In Leipzig-Möckern untersucht das Landesamt für Archäologie Sachsen (LfA) seit Juli ein mehr als 5.000 Quadratmeter großes Gelände, auf dem ein neuer Grundschulkomplex entstehen soll. Ein fünfköpfiges Team unter Leitung von Thomas Lukas arbeitet dort noch bis Mitte Oktober, unterstützt von einer Praktikantin und einem FSJ-Teilnehmenden. Bereits untersuchte Flächen gibt das Landesamt schrittweise für den Neubau frei, wie es am 30. September 2026 mitteilte.
Die Grabung war nach Angaben des LfA notwendig, weil das Baugebiet direkt neben einer bekannten bronzezeitlichen Fundstelle liegt und als archäologisches Relevanzgebiet gilt. Hinzu kommt die hochwasserfreie Lage nahe der Weißen Elster in der Leipziger Tieflandsbucht, in der ohnehin mit vorgeschichtlichen Funden zu rechnen war. Eine Bebauung ohne vorherige Untersuchung hätte die Spuren im Boden unwiederbringlich zerstört.
Auf dem Gelände stand ein inzwischen abgerissener Gebäudekomplex aus den 1960er Jahren. Trotz dieser Überbauung stießen die Ausgräber auf zahlreiche gut erhaltene Befunde, also Gruben und Pfostenlöcher früherer Häuser. Landesarchäologin Dr. Regina Smolnik: „Unsere Untersuchungen in Leipzig Möckern zeigen sehr deutlich, wie wichtig die Beteiligung der Archäologie auch im städtischen Bereich ist.“
Langhaus und Hockergrab aus der Jungsteinzeit
Skelett: Die Forscher fanden in der Erde menschliche Überreste.
© Landesamt für Archäologie Sachsen
Die Siedlung ordnet das LfA der linienbandkeramischen Kultur zu, die von 5500 bis 4500 vor Christus reicht. In dieser Phase der Jungsteinzeit wurden die Menschen sesshaft und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Ihren Namen trägt die Kultur wegen der spiral- oder wellenförmigen Bänder auf ihren Gefäßen, die von Ungarn bis ins Pariser Becken verbreitet sind. Solche Rand- und Wandscherben fanden sich auch in Möckern. Anhand verfärbter Pfostengruben wiesen die Archäologen den vollständigen Grundriss eines 30 Meter langen Holz-Langhauses nach, dazu mindestens zwei weitere, nur teilweise erfasste Häuser.
Mitten in der Siedlung lag zudem eine Bestattung ohne Grabbeigaben. Die bestattete Person lag auf der linken Seite mit angezogenen Beinen in einer Grube neben beziehungsweise in der Grube eines Hauses, ein sogenanntes Hockergrab. Das LfA datiert das Grab über diese Hockerlage und den Schichtbezug zur Siedlung und zu einem der Häuser in die Linienbandkeramik; eine naturwissenschaftliche Datierung nennt die Behörde nicht. Nach ihrer Einschätzung handelt es sich um das älteste bisher im Leipziger Stadtgebiet bekannte Grab. Dass Knochen erhalten sind, nennt das LfA einen seltenen Glücksfall, weil die Knochenerhaltung in weiten Teilen Sachsens schlecht ist. Nach dem Ende der Grabung beginnt im Landesamt die wissenschaftliche Auswertung.
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