorbestraft gewesen. Gegen weitere 16 Prozent liefen Verfahren, ohne dass sie verurteilt worden waren. 26 Prozent hatten demnach keine strafrechtliche Belastung. Nur bei 16 Prozent betraf die schwerste Verurteilung eine Gewalttat oder ein Delikt, bei dem Gewalt eine Rolle spielte.
Alte Abschiebungsanordnungen, neue Route
HRW stützt den Bericht auf Interviews mit Betroffenen. Laut der Nachrichtenagentur AP lebten mehr als die Hälfte der 41 von HRW befragten Kubaner seit den 1980er- oder 1990er-Jahren in den USA. Einige seien während des Mariel-Exodus 1980 gekommen, andere kamen in den 1990er-Jahren über ein US-Lotterieverfahren ins Land. Viele hätten eine Green Card gehabt, diesen Aufenthaltsstatus aber später verloren.
HRW schreibt, viele Kubaner seien über Jahre nicht abgeschoben worden, weil Kuba bestimmte Rückführungen nicht akzeptiert habe. Die Organisation fordert die USA auf, diese Abschiebungen auszusetzen, solange kein rechtliches Verfahren und keine Schutzgarantien gesichert sind. Von Mexiko verlangt HRW Zugang zu medizinischer Versorgung und einen Weg zur Legalisierung des Aufenthalts für Menschen, die nicht in ihr Herkunftsland zurückkehren können.
Mexiko bestreitet Drittstaatenrolle
Das mexikanische Medium Animal Político berichtet, die Regierung von Präsidentin Claudia Sheinbaum bestreite, dass Mexiko formal als sicherer Drittstaat für aus den USA abgeschobene Menschen fungiere. HRW sieht Mexiko dennoch faktisch als wichtigsten Aufnahmestaat für solche Fälle. Die Organisation verweist darauf, dass 70 Prozent aller aus den USA in Drittstaaten deportierten Menschen nach Mexiko gebracht worden seien.
AP berichtet unter Berufung auf HRW, viele Abgeschobene seien in Städte gelangt, in denen es wenig Arbeit gibt, medizinische Versorgung schwer erreichbar ist und Gewalt durch kriminelle Gruppen droht. Animal Político schreibt, einige Betroffene hätten gegenüber US-Behörden auf die Risiken in Mexiko aufmerksam gemacht, seien aber dennoch ohne individuelle Anhörung dorthin abgeschoben worden.
Drittstaatenabkommen: Die teure Illusion der Abschiebepolitik
Trump-Regierung lässt Migranten wieder aus Guantánamo ausfliegen
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]