In Äthiopien fehlt rund 85 Millionen Menschen eine Grundversorgung mit Strom, obwohl das Land seine Kapazitäten zur Stromerzeugung erweitert und als Stromlieferant in Ostafrika an Gewicht gewinnt. Das geht aus einer am Dienstag vorgestellten Länderanalyse der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor.
Demnach hatten im Jahr 2024 erst etwa 35 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Strom. Anfang der 2000er-Jahre lag der Anteil bei rund zwölf Prozent.
Afrikas größtes Wasserkraftwerk
Der Grand-Ethiopian-Renaissance-Staudamm am Blauen Nil nahe der sudanesischen Grenze ist mit einer installierten Leistung von 5150 Megawatt das größte Wasserkraftwerk Afrikas. Nach 14 Jahren Bauzeit wurde er im September 2025 eingeweiht.
Durch den Staudamm kann Äthiopien deutlich mehr Strom erzeugen. Nach Einschätzung der IEA verbessern sich damit auch die Möglichkeiten für Stromexporte in Ostafrika. Für Haushalte und Betriebe bleibt die Versorgung jedoch häufig unzuverlässig. Hohe Verluste im Stromnetz schmälern zudem die Einnahmen der Versorger und erschweren weitere Investitionen.
Äthiopien ist ein Binnenstaat am Horn von Afrika und mit rund 135 Millionen Einwohnern nach Nigeria das bevölkerungsreichste Land des Kontinents. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Kaffee ist das wichtigste landwirtschaftliche Exportgut, daneben verkauft das Land unter anderem Gold, Hülsenfrüchte, Ölsaaten und Schnittblumen ins Ausland. Trotz starken Wirtschaftswachstums gehört Äthiopien weiterhin zu den armen Ländern der Welt.
Stromnetz bleibt unzureichend
Bis 2030 will Äthiopien drei Viertel seiner Bevölkerung mit Strom versorgen, bis 2035 alle Menschen. Dafür müssten Leitungen ausgebaut, abgelegene Orte auch unabhängig vom Stromnetz versorgt und Anschlüsse bezahlbarer werden, empfiehlt die IEA. Sie fordert außerdem eine bessere Abstimmung der staatlichen Stellen und eine Modernisierung des Netzes.
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Die Stromerzeugung des Landes stützt sich vor allem auf Wasserkraft. Dadurch ist Äthiopien anfällig für Klimarisiken und schwankende Wassermengen. Die IEA empfiehlt, Solar-, Wind- und Erdwärmeanlagen stärker auszubauen. Doch hohe Finanzierungskosten, Devisenmangel und der Bedarf an importierter Technik erschweren neue Projekte.
Schadstoffarmes Kochen bleibt selten
Auch bei Energie zum Kochen ist die Versorgungslücke groß: Rund 120 Millionen Menschen nutzten 2024 noch traditionelle Kochmethoden. Nur sieben Prozent hatten Zugang zu Kochmöglichkeiten mit geringem Schadstoffausstoß. Nach Einschätzung der IEA braucht es finanzielle Unterstützung beim Kauf geeigneter Geräte und eine Stromversorgung, die den zusätzlichen Bedarf zuverlässig decken kann.
Die Regierung will den Anteil der Menschen, die schadstoffarm kochen können, bis 2030 auf 58 Prozent erhöhen, vor allem durch Elektroherde und verbesserte Biomasseöfen.
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